Essens schlechtester Radweg führt nach Kettwig

Für beide Richtungen muss der Radweg an der Meisenburgstraße herhalten. Auch das ist ein Minuspunkt, neben den Jahre alten Schäden am Belag. Doch dass Radler hier nicht die Straße benutzen dürfen, macht die Sache besonders pikant.
Für beide Richtungen muss der Radweg an der Meisenburgstraße herhalten. Auch das ist ein Minuspunkt, neben den Jahre alten Schäden am Belag. Doch dass Radler hier nicht die Straße benutzen dürfen, macht die Sache besonders pikant.
Foto: Socrates Tassos/FUNKE Foto Servi
Der Weg an der Meisenburgstraße ist in einem indiskutablen Zustand und auch noch „benutzungspflichtig“ – Radler sind gezwungen, ihn zu nutzen.

Kettwig/Bredeney.  Eine der wichtigsten Straßen, die nach Kettwig führen, hat einen der schlechtesten Radwege im gesamten Essener Stadtgebiet. Die Rede ist vom Radweg auf der Meisenburgstraße, die besonders jetzt, zum Beginn des Frühlings, auch wieder verstärkt von Freizeitradlern genutzt wird. Alle Nachteile, die ein Radweg vereinen kann – hier sind sie. „An diesem Radweg“, sagt Jörg Brinkmann vom Essener Radclub ADFC, „beißen wir uns seit Jahren die Zähne aus.“

Es geht nicht nur um den baulich schlechten Zustand, vor dem längst Schilder warnen: „Schäden an Rad- und Gehweg“. Wurzeln der Bäume haben den Asphalt hochgedrückt, besonders dramatisch ist es rund um die Straße Pierburg. Weiter unten, in Richtung Teelbruch und Kettwig, wird die Lage besser, hier sieht man dem Asphalt an, dass er schon mehrfach großformatig ausgebessert wurde.

Der Radweg an der Meisenburgstraße hat außerdem nicht nur das Problem, dass er komplett unbeleuchtet ist und den Radverkehr beider Fahrtrichtungen aufnehmen soll – die Hauptschwierigkeit liegt im Verkehrsrecht: Der Weg ist mit blauen, kreisrunden Schildern ausgestattet, die die Holperstrecke als so genannten „benutzungspflichtigen Radweg“ ausweisen. Heißt: Radfahrer dürfen hier keinesfalls die Straße benutzen. Tun sie das, machen sie sich strafbar.

Das ist an Radwegen, die ohne blaue Schilder sind, nämlich nicht so, auch wenn das längst noch nicht alle Bürger wissen. Im Stadtgebiet gibt es zahlreiche Radwege in baulich ähnlich schlechtem Zustand – nur: Ihnen fehlt zumeist das blaue Schild. Radler können dann auch auf der Straße fahren. Das ist an der Meisenburgstraße anders.

Die Stadt verweist auf die Zuständigkeit des Landesbetriebes „Straßen NRW“, was die Meisenburgstraße angeht. Dort heißt es, für Sanierungen der Fahrbahndecke gebe es derzeit im laufenden Jahr leider kein Geld mehr. Was die Nutzungspflicht für Radler angeht, spielt „Straßen NRW“ jedoch den Ball zurück zur Kommune: „Wir sind nur Baulastträger; alle Angelegenheiten des Verkehrsrecht muss die Kommune regeln.“ Stadtsprecherin Silke Lenz berichtet, dass die Verwaltung durchaus im Gespräch mit „Straßen NRW“ sei, jedoch nicht, was die Nutzungspflicht angeht – heißt so viel wie: An eine Änderung ist derzeit nicht gedacht. „Das war schon vor Jahren so und ändert sich offenbar leider nicht“, bedauert Jörg Brinkmann vom Radclub ADFC.

Wie dem auch immer sei: Die Qualität des Radwegs an der Meisenburgstraße wird für Radler besser, je weiter sie hinunter nach Kettwig kommen – ab der Ecke Mendener Straße ist der Weg dann tadellos in Ordnung. Die Ironie der Geschichte: Von diesem Streckenabschnitt an ist die Benutzungspflicht aufgehoben; Radler können dort auch auf der Straße fahren, die von dort an Graf-Zeppelin-Straße heißt.

Routinierte Radler ziehen eine gut asphaltierte Straße einem holprigen Radweg gerne vor – das liegt nicht nur an der Belag-Qualität, sondern auch an der Tatsache, dass der Radweg von jeder Querstraße unterbrochen wird, während man auf der breiten Straße – wie die Autofahrer – oft Vorfahrt hat.

 
 

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