Eine Mädchenschule für Kunduz

Auf einer Schiefertafel in einem Klassenraum der neuen Mädchenschule steht der Dank an den Verein Lachen helfen.
Auf einer Schiefertafel in einem Klassenraum der neuen Mädchenschule steht der Dank an den Verein Lachen helfen.
Foto: Fremdbild

Essen-Werden. 1996 gründeten deutsche Soldaten den Verein „Lachen Helfen“, um Kindern in Kriegs- und Krisengebieten schnelle und unbürokratische Hilfe zukommen zu lassen. Was auf dem Balkan begann, setzte sich an weiteren Einsatzorten der Bundeswehr und der Bundespolizei fort. Als bislang letztes von über 500 Einzelprojekten konnte nun eine Mädchenschule in Alchin in der nordafghanischen Provinz Kunduz ihrer Bestimmung übergeben werden.

Roderich Thien, Erdkundelehrer und Oberstleutnant der Reserve, gehört zu den Gründern des Hilfsvereins. Inzwischen ist der mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnete Werdener Vorsitzender.

„90 000 Euro haben wir für den Bau erbettelt“, erzählt er nicht ohne Stolz.

Dabei beschritt „Lachen Helfen“ längst nicht nur die ausgetretenen Pfade der Spendenakquise. „Ohne Fantasie bekommt man kein Geld zusammen“, sagt Thien. Benefiz-Konzerte der Bundeswehr-Orchester sowie Zuwendungen aus der deutschen Industrie sind das wichtigste Standbein zur Finanzierung humanitärer Einrichtungen wie Schulen, Kranken- oder Waisenhäuser.

Daneben machten sich Soldaten und Polizisten am Einsatzort mit Sofortmaßnahmen um die Menschen in ihrer direkten Nähe verdient. Sie besorgten Kleidung oder Decken und kümmerten sich um Sanierungs- und Ausbesserungsmaßnahmen an öffentlichen Gebäuden.

Im Februar konnte nun also der Schlussstein eines der größten Projekte des Vereins gesetzt werden. Wo jetzt die Khojah Borhan Girls Highschool steht, wurden Mädchen bisher in Zelten unterrichtet. Die gemauerten Klassenzimmer nebenan waren ihren männlichen Altersgenossen vorbehalten.

Wind und Wetter waren die Mädchen oft schutzlos ausgeliefert, außerdem unzumutbaren hygienischen Verhältnissen ausgesetzt. „Wie immer haben uns Leute aus den Einsatzgebieten auf die Missstände aufmerksam gemacht“, erläutert Thien. „Und dann beginnt die Hilfe in ganz kleinen Schritten.“

Für 95 Schülerinnen wurden zunächst Unterrichtsmaterialien beschafft. „Man kann sich kaum vorstellen, wie dankbar Kinder für Stifte und Schulhefte sein können“, so Thien. Die verrotteten, von Schimmel befallenen Zelte konnten für etwas über 1000 Euro ersetzt werden. Neues Mobiliar erleichterte den Unterrichtsbetrieb zusätzlich. „Aber das haben wir nur als Etappenziel gewertet“, erläutert Thien. „Es sollte sich nachhaltig etwas verändern, darum führte letztendlich kein Weg daran vorbei, mit dem Schulbau zu beginnen.“

Den stemmten die deutschen Einsatzkräfte ebenfalls komplett aus eigener Kraft - und mit den Spenden von „Lachen Helfen“.

Das geschieht aus ganz pragmatischen Gründen. Die Bundeswehr verfügt vor Ort über Fachleute, die sich neben ihrem regulären Dienst um vertragliche Absprachen mit der zuständigen Distrikt-Regierung kümmern, die Bauplanung übernehmen und dank ihrer Kontakte zur einheimischen Bevölkerung günstige Konditionen bei lokalen Unternehmern aushandeln können.

Der Ort Alchin verfügt nun über eine Schule, in der 600 Mädchen im „Schichtdienst“ von 16 weiblichen Lehrkräften unterrichtet werden können. Angelegt als Elementarschule, könnte sich die Einrichtung in den kommenden Jahren in Richtung Gymnasium entwickeln.

„Identifikation und Akzeptanz der Bevölkerung mit diesem Projekt ist außerordentlich hoch“ - so vermeldet die Bundeswehr aus Afghanistan.

Roderich Thien weiß angesichts solcher Nachrichten, dass sich die Arbeit lohnt. Und die wird weitergehen, denn mit Abschluss dieser Baustelle wird das nächste Projekt beginnen. Auf dem Balkan und in Afghanistan möchte der Verein noch viel bewegen. Thiens Credo: „Wir möchten helfen, Menschen optimale Bildungsmöglichkeiten zu bieten. Ganz egal, wo sie leben.“

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