Ein Blick hinter die Kulissen

Die letzten Vorbereitungen für den Werdener Bollerwagenumzug am Sonntag laufen: Markus Brederbröcker, Gary Zboralski und Isabelle Tummes von der KG Gesichts11.
Die letzten Vorbereitungen für den Werdener Bollerwagenumzug am Sonntag laufen: Markus Brederbröcker, Gary Zboralski und Isabelle Tummes von der KG Gesichts11.
Foto: WAZ

Essen-Werden..  „Wadden it bount“ – Werden ist bunt: Was für das diesjährige Motto der Gesichts11 gilt, soll auch für deren Mottowagen gelten, mit dem Werdens jüngster Karnevalsverein am Sonntag beim Bollerwagenumzug durch den Stadtteil ziehen will. In einer Werkstatt in Werden haben die Vereinsmitglieder ihren Bollerwagen den letzten Schliff gegeben.

Wie der bunte Mottowagen aussehen soll, verraten die Karnevalisten noch nicht. Das soll - wie jedes Jahr - eine Überraschung sein.

Auf die anderen Wagen, die im satten Rot erstrahlen, lassen uns die Karnevalisten dagegen schon einen Blick werfen. An drei Wochenenden haben die Mitglieder der Gesichts11 an ihnen gearbeitet. Hier und da noch eine Schraube festgezurrt, da noch etwas Farbe - fertig ist zum Beispiel der Prinzchenwagen oder Prinzesschenwagen.

„Ob es diesmal ein Junge oder Mädchen wird - wer auf diesem Wagen mitfahren darf, wissen wir noch nicht“, sagt Gesichts11-Präsident Gary Zboralski und lächelt. Denn wer unter den knapp 40 Kindern, die zur Gesichts11 gehören, Prinzchen und Prinz wird, wird erst am Sonntag ausgelost – ganz gerecht, und auch nur unter denen, die sich noch keine Krone aufsetzen durften, und die Lust auf den Titel haben. „Manche entscheiden das nach Tagesform“, so Zboralski. „Einige nehmen an der Verlosung teil, weil sie zu faul zum Laufen sind.“

So locker, wie die Neukarnevalisten diesen Titel nehmen, so locker nehmen sie auch ihren gesamten Verein: „Wir wollen dem Karneval wieder seinen ursprünglichen Sinn zurückgeben“, betont die erste Vorsitzende Isabelle Tummes. Will heißen: „Frohsinn und Spaß sollen im Vordergrund stehen und nicht irgendwelche Tagesordnungspunkte.“ Kurz: Die Gesichts11 will dem Karneval den Ernst nehmen.

Daher verzichtet der Verein bislang auch auf große Galas und andere repräsentative Veranstaltungen. „Wir feiern meistens im kleinen Kreis, unter uns“. Unter uns, das sind 55 erwachsene Mitglieder plus 40 Kinder. „Die Anzahl der Erwachsenen ist gedeckelt, mehr sollen es nicht werden“, betont der dritte Vorsitzende Markus Bredenbröcker. „Dann wird es für uns organisatorisch zu aufwändig.“ Dabei sei die Nachfrage für eine Mitgliedschaft groß, „die Warteliste ist lang“, freut sich Bredenbröcker. „Ich denke, gerade weil wir den Karneval etwas entstauben, den Humor in den Vordergrund und die Konventionen in den Hintergrund stellen, sind wir recht beliebt.“

Ganz ohne Konventionen geht es auch bei der Gesichts11 nicht ab. Beim Bollerwagenumzug etwa schmeißen sich die Jecken in ihre weiß-roten Uniformen – „nach den Farben von Werdens Wappen“, so Zborlaski. Nicht nur gibt das ein schönes, einheitliches Bild beim Zug - damit demonstriert die Gesichts11 auch ihre Liebe zum Stadtteil. „Wir sind alle Lokalpatrioten.“ Daher bleiben sie auch dem Werdener Umzug treu: Daran, am Rüttenscheider oder Kupferdreher Rosenmontagszug teilzunehmen, denken sie nicht.

Ansonsten gibt man sich unpolitisch, auch wenn man das aktuelle Motto eines bunten Werden angesichts aktueller Ereignisse durchaus als politisches Statement verstehen könnte. „Da hat uns die Realität eingeholt“, räumt der Präsident ein und ergänzt: „Bei uns bedeutet das schlicht: Wir sind traditionell und weltoffen – wir rufen Alaaf und Helau“ – und Isabelle Tummes zeigt stolz den Orden, auf dem beide Grüße in seltener Eintracht nebeneinander stehen.

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