Kein Geld für mehr grüne Trassen

Wenn Essen als „Grüne Hauptstadt Europas“ im Jahre 2017 die EU-Delegation und Zigtausende Besucher empfängt, dann könnte sie mitten in der Stadt einen zusätzlichen grünen Teppich auslegen. Und den genau an den Stellen, wohin die Ruhrmetropole auch ihre Aufmerksamkeit lenken will: auf den umweltfreundlichen Nahverkehr. Speziell dort, wo die Straßenbahn über dichtes Gras rauscht. 4,32 Kilometer des insgesamt 54 Kilometer langen Gleisnetzes der Essener Verkehrsgesellschaft Evag ist mit Rasengleisen ausgestattet. Die mit 1,7 Kilometern längste Grünstrecke führt mit der U 17 zur Margarethenhöhe. Nach einer Machbarkeitsanalyse der Evag wäre aber noch mehr drin: Weitere 3,84 Kilometer Gleise könnten mit Rasen begrünt werden. Die technischen Voraussetzungen dafür liegen vor.

Umweltdezernentin Simone Raskob begrüßt grundsätzlich solche Rasengleise. „Sie bilden eine grüne Trasse. Sie sehen schön aus und binden Feinstaub. Sie sind aus stadtplanerischen und Umweltgesichtspunkten wirklich zu empfehlen“, sagt die Beigeordnete der NRZ. „Das Problem aber ist der hohe Pflegeaufwand.“

Evag-Sprecher Olaf Frei will die Vorteile von Rasengleisen auch aus Sicht der Stadtplanung und -gestaltung nicht abstreiten. Er nennt noch einen weiteren Vorzug, der gerade für Anwohner neben den Bahngleisen wichtig ist: „Rasengleise dienen der Lärmminderung.“ Die Düsseldorfer Rheinbahn spricht gar von einer möglichen Reduzierung um bis zu sechs Dezibel. Soweit will die Evag mit ihren Prognosen nicht gehen, sehr wohl sei aber bei Rasengleisen mit einer „verbesserten Luftschallabstrahlung“ zu rechnen, so Frei.

Aber das funktioniert nur, „wenn dauerhaft eine entsprechende Pflege betrieben wird. Und die ist sehr kostenintensiv“, gibt der Evag-Sprecher zu bedenken. Zusätzliches Geld dafür hat die Evag nicht.

Schon die Anschaffungs- und Baukosten können hoch sein. Sie liegen abhängig von der Bauart zwischen 350 und 2500 Euro pro Meter Gleis. Allein für 700 Meter Rasengleis im Bahnkörper Zweigertstraße hatte die Evag exemplarisch Mehrkosten von bis zu einer Million Euro ausgerechnet. Je nach Lage und Ausstattung ist die Preisspanne sehr hoch. Bei Neubauvorhaben wird es generell günstiger, aber neue Linien sind in Essen aktuell nicht geplant.

Die Evag verweist vor allem auf die Folgekosten für die Unterhaltung und Instandsetzung der Rasengleise. Die liegen pro Streckenkilometer bei 10.000 Euro pro Jahr. Schon jetzt muss die Evag für die bestehenden Rasengleise und ihre anderen Grünflächen 100.000 Euro pro Jahr an Privatfirmen zahlen.

Deshalb will der eh unter Sparzwang stehende Betrieb keine weiteren Gleise begrünen: „Wir sind angehalten, noch wirtschaftlicher zu arbeiten. Dazu gehört es eben auch, nicht mehr Kosten zu produzieren“, argumentiert Olaf Frei. Anders würden die Dinge liegen, wenn für solche Grün-Projekte Fördergelder zur Verfügung stehen. Aber dafür gibt es derzeit keine Zuschüsse.

In Düsseldorf hingegen sind sich Rathaus und Rheinbahn einig, das Gras auf weiteren Trassen wachsen zu lassen – etwa entlang am Kö-Bogen mitten in der City. In der Landeshauptstadt fahren die Bahnen schon jetzt auf mehr als 26 Kilometer Rasengleis. Rheinbahn-Sprecher Georg Schumacher: „Uns überzeugt, dass die Bahnen leiser sind.“

 
 

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