Keine Minute zu früh, keine drei zu spät

Rushhour, Stoßzeit. Die Autoschlange wird immer länger. Und mittendrin der Bus oder eine Tram. Die Bahnen können nur auf 20 Prozent ihrer Linienwege auf eigenen Trassen am Stau vorbeifahren – ansonsten stecken sie wie die anderen fest. Müssen die Evag-Fahrer dann noch vor der Kreuzung zu lange auf ein freies Signal warten, ist der Fahrplan nicht mehr einzuhalten.

Gerade in den besonders verkehrsreichen Monaten November und Dezember müssen sich die Wartenden an den Haltestellen oft in Geduld üben. „Im Winter ist es generell schwierig, weil wir schlechte Witterungsbedingungen, mehr Verkehr und höhere Fahrgastzahlen haben“, gibt Georg Grindau, der Leiter für Mobilitätsmanagement beim Verkehrsbündnis Via zu bedenken, an dem die Evag angeschlossen ist.

Hoffnung nach Fahrplanwechsel

„Keine Minute zu früh – keine drei Minuten zu spät“ – an dieser Vorgabe muss sich die Evag orientieren. Doch hier hat sie noch viel aufzuholen. Im vergangenen Jahr waren 26 Prozent aller Straßenbahnen unpünktlich, ebenso 22 Prozent aller Busse und 19 Prozent aller Stadtbahnen. Das liegt zwar vor allem am dichten Stadtverkehr und an den Baustellen. Aber nicht nur daran.

Den Fahrplan hundertprozentig einzuhalten, schafft keine Großstadt. Aber die Evag setzt als Messlatte, dass die Busse und Straßenbahnen wenigstens zu 80 Prozent und die Stadtbahnen zu 83 Prozent pünktlich ihre Haltestellen erreichen. Und dafür muss im Liniennetz noch an vielen Schrauben gedreht werden – an großen und an kleinen.

Pierre Hilbig, zuständig für die Fahrplanung, ist so ein Schraubendreher. Er muss in Sachen Pünktlichkeit fast drei Millionen Daten pro Monat sortieren und werten, um zu sehen, wo man hier und da nachjustieren kann. Mit dem Fahrplanwechsel vor fünf Monaten sieht Christoph Lademann, Via-Leiter des Verkehrsmanagements, in Essen eine „klare Tendenz nach oben“ – zum Positiven. Denn erstmals seit zehn Jahren wurden bei allen Bus- und Straßenbahnlinien die tatsächlichen Fahrtzeiten überprüft und an den Fahrplan angepasst. Die Auswertung geht weiter – für den nächsten Fahrplanwechsel Sommer 2016 wird dann nachgebessert.

Stadt stellt Rechner zur Verfügung

Lademann gibt sich optimistisch: „Wir sind in der Lage, bessere Pünktlichkeitswerte zu erhalten.“ Hilfreich ist dabei das jüngste Angebot der Stadt, ihren Verkehrsrechner für die weitere Recherche den Evag-Spezialisten zur Verfügung zu stellen, um herauszufinden, ob es an einigen der 200 Kreuzungen, an denen eine Vorrangschaltung für Bahnen vorgesehen ist, möglicherweise hakt. Sei es nur, weil irgendein kleiner Sender nicht richtig funkt oder ein Zeitfenster zu klein ist. Denn wenn eine Bahn sich einer Kreuzung nähert und freie Fahrt anfordert, aber dann doch stehen bleiben muss, „dann verlieren wir 70 Sekunden, und das ist verdammt viel“, so Lademann. Zumal die Evag-Flotte 530 Kreuzungen quert, und summa summarum täglich 189 Busse und 135 Bahnen 150.000 Mal an Ampeln vorbeifahren, betont Sprecher Olaf Frei, der für mehr „Grüne Welle“ im öffentlichen Nahverkehr wirbt.

Voran geht es bald mit der Linie 105, aber aus einem anderen Grund. Lademann: „Wir werden dort künftig vollständig mit Niederflurfahrbahnen fahren.“ Das spart Zeit beim Ein- und Aussteigen.

 
 

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