Der höchste Punkt in Essen

Familie Barthel wohnt am höchsten Punkt in Essen. Das Bild zeigt Peter Barthel mit seinen Töchtern Julia und Eva.
Familie Barthel wohnt am höchsten Punkt in Essen. Das Bild zeigt Peter Barthel mit seinen Töchtern Julia und Eva.
Foto: WAZ FotoPool

Essen-Werden.  Eine bekannte Werdenerin feierte dort ihr „Bergfest“. Die 30-Jährige wanderte mit ihren Geburtstagsgästen zunächst den Baldeneysee entlang. Wohin des Weges? Keiner wusste es. Bei Haus Scheppen lenkte sie die fröhliche Schar in Richtung ehemalige Zeche Pörtingsiepen, durchquerte mit ihr das Hesperbachtal und erreichte nach einem Anstieg das Ziel: den höchsten Punkt der Stadt.

Der „Gipfel“ im Stadtgebiet Essen liegt 202,54 Meter über dem Meeresspiegel in Heidhausen, dem südlichsten Stadtteil Essens. Die Preutenborbeckstraße bildet die Stadtgrenze zur Schlösserstadt Velbert, die zum Bergischen Land gehört. Den tiefsten Punkt misst Karnap im Essener Norden mit 26,5 Meter über Normalnull.

Geographisch befindet sich Essen auf dem 51. Breiten- und dem 7. Längengrad (gerundet). Damit liegt die Ruhrstadt über der Stadt Vancouver an der Westküste von Kanada. Die östliche Länge stimmt überein mit Nizza und Cannes an der Cote d’Azur im Süden von Frankreich. Eine in Stein gefasste Metallplatte am Anfang der Preutenborbeckstraße zeigt die Koordinaten. Daneben steht das Haus, in dem Peter und Doris Barthel mit Tochter Eva leben.

Die 17-jährige Eva, die ein Fachgymnasium für Gestaltung und Design besucht, liebt den Sternenhimmel der „Heidhauser Höhen“, weil es nachts dort etwas dunkler ist als in der Stadt. Nachts im Dachzimmer kann sie so die leuchtenden Objekte am Firmament besser beobachten. Als sie jünger war, wollte sie Astronautin werden. Dieser Wunschtraum gehört jetzt der Vergangenheit an. Tochter Julia, 29, strebt das Grundschul-Lehramt an. Sie wohnt jetzt in Rüttenscheid. „Wenn ich nach Hause komme und die Natur hier oben sehe, verspüre ich einen Hauch von Urlaub“ schwärmt sie.

Die höchste Erhebung Essens ermöglicht eine weite Sicht. Bei klarem Wetter kann man gen Norden den Gasometer von Oberhausen, die Hochöfen von Duisburg und sogar die neue Niederrheinbrücke von Wesel gut erkennen, erklärt Peter Barthel. Im Süden ermöglicht das höher liegende Velbert nur den freien Blick bis zum Rathaus.

Früher verkehrte noch die Straßenbahn zwischen Werden und Velbert. Sie hielt an der Haltestelle „Zur Stadtgrenze“ an zwei gegenüberliegenden Ausflugsgaststätten. Die Wochenend-Ausflügler stiegen aus und kehrten nach ihrem Spaziergang dort ein. Das sind längst vergangene Zeiten, erzählt der Technische Betriebsleiter, der für die Gas- und Wasservorsorgung der Stadt Haan im Rheinland verantwortlich ist. „Heute kommen meistens Rallye-Teilnehmer zur höchsten Erhebung Essens, machen sich Notizen, fahren weiter.“ Schön sei es in der Silvesternacht: „Viele Zuschauer bestaunen den Feuerwerks-Himmel über Velbert.“

Auf der Höhe unterscheidet sich auch das Wetter erheblich von dem im Werdener Ruhrtal: „Der Wind weht stärker, die Temperaturen sind ungefähr zwei bis vier Grad niedriger, zudem fällt der Schnee eher und taut später als im übrigen Stadtgebiet“ erläutert Peter Barthel. Allerdings gebe es wahrscheinlich auch keinen anderen Ort in Essen mit mehr Sonnenscheinstunden und einer längeren Abenddämmerung.

Die Familie Barthel wohnt seit 19 Jahren in der Preutenborbeckstraße. Gebaut wurde das Haus 1884 von der Familie Schulz, die eine bescheidene Landwirtschaft mit Kleinviehhaltung zur Selbstversorgung unterhielt, vor allem aber von Schlosserarbeiten für die Velberter Fabriken in Heimarbeit lebte.

„Der Garten ruft seinen Herrn“, sagt schmunzelnd Peter Barthel. Zusammen mit seiner ebenfalls berufstätigen Ehefrau Doris arbeitet er fast allabendlich in der stattlichen Anlage. Sie befindet sich auf leicht abschüssigem Gelände hinter dem Haus, ist von hohen Hecken umgeben und umzäunt, damit Rehe nicht die Triebe der jungen Obstbäume und die Rosen wegfressen.

Zum Hobbybereich des Diplom-Ingenieurs gehört ein immergrüner Heidegarten mit einem Goldfischbecken, das auch ein Graureiher ganz toll findet. Daran schließt sich ein kleiner Bauerngarten an, in dem Salate, Lauch, Sellerie, Rotkohl, Paprika und anderes Gemüse zusammen mit vielen Blumenstauden wachsen. Dahinter ist ein klassischer Kreuzgang-Kräutergarten mit vielen Heil-, Duft- und Gewürzkräutern angelegt.

Großer Beliebtheit erfreuen sich darin unter anderem Thymian, Baldrian, Salbei und Kamille, sowie das Heiligen- und Johanniskraut. In einer kaum sichtbaren Gartenkläranlage sorgt ein 1,3 Meter tiefer Kiesfilter mit Schilfpflanzen für sauberes Abwasser. Hölzerne Sitzmöglichkeiten runden das Bild einer gepflegten und schönen Grünanlage ab.

Und das alles in luftiger Höhe - wie gesagt: 202,54 Meter über dem Meeresspiegel in Heidhausen.

 
 

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