Flüchtlinge ziehen bald in Kettwiger Unterkunft ein

Die Flüchtlingsunterkunft am S-Bahnhof in Kettwig wird nun wohl in der kommenden Woche bezogen.
Die Flüchtlingsunterkunft am S-Bahnhof in Kettwig wird nun wohl in der kommenden Woche bezogen.
Foto: Stefan Arend
Die ersten Bewohner in der Unterkunft am S-Bahnhof erwartet „Kettwig hilft“ in der nächsten Woche. Anwohner können zuvor Einrichtung besichtigen.

Essen-Kettwig..  Ab der kommenden Woche werden die ersten Flüchtlingsfamilien in die Unterkunft an der Ruhrtalstraße, unmittelbar am S-Bahnhof Kettwig gelegen, einziehen. Zuvor, am 1. Dezember, haben Anwohner (das Gebiet bis einschließlich Schmachtenbergstraße) die Gelegenheit, die containerähnlichen Räume zu besichtigen.

„Vielleicht kommt dann auch der eine oder andere, der der Sache skeptisch gegenüber steht“, hofft Angelika Kleinekort, Vorsitzende des Vereins „Kettwig hilft“. Denn gerade die Meckerer, die hauptsächlich in sozialen Netzwerken gegen Asylbewerber Vorurteile verbreiteten, scheuten die offene Diskussion mit dem Verein. „An den Infoständen bekommen wir nur wohlwollendes Feedback. Aber wir wissen, dass es auch unter den Kettwigern viele gibt, die Vorurteile haben und sogar radikale Ansichten vertreten. Wir sind zur Diskussion bereit“, lässt die erste Vorsitzende keinen Zweifel aufkommen, die Argumentation sachlich führen zu wollen.

Betreiber ist European Home Care

Dabei ruht ihre Hoffnung eben auch auf der Besichtigung der Örtlichkeit, die über 175 Plätze verfügt. „Wer Unterkünfte dieser Art gesehen hat, weiß, dass die Bewohner so schnell wie möglich bemüht sein werden, in eigene Wohnungen ziehen zu können“, sagt Kleinekort. In Zeltdörfern gibt es wenig bis keine Privatsphäre, in den festen Unterkünften sehe es damit auch nicht wesentlich besser aus, findet Angelika Kleinekort. „Die Sanitäranlagen und die Küche werden gemeinschaftlich genutzt. Die Zimmer haben Etagenbetten, ansonsten ist wenig Platz für die persönliche Habe.“

Die Begehung der Unterkunft wird mit Vertretern der Stadt Essen und des Betreibers European Home Care durchgeführt. Die Frage nach der Herkunft der Menschen, Geschlecht, Religion, all das können vielleicht sie am Donnerstag beantworten. „Es liegt nahe, dass die Menschen aus den Behelfsunterkünften Hatzper Straße, Im Neerfeld oder aus der Tiegelstraße kommen werden“, sagt Kleinekort, „aber genau wissen wir als Verein das derzeit noch nicht. Aber es sollen wohl einige Familien mit Grundschülern darunter sein.“

Diese Schulkinder, so Kleinekorts Information, sollen aber an den Schulen bleiben, die sie bislang besuchen, um weitere Umgewöhnungsprobleme zu vermeiden. „Es wird einen Shuttleservice geben.“

Gefahrlose Querung der Ruhrtalstraße ist ein Problem

Große Probleme sieht der Verein „Kettwig hilft“ derzeit hinsichtlich der Verkehrssituation. Schlechte Beleuchtung sei in der dunklen Jahreszeit gefährlich. Nicht weniger risikoreich sei die Querung der Ruhrtalstraße, die durch einen Zebrastreifen kenntlich gemacht werden sollte. „Denn einen funktionierenden Gehweg gibt es entlang der Unterkunft bisher noch nicht.“ Ein geplanter Spielplatz liege ebenfalls in Straßennähe, „da braucht nur mal ein Ball auf die Straße zu rollen...“ Doch die Stadt habe die Anfragen des Vereins auch nach Monaten noch nicht beantwortet beziehungsweise die Arbeiten ausgeführt.

Der Verein, der momentan 240 Unterstützer zählt, ist dabei, die verschiedenen Hilfsangebote zu koordinieren. Arbeitsgruppen – Sprache, Patenschaften, Ankommen – wurden schon gebildet. „Weitere Helfer sind gerne willkommen.“ Diese benötigen, sobald es losgeht in der Unterkunft, das erweiterte Polizeiliche Führungszeugnis. Außerdem muss die Ehrenamtscharta unterzeichnet werden. „Das ist erforderlich, wenn Ehrenamtliche mit den Flüchtlingen Kontakt aufnehmen“, erläutert die Vereinsvorsitzende. Und das wird vermutlich schon nächste Woche der Fall sein.

>> Unterstützung bei der Orientierung im Stadtteil

Die Aufgabe der AG ankommen im Stadtteil und Begegnung ist eine frühzeitige Unterstützung der Bewohner bei der Orientierung. Die AG hat bereits viele Ideen zusammengetragen. Am 2. Dezember soll es für die Helfer einen Stadtrundgang geben. Am Mittwoch, 7. Dezember, trifft sich die Gruppe um 20 Uhr im Alten Bahnhof, Ruhrtalstraße 345.

 
 

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