Bürgerinitiative befürchtet eine Zweiteilung Werdens

Petra Treiber
Rainer Ringhoff ist selbst Architekt und kritisiert vor allem, dass die neue Verkehrsführung eine derartige Mehrbelastung der Nebenstraßen mit sich bringe, für die sie gar nicht ausgelegt seien.
Rainer Ringhoff ist selbst Architekt und kritisiert vor allem, dass die neue Verkehrsführung eine derartige Mehrbelastung der Nebenstraßen mit sich bringe, für die sie gar nicht ausgelegt seien.
Foto: FUNKE Foto Services
Bürgerinitiative „Fließend Werden“ kritisiert das geplante Verkehrsverlagerungskonzept. Es bringe mehr Lärm und Abgase .

Essen-Werden.  Stau in Werden – ein Dauerthema seit Jahrzehnten. Ideen, den Verkehr besser durch den Stadtkern zu lenken bzw. herauszuhalten, gab es viele – vom Tunnel bis zur Brücke. Das Baugebiet „Grüne Harfe“ (und damit die zu erwartenden weiteren Verkehrsströme aus Heidhausen) gab schließlich weiteren Diskussionsstoff und trieb die städtische Verkehrsplanung nach jahrelangem Hin und Her doch voran. Diese wird von der zuständigen Bezirksvertretung IX wie auch vom Bauausschuss mehrheitlich befürwortet. Der Rat könnte sie im Februar 2017 auf den Weg bringen.

Das möchte die Bürgerinitiative „Fließend Werden“ verhindern oder zumindest hinauszögern. Denn sie hält das geplante Verkehrsverlagerungskonzept für unnötig, ja an einigen Stellen sogar für gefährlich. Sie fordert die Werdener auf, die Pläne kritisch auf den Prüfstand zu stellen und diese Kritik gegenüber der Stadt zu äußern.

Ziel- und Quellverkehr

Worum es überhaupt geht, das möchten die Mitglieder der Initiative am Samstag, 17. September, ab 9.30 Uhr an einem Infostand vor dem Rathaus Werden anschaulich zeigen – u.a. mit Straßenplänen.

Dreh- und Angelpunkt des städtischen Konzepts ist die Verlagerung des Verkehrs aus der Brückstraße heraus in die Abteistraße. Die soll künftig gegenläufig zu Lasten der bislang vorhandenen Parkstreifen befahrbar sein. „Das bedeutet 68 Prozent mehr Verkehrsteilnehmer und 68 Prozent mehr Lärm und Abgase für die dortigen Anwohner“, konstatiert Peter Bialas von der Initiative. Die Brückstraße werde zwar in fast gleichem Maße entlastet, doch der Ziel- und Quellverkehr (also Anwohner, Geschäftskunden und all jene, die in Werden-Mitte aus verschiedensten Gründen mit dem Auto unterwegs sind) wird in die Nebenstraßen geführt. Für den Klemensborn bedeute dies eine Verkehrszunahme von 85 Prozent.

Autos und Laster würden über Bungertstraße und Rittergasse zur Laupendahler Landstraße geleitet – durch enge Kurven und über historisches Kopfsteinpflaster. Keine wirkliche Alternative, finden die Vertreter von „Fließend Werden“.

Ein Gleiches gelte für Heck-, Dücker- und Wigstraße. Staus in der Querspange der Abteistraße, die die Linksabbieger zur Brückstraße verursachen, sind dann zwar Vergangenheit. „Dafür quält sich alles durch die Heckstraße“, sagt Rainer Ringhoff, Architekt aus Fischlaken. Eine Veränderung der Straßenführung um die Basilika herum könne zudem zu kritischen Situationen im Begegnungsverkehr führen, landläufig „Spiegelklatscher“ genannt. Dass fehlende Zebrastreifen und Ampeln an der Abteistraße nicht zuletzt auch die Fußgänger gefährden, unterstreicht die Bürgerinitiative ebenfalls. Ringhoff: „Das Ganze führt zu einer Zweiteilung Werdens. Wer will das?“

Die Initiative regt an, andere Maßnahmen zu ergreifen – intelligente Ampelschaltungen etwa. Und die Brückstraße zur Rushhour mit einem Parkverbot zu versehen – damit der Verkehr fließt.