Kate McIntosh, die Meisterin des formschönen Fühlens

Kate McIntoshs Bitte lässt eine ziemliche Sauerei erahnen: Die Zuschauer müssen Ringe und Uhren ablegen und die Ärmel hochschieben, bevor die Performancekünstlerin sie zu einem Bottich führt. Erst Händewaschen, dann auf die Bühne. Dort erinnern drei Tischreihen mit – noch – weißen Tüchern und Hockern davor an das Abendmahl. Doch bei der Uraufführung von McIntoshs neuer Produktion „In Many Hands“ bei Pact Zollverein geht es deutlich lustiger zu. Ihre Expedition ins Reich der Sinne ist die schönste Form zeitgeistiger Zuschauer-Partizipation: Wahrnehmungsschulung als Kindergeburtstag für Erwachsene.

Die Neuseeländerin macht ihr Publikum glücklich. Ihre Arbeiten entwickeln subtil und intelligent Gemeinschaft. „In Many Hands“ könnte ähnlich wie „All Ears“ Kult-Status erlangen. McIntosh choreografiert formschönes Fühlen. Hände und Arme sollen kunstvoll ineinander gelegt werden. Der Titel ist wörtlich zu nehmen. Die Performance liegt in den Händen der Zuschauer: McIntos gibt Dinge durch die Reihen. Steine, Eiswürfel, dann immer Skurrileres wie präparierte Tier-Schädelknochen, Paarhufe oder Insektenteile. Ein Glasauge, Erde, Milchzähne. Auch Vogelkrallen oder eine hundekotartige Masse. Die Künstlerin beobachtet sanft lächelnd die immer heftigeren Reaktionen. Aus vorsichtigem Betrachten wird ein von Ooohs und Iiihs begleitetes Betasten, Beschnuppern, Kneten. Zufallsnachbarn werden zu Komplizen. Humor und Ekel verbinden.

Spektakulär wird es im Dunkeln. Kleine, brennende Kerzen machen die Runde. Dann spitze Aufschreie: Fellteile groß wie Maulwürfe mit glibberigen Stellen werden weitergereicht. Und plötzlich regnet es Erbsen. Welch’ schöne Schlussmetapher: Es wird hell und eine dünne Plastikplane entfaltet sich über den Köpfen zu einem schützenden Dach für die Gemeinschaft aus sensorischen Selbsterforschern.

 
 

EURE FAVORITEN