Keine Armuts-Vererbung: Gelder für Essener Familienzentren

Ministerin auf Augenhöhe: Beim Besuch des Fachkongresses Familienzentren in der Messe Essen ging NRW-Familienministerin Christina Kampmann (SPD) vor diesen Kindern aus der Fantasiewerkstatt Oberhausen in die Hocke.
Ministerin auf Augenhöhe: Beim Besuch des Fachkongresses Familienzentren in der Messe Essen ging NRW-Familienministerin Christina Kampmann (SPD) vor diesen Kindern aus der Fantasiewerkstatt Oberhausen in die Hocke.
Foto: FUNKE Foto Services
  • Ein Drittel der Essener Kitas sind schon Familienzentren
  • Sie sollen die Startchancen armer Kinder verbessern
  • Familienministerin Christina Kampmann besucht Fachmesse zum Thema

Essen.. Man könnte sie als „Kita plus“ bezeichnen, weil sie nicht nur die Kinder in den Blick nehmen, sondern auch ihre Eltern: Seit 2006 gibt es die Familienzentren, die vor allem jenen zu besseren Startchancen verhelfen sollen, die in Armut aufwachsen. Nun widmete sich ein mit 800 Teilnehmern gut besuchter Fachkongress in der Messe Essen der Arbeit der Familienzentren.

Familienzentren erhalten Fördermittel in Millionenhöhe

Und Familienministerin Christina Kampmann (SPD) versprach bei ihrem Messebesuch am Freitag einen weiteren Ausbau: Zu den bisher landesweit 3400 Familienzentren sollen im kommenden Jahr 100 weitere hinzukommen. Das Land verteilt dafür Fördermittel in Höhe von 35,2 Millionen Euro. „Die Familienzentren sind als vertraute Einrichtungen für Kinder und Eltern prädestiniert, dass Hilfs- und Förderangebote bei den Familien ankommen“, glaubt Kampmann.

Wie vielfältig das in der Praxis aussehen kann, hat die Ministerin beim Besuch verschiedener Familienzentren erlebt. Und sie hört es auf der Messe am Stand des Blauen Elefanten Katernberg, der vom Essener Kinderschutzbund getragen wird und 2006 zu den ersten Familienzentren zählte.

Fehlende Deutschkenntnisse sollen ausgebaut werden

Dass es dort sogar einen eigenen Abholdienst gibt, weil manche Eltern ihre Kinder morgens nicht bringen, hat die Ministerin beeindruckt. Die Sorge, dass man Mütter und Väter hier zu sehr aus ihrer Verantwortung entlasse, teilt sie nicht: „Das Konzept sieht ja vor, dass sie die Kinder später wieder abholen. So werden sie an die Kita herangeführt.“

Im übrigen zähle gerade bei der Sprachförderung, dass die Kinder überhaupt eine Kita besuchen, „denn viele sprechen dort zum ersten Mal Deutsch“. Auch in Essen stellt man bei den jährlichen Schuleingangsuntersuchungen bei etlichen Kindern mangelnde Deutschkenntnisse fest. „Darum haben wir die Familienzentren vorrangig in benachteiligten Stadtteilen ausgebaut“, sagt der kommissarische Jugendamtsleiter Ulrich Engelen.

Chancengleichheit und weniger Armut sind das große Ziel

Noch gibt es keine verbindliche Evaluation, wie wirksam die Arbeit der Familienzentren tatsächlich ist. Doch beim Spracherwerb der Kinder sehen alle Beteiligten Erfolge. Geht es nach der Ministerin, sollen Familienzentren langfristig Chancengleichheit ermöglichen und die Vererbung von Armut verhindern.

Keine leichte Aufgabe: Werden Eltern arbeitslos, droht auch den Kindern soziale Isolation: Schon nach einem Jahr haben sie weniger Freunde als Gleichaltrige, sagen die Praktiker. In den stadtweit 100 Familienzentren – einem Drittel aller Kitas – mildere man solche Armuts-Folgen oft beiläufig und „ohne die Familien zu beschämen“, sagt Jugendhilfeplanerin Sibylle Krüger. Wenn einige Mädchen und Jungen nicht zum Kindergeburtstag einladen können, wird der eben grundsätzlich in der Kita gefeiert.

 

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