Katernberg-Konferenz will Kontakt zu Moscheen verbessern

Jennifer Schumacher
Rund 80 Zuhörer kamen zur 46. Katernberg-Konferenz in der Lohnhalle des Triple Z. Dabei stand auch das Thema Salafismus
Rund 80 Zuhörer kamen zur 46. Katernberg-Konferenz in der Lohnhalle des Triple Z. Dabei stand auch das Thema Salafismus
Foto: Ulrich von Born
Sozialarbeiter Thomas Rüth hat bei der 46. Katernberg-Konferenz für mehr Miteinander geworben. Zudem erneuerte er seine Kritik an den Lies-Ständen.

Essen-Katernberg. „Wir haben ein extremes Problem mit einer Radikalisierung durch Extremisten“, nimmt Thomas Rüth bei der 46. Katernberg-Konferenz gleich zu Beginn seines Vortrags kein Blatt vor den Mund. Der Leiter der Awo-Jugendhilfe im Netzwerk Nord möchte im Triple Z Antwort auf die Frage geben, ob Salafismus auch im Bezirk Zollverein ein zunehmendes Problem ist.

Tatsächlich gebe es keine konkreten Zahlen, wie viele Jugendliche im Essener Norden Salafisten oder potenzielle Extremisten seien. Viele Vorfälle in den vergangenen Monaten alarmierten jedoch, auch im Stadtteil enger zusammenzurücken und aufmerksamer zu werden, wie Rüth anhand einiger Beispiele aufzählte: angefangen von Schicksalen wie dem des jungen Esseners Abdullah, der sich radikalisierte und 2011 bei einem Terroreinsatz nahe Kundus ums Leben kam, über die Schließung einer umstrittenen Moschee in Freisenbruch bis hin zum Anschlag auf den Sikh-Tempel, der auch die Altenessener Assalam-Moschee ins Visier der Fahnder brachte. Zwar konnte Rüth keine Zahlen für den Essener Norden nennen, brachte dafür aber eine landesweite Statistik mit: „Laut dem Innenministerium gelten von 2700 salafistische Aktivisten, 640 Personen als gewaltbereit."

„Gehen Sie auf die Straße gegen die Lies-Stände!“

Entsprechend müsse die Prävention verbessert werden und das funktioniert am besten über ein gutes Netzwerk im Stadtteil: „Wir müssen die Jugendlichen erreichen“, mahnte Rüth, „noch bevor sie an die Lies-Stände kommen.“ Der Sozialarbeiter erneuerte seine Kritik an den Ständen in der Innenstadt, an denen der Koran verteilt wird und junge Männer von Salafisten missioniert werden sollen.

„Ich kann nicht verstehen, warum nicht mehr Menschen gegen die Lies-Stände demonstrieren. Gehen Sie auf die Straße, tun sie etwas dafür, damit diese Stände verboten werden“, ermunterte Rüth die rund 80 Zuhörer, aktiv zu werden. Nicht zuletzt warb Rüth für mehr Miteinander: „Sprechen Sie mit ihren muslimischen Nachbarn. Viele haben die gleichen Ängste und Sorgen wie Sie“, sagte Rüth.

Kritik an mangelnder Beteiligung der muslimischen Gemeinden

Darauf bezogen kritisierten Besucher wie Grünen-Ratsherr Walter Wandtke, dass Vertreter der umliegenden Moschee-Gemeinden der Katernberg-Konferenz fernbleiben: „Es hilft doch vielmehr, miteinander zu reden. Es ist schade, dass kein Vertreter hier ist.“

Siegfried Brandenburg vom Schonnebecker Werbeblock betonte, dass zu den Konferenzen alle Institutionen aus den Stadtteilen eingeladen würden, auch die muslimischen Gemeinden: „Vielleicht müssen wir hier aber noch offensiver werben und unsere Kommunikation im Vorfeld verbessern.“ Dafür plädierte auch Thomas Rüth, der als Beteiligter der Altenessen-Konferenz auf entsprechende Erfolge verweisen kann: „Wir stehen dort in engem Kontakt, Vertreter der muslimischen Gemeinde sind bei der Altenessen-Konferenz eng mit eingebunden.“