Kettcar planen eine „Ruhrpott-Trilogie“

Gordon K. Strahl
Seit über zehn Jahren mischt Eric Langer (l., mit Sänger Marcus Wiebusch) in der Band Kettcar die Musikszene auf. Foto Christian Kruska
Seit über zehn Jahren mischt Eric Langer (l., mit Sänger Marcus Wiebusch) in der Band Kettcar die Musikszene auf. Foto Christian Kruska
Foto: Christian Kruska
Mit ungewohnt ruhigen Klängen wollen die Hamburger Deutschpopper „Kettcar“ die Grugahalle am 24. Februar zum Kochen bringen. Wir haben mit Gitarrist Erik Langer über große Fußstapfen, Geigen in Rockmusik und Stadion-Hymnen gesprochen.

Essen. Im Interview spricht Kettcar-Gitarrist Erik Langer über den Einfluss seiner Band auf die Deutsche Popmusik und die Pläne für eine „Ruhrpott-Trilogie“.

Seid Ihr Euch eigentlich bewusst, in welch traditionsreichem Haus Ihr spielen werdet?

Erik Langer: Ähh.. nein...

Die Rolling Stones sind hier aufgetreten, Frank Zappa, ganz zu schweigen von den legendären Rockpalast-Nächten mit Bands wie The Who“oder Depeche Mode. Fühlt ihr Euch wohl in dieser Tradition?

Nicht ganz, das sind alles Fußstapfen, die wohl eine Nummer zu groß für uns sind. Diese Weltbands haben schließlich Musikgeschichte geschrieben, da sind wir weit von entfernt.

Zumindest auf deutscher Ebene schreiben Euch viele Feuilletonisten zu, die deutsche Musikgeschichte verändert zu haben.

Wenn das darauf anspielt, dass sich einige Bands auf uns berufen, mag das stimmen.

So manche Stimme gibt Euch aber auch generell die Schuld an dem aktuellen Erfolg der deutschsprachigen Popmusik.

Einigen wir uns darauf, dass „Kettcar“ sicherlich eine Mitschuld trägt.

Vollkommen einverstanden. Wenn ich Eure neue Platte „Zwischen den Runden“ höre, fällt auf, dass es ziemlich ruhig zugeht für Eure Verhältnisse. Werden die Pogo-Fans beim Live-Auftritt enttäuscht?

Wir haben einige Leckerbissen für die Pogo-Fraktion dabei, denn wir spielen auch alte Sachen. Aber es ist schon richtig, die neue Platte beinhaltet einige unserer ruhigsten Stücke – und die werden wir auch spielen.

Die Stücke auf „Zwischen den Runden“ sind zum Teil sei orchestral arrangiert, mit Streicher und Bläsern. Wie löst Ihr das Live auf der Tour?

Wir nehmen kein Streichquartett mit. Teilweise werden wir das simulieren, zum Beispiel mit dem Keyboard, Aber viele Stücke haben wir auf dem Prüfstand gestellt und gemerkt, dass sie live auch ohne den orchestralen Background funktionieren.

Wichtig sind bei Euch nicht zuletzt die Texte, die Geschichten, die sie erzählen. Euer Sänger Marcus Wiebusch hat sich ja immer etwas daran gestört, dass die Fans auf Konzerten Eure Lieder mitsingen...

Das hat sich ein bisschen geändert. In den ersten zwei Jahren war seine Reaktion tatsächlich: „Was soll der Mist? Das kennen wir nur von Westernhagen und solchen Musikern, zu denen wir keinen Bezug haben.“ Es brauchte eine Weile, bis wir akzeptiert haben, dass das auch eine Ehre ist, wenn 1000 Menschen deine Texte mitsingen.

Und immerhin habt Ihr mit „Landungsbrücken raus“,eine tolle Hamburg-Hymne geschaffen, die Grönemeyers „Bochum“ glatt das Wasser reichen kann.

Na, „Bochum“ ist schon groß. Vor dem Spiel letztens, bei dem der VfL so grandios gegen St. Pauli verloren hat, war das schon ein toller Moment, als der Song im Millerntor-Stadion gespielt wurde. Ich hatte gar nicht mehr im Ohr, wie 80er-mäßig der eigentlich klingt. Aber soweit weg sind wir übrigens auch nicht von einer Hymne fürs Ruhrgebiet, schließlich planen wir eine Ruhrpott-Trilogie...

Im Ernst?

Na, die Idee ist schon erst als Scherz entstanden. Aber immerhin gibt es auf der neuen Platte das Stück „Erkenschwick“. Und in „Balu“ auf der zweiten CD kam ja auch Wanne-Eickel vor. Und dann haben wir abgemacht: Da müssen wir jetzt eine Trilogie draus machen.