Kein Ansturm auf Gold bei Essener Banken

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Trotz der heiklen Finanzsituation in Griechenland bleiben Essens Sparer offenbar gelassen. Einen Ansturm auf Gold gibt es jedenfalls nicht.

Essen.. Fragt man Sparkassen-Sprecher Volker Schleede nach einer wachsenden Nachfrage nach Gold, reagiert er amüsiert: „Davon haben wir bisher nichts bemerkt.“ Trotz der kritischen Finanzsituation Griechenlands und der aktuellen Geldpolitik der Europäischen Zentralbank gebe es keinen Ansturm auf das Edelmetall.

Dessen Ruf als Krisenwährung hält Schleede für überschätzt: „Bei Gold verhält es sich wie bei einem Neuwagen: Der ist schon im Moment des Kaufs weniger wert.“ Anders gesagt: Wer an einem Sparkassen-Schalter ein Kilogramm Gold für 37.193 Euro kaufe, der erhalte beim sofortigen Verkauf nur 34.619 Euro.

Es spreche natürlich nichts dagegen, einen Teil eines größeren Vermögens in Gold anzulegen, doch angesichts des beschriebenen Wertverlusts seien krisenbedingte Spontankäufe eher nicht angezeigt. Den rund 230.000 Privatkunden der Sparkasse sei das offenbar klar: Sie fragen derzeit nicht häufiger nach der goldenen Krügerrand-Münze oder nach Goldbarren als sonst.

Strafzinsen sind nicht geplant

Der schwankende Kurs und die fehlende Rendite scheinen Sparer andernorts nicht abzuschrecken: So hat die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) jetzt beobachtet, dass die Nachfrage nach Gold in der in der Finanzmetropole „deutlich angezogen“ habe. Zwar gebe es vor den Ausgabeschaltern noch keine Schlangenbildung, doch der Preis für eine Feinunze Gold sei binnen drei Monaten von 950 auf 1099 Euro geklettert: Investiert werde hier „vom Studenten bis zum Rentner“.

Ein Phänomen, das in Essen auch bei anderen Instituten noch nicht aufgetaucht ist. Es gebe keine vermehrte Nachfrage nach Gold, heißt es bei der Sparda-Bank wie bei der National-Bank. Ebensowenig erlebe man Kunden, die sich um ihre Sparguthaben sorgen, sie wüssten, dass ihre Einlagen gesichert sind. Eher treibe sie um, dass ihre Ersparnisse wenig Rendite abwerfen. „Das Niedrigzins-Niveau stößt naturgemäß bei niemandem auf Gegenliebe“, sagt Gregor Stricker, Leiter Vorstandsstab der National-Bank.

Eine Sorge kann Stricker den Kunden nehmen: „Strafzinsen sind bei uns überhaupt kein Thema.“ Auch Barbara Carvalho von der Sparda gibt Entwarnung: „Zwar gehen Experten davon aus, dass immer mehr Bankhäuser 2015 nicht nur Geschäftskunden, sondern auch Privatkunden Minuszinsen auf Einlagen zahlen lassen. Doch für uns kommen solche Strafzinsen auf Sparguthaben nicht in Frage.“ Und Volker Schleede verspricht, die Sparkasse werde die Guthaben von Sparern mit „Zähnen und Klauen“ verteidigen.

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