Essener Künstler stellen die Realität in Frage

Petra Treiber
Fünf der insgesamt zehn ausstellenden fadbk-Absolventen im Kunstraum: André Kirschbaum, Sabrina Herwig, Maria Cornelia Schneider-Marfels, Namin Khalilova und Cornelia Wissel.
Fünf der insgesamt zehn ausstellenden fadbk-Absolventen im Kunstraum: André Kirschbaum, Sabrina Herwig, Maria Cornelia Schneider-Marfels, Namin Khalilova und Cornelia Wissel.
Foto: WAZ
Absolventen-Ausstellung im Kunstraum der Scheidt’schen Hallen in Kettwig. Zu sehen sind Werke aus den Bereichen Malerei, Fotografie und Installation.

Kettwig.  Das Herz im Spiegel: „Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. man sieht nur mit dem Herzen gut“. sagt der „Kleine Prinz“ von Saint-Exupéry. Das findet auch Cornelia Wissel. „Aber eben nicht nur. Man sollte die Ratio nicht vergessen. Darauf kommt es mir an – auf die Balance.“

Diese Motivation versucht sie in ihre Ölbilder einfließen zu lassen. Etwa bei der Hinterhof-Szenerie, die sie bei Freunden in Duisburg antraf: Die Kargheit der grauen Mauern wird aufgebrochen durch einen kleinen Baum, der – noch blätterlos – darauf wartet, auszutreiben. „Es geht darum, diese Atmosphäre des Lebens inmitten der großflächigen Steinwüste zu zeigen“, sagt die 62-Jährige, die sich nach drei Jahrzehnten als Psychotherapeutin der Malerei verschrieben hat.

Zu sehen sind ihre Arbeiten und die von neun weiteren Absolventen der Freien Akademie der bildenden Künste (fadbk) Essen ab Freitag, 20. Mai, im Kunstraum der Scheidt’schen Hallen (Ringstraße 51). Die Vernissage mit musikalischer Umrahmung beginnt um 18 Uhr. Zu sehen sind Werke aus den Bereichen Malerei, Fotografie und Installation. Eine Einführung in die Ausstellung gibt Akademie-Professor Stephan P. Schneider.

Das Besondere an der fadbk? Die Schar der Studenten ist bunt gemischt – vom Mitzwanziger bis zum Rentenalter. Der Werdegang von Cornelia Wissel steht dabei für viele andere – erst Beruf, dann Kunststudium. Maria Schneider-Marfels etwa kommt aus der Industrie, hat aber schon immer gerne fotografiert und nun – nach der Berufstätigkeit – während des Studiums das Ganze im malerischen Fokus betrachtet. Ihre Figuren bringt sie aus einer Ich-Perspektive im Stile Lichtensteins und Gaugins auf die Leinwand.

André Kirschbaum hat Grafik und Design studiert, bevor sich der 33-Jährige der Malerei zuwandte. Für seine abstrakten Aquarelle bevorzugt er Büttenpapier, „weil die Struktur des Papiers die Farbe auf besondere Weise aufnimmt“. Wobei er fast schon der monochromen Gestaltung den Vorrang gebe.

Abstraktion in Schwarz und Weiß

Gänzlich in Schwarz und Weiß arbeitet Namin Khalilova. Die aus Aserbaidschan stammende Künstlerin ist 26 Jahre alt und lebt seit 2007 in Deutschland. Sie möchte in ihren Werken „die Realität in Frage stellen“, nutzt dazu Traumsequenzen, die sie von ihrer Gegenständlichkeit abstrahiert.

Malerei und Fotografie verbindet wiederum Sabrina Herwig, die im ersten Leben Medieninformatik studiert hat. Ihre digitalen Landschaftsaufnahmen in Zweischichttechnik gefallen – einige Motive aus der Ausstellung im Kunstraum konnte sie bereits vorab verkaufen. Für die 35-Jährige das sichere Zeichen, „dass ich das jetzt professionell betreiben werde.“