Delegation aus Werden

Essen. Mit dem Lied von der „supergeilen Zeit“ biegen sie um die Ecke, die Bläser und Trommler des Jugend-Fanfarenkorps der KG Völl Freud. Angeführt von Sigrid Notthoff und ihrem auf richtiges Rhythmusgefühl bedachten Chef Sascha Beier bilden die ganz in rote Kosaken-Kittel gewandeten Musiker mit echt sibirisch aussehenden schwarzen Pelzmützen einen der frühen, dabei besonders erinnerungswürdigen Momente dieses Essener Rosenmontagszugs.

An einem Engpass der Rüttenscheider Straße, dort am Stern, wo die Route nach rechts abbiegt, genießen Arbeiter auf dem Dach der Kaufhausbaustelle den Panoramablick auf das bunte Schauspiel. Der dicke Wagen der vorausfahrenden Horster Ritter bleibt kurzzeitig stecken, was der Völl Freud Gelegenheit für ein kleines Platzkonzert verschafft. In Glühwein- und Waffelduft, der von den nahen Ständen herüberweht, gönnen die Werdener ihrem Publikum einige schmissige Akkorde.

Nicht ohne anerkennende Bemerkungen der Jecken am Straßenrand: „Die können ja noch richtig live spielen“, staunt ein Zaungast. Eine etwas betagtere Närrin im Teufels-Outfit schwärmt: „Sowas hat es früher im Karneval oft gegeben.“

Schon vor dem Wagen mit Wurfmaterial avancieren die Abteistädter auch dank ihrer fantasievollen Aufmachung zu Publikumslieblingen.

Dann befiehlt eine sympathische Polizeibeamtin „Kinder bitte nach vorne lassen!“ - und die können sich dann an den Gaben der Völl Freud gütlich tun. Plätzchen sind es zumeist, verpackt natürlich.

Die mitgebrachten Plastiktüten der kleinen Sammler füllen sich zusehends, nette Ausgewachsene bücken sich und verteilen großzügig.

Der von KG-Urgestein Werner Katz aufgemöbelte Wagen macht einen wahrhaft prächtigen Eindruck. Mit frischer Farbe war der an einen antiken Tempel erinnernde, vom Traktor gezogene Anhänger zu einem der auffälligsten Gefährte dieses Umzugs gestaltet worden.

Szenenapplaus räumen auch Peter Schürmann und seine Werdener Spielleute von 1909 ab. Sie hatten zusammen mit der KG Fischlaker Narren ebenfalls Plätze im vorderen Drittel ergattert. Auch sie nutzen die Wartezeit am Engpass für ein Extraständchen. Die Publikumsnähe tut allen Mitgliedern der Kapelle gut.

Und am Heck baumelt der Bacchus

Auf karierte Clowns folgen Waddens Aule Wiever, die auf den zweiten Blick gar nicht so alt aussehen. Hinterdrein und vor dem Bollerwagen Franz Friese in aufgeräumter Stimmung. Nicht ganz so glücklich schaut jener Geselle drein, der am Heck des Fischlaker Gefährts baumelt... Vor der feierlichen Beerdigung am Veilchendienstag haben die Narren ihren Bacchus schon mal gut festgebunden.

 

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