Kerstin Plewa-Brodam formte die Essener Studio-Bühne

Kerstin Plewa-Brodam im Kulissenlager der Studiobühne.
Kerstin Plewa-Brodam im Kulissenlager der Studiobühne.
Foto: Knut Vahlensieck
Engagiert formte Kerstin Plewa-Brodam die Essener Studio-Bühne zu einem herausragenden Ort der Möglichkeiten - lokal und international. Im kommenden Jahr kann sie ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum feiern und 25 Jahre Studio-Bühne in Kray. Schon mit fünf Jahren stand Plewa-Brodam auf der Bühne.

Essen. Mit fünf krähte sie als Hahn in „Frau Holle“. Seither ließ sie das Theater nicht mehr los. Im kommenden Jahr kann Kerstin Plewa-Brodam ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum feiern und 25 Jahre Studio-Bühne in Kray. Das ist keineswegs selbstverständlich in Zeiten leerer Kassen. Gehört das renovierungsbedürftige Haus an der Korumhöhe doch der Stadt und die hat kein Geld mehr zur Erhaltung. „Vor vier Jahren hieß es, dass unsere Schrottimmobile veräußert werden soll. Da blutet einem das Herz. Da fehlt mir einfach die pragmatische Distanz“, erzählt Kerstin Plewa-Brodam. Woher auch nehmen, wenn die Bindung so tief ist.

Bei ihrer Hausgeburt 1960 in Holsterhausen existierte das freie Theater, das von Vater Siegfried Plewa als „Laienspielschar Essen-West“ gegründet und Jahrzehnte von ihm geprägt wurde, schon fast eine Dekade. Damals gab es noch keinen festen Spielort, aber den Anspruch auf „Qualität und Vielseitigkeit“, die Arbeit für Kinder und Jugendliche und „die Bestrebungen, einen Blick ins Ausland zu werfen über den eigenen Tellerrand hinaus“.

Der Kampf ums Überleben

Als Kind zog sie mit den Eltern nach Kray, machte mit 17 das Abitur auf der Viktoriaschule und stand nebenbei auf den Brettern, die ihr die Welt bedeuten. Zweifel verhinderten die Schauspielschule. Sie entschied sich für ein Leben mit Beamtenlaufbahn bei der Knappschaft und kreativem Engagement, das ihr von Zuhause vertraut war. „Geordnet und verrückt“ nennt sie es und bedauert, dass sie einst ein Nesthocker war: „Ich hätte mutiger meinen Weg verfolgen sollen.“ Hat sie auch, aber auf andere Art und Weise.

1990 mit dem Einzug in die ehemalige Schubertschule und der Einrichtung der Studio-Bühne übernahm sie als Schauspielerin und Regisseurin mehr und mehr Verantwortung für das Haus bis hin zur künstlerischen Leitung. Sie feierte Erfolge mit „Mutters Courage“, „Die Möwe“ oder „Kikerikiste“. Der Kampf ums Überleben blieb ihr dennoch nicht erspart. Sie verteidigte das Theater mit wachsenden theaterpädagogischen Projekten, Auftritten in 18 Ländern der Welt, vier bis sechs Premieren pro Spielzeit sowie zuletzt 150 Vorstellungen und einer Auslastung von 97 Prozent. „Wir sind ein Kulturträger, der sich einen guten Ruf erworben hat und sich nicht so leicht wegrationalisieren lässt“, meint die 54-Jährige.

Auszeichnung in den USA

Eine schwere Krankheit warf sie 2008 aus der Bahn. Sie musste in den Vorruhestand gehen und blendete das Künstlerische drei Jahre aus. „Die Kollegen haben das aufgefangen. Das hat mir Kraft gegeben, dass es auch ohne mich läuft. Aber nicht ganz“, so Kerstin Plewa-Brodam. Eingeschränkt kehrte sie zurück, gab Aufgaben ab an den neuen Vorsitzenden des Theatervereins, wagte sich an die Inszenierung „Von Mäusen und Menschen“ und mit „Noah und der große Regen“ wieder auf die Bühne.

Unlängst wurden die Produktion und ihre Schauspielkunst in Venice, Florida, als „herausragend“ ausgezeichnet. Jubel, Schreie, stehende Ovationen galten ihr. „Es war wie eine kleine Oscar-Verleihung“, sagt sie mit Tränen in den Augen, „und eine Bestätigung für das, was ich immer gefühlt habe.“

Die neue Spielzeit

Sie spielen im KZ, verhandeln den Umgang mit Essen in Zeiten von Hunger und Verschwendung und beleuchten ein Märchen im Angesicht von Altersarmut. Die ersten Stücke der neuen Saison in der Studio-Bühne hören sich nach schwerer Kost an. „Sind sie aber nicht“, so Kerstin Plewa-Brodam. „Es sind lebensbejahende Geschichten.“

Gleich zwei Produktionen haben am 2. November Premiere. Für Theaterhungrige ab sechs Jahren serviert die künstlerische Leiterin um 11 Uhr „Die Kartoffelsuppe“ von Marcel Cremer und Helga Schaus, „ein tolles Stück über den Wert des Essens“. Um 18 Uhr zeigt Regisseur Stefan Rumphorst dann, dass er auch anders kann - mit „Hüter der Zeit“. Dan Clancys tragikomisches Schauspiel erzählt von der Annäherung zwischen einem Juden und einem Homosexuellen, die im Konzentrationslager Uhren ihrer Mithäftlinge für hohe Herren reparieren. Und ab 29. November sorgt das Märchen „Hänsel und Gretel“ für ganz heutige Einsichten. Geht es doch um ein Geschwisterpaar, das von ihren mittellosen Eltern ausgesetzt wird.

Die Wiederaufnahmen starten bereits ab dem 14. September mit Publikumslieblingen wie dem preisgekrönten Stück „Noah und der große Regen“. Karten: Tel.: 0201-55 46 01; Infos: www.studio-buehne-essen.de

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