Demenz ist ein Tabu

Christiane Funk und Brigitta Spiller bieten in den Räumen der Freien evangelischen Gemeinde in Kettwig eine Betreuung von an Demenz erkrankten Menschen an.
Christiane Funk und Brigitta Spiller bieten in den Räumen der Freien evangelischen Gemeinde in Kettwig eine Betreuung von an Demenz erkrankten Menschen an.
Foto: WAZ

Essen-Kettwig. Am 1. Oktober wird es ganz genau ein Jahr her sein. Im Herbst 2012 eröffneten Brigitta Spiller und Christiane Funk die „Kettwiger Runde“. Einmal in der Woche treffen sich in den Räumen der Freien evangelischen Gemeinde Menschen, die Stück für Stück von ihrem Leben Abschied nehmen müssen, Menschen, die an Demenz erkrankt sind.

„Damals begannen wir mit einer Handvoll Gäste. Wir nennen sie nicht Patienten“, sagt Brigitta Spiller. Schnell wurden es mehr, und die beiden Frauen mussten eine zweite Gruppe eröffnen. Im Moment haben sie Platz, denn „einige der Gäste sind mittlerweile verstorben, andere sind im Altenheim, weil die Krankheit soweit fortgeschritten war, dass die Angehörigen die Pflege nicht mehr leisten konnten.“

Immer montags sind die beiden Frauen und ihre Mitarbeiterinnen in den hellen und großzügigen Räumen am Steinweg zu finden. Drei Stunden lang kümmern sie sich intensiv um die „Gäste“ und verschaffen dadurch auch den Angehörigen ein kleines Stück Freiheit. „Der Bedarf an solchen Plätzen ist groß in Kettwig, aber Demenz ist immer noch ein Tabuthema“, sagt Christiane Funk.

Angebote gibt es mittlerweile viele. So hatte das Netzwerk Demenz zu einem Informationsnachmittag in das Gemeindezentrum am Markt eingeladen. Ab kaum mehr als eine Handvoll Interessenten waren gekommen. Aber auch eine Veranstaltung vor dem Kettwiger Rathaus hatte wenig Resonanz. „Die Leute haben fast einen großen Bogen um diese Stände gemacht“, erinnert sich Brigitta Spiller.

Dabei mache es für beide Seiten Sinn, sich offensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Zwischen 75 und 90 Jahren sind die Menschen alt, die an der „Kettwiger Runde“ teilnehmen. Die dreistündige Rundumbetreuung ist immer in verschiedene Segmente aufgeteilt. Es geht um die Motorik, um das Gedächtnis, es werden bestimmte Themen behandelt, es wird gemeinsam gekocht und „wir kaufen dann auch nebenan bei Rewe gemeinsam dafür ein“, sagt Brigitta Spiller. „Schön ist zu sehen, dass sich unsere Gäste miteinander wohl fühlen. Sie helfen sich auch gegenseitig, akzeptieren ihre Macken ,und wir helfen, dass sie ihr Stärken herausarbeiten.“

Immer wieder stellen sie sich auch gegenseitig vor. Aber die Namen können sie nicht mehr behalten. Spielt das eine Rolle? Nicht wirklich.

 
 

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