„Kasimir und Karoline“ – Herz und Wirtschaft in der Krise

Inmitten des ausgelassenen Treibens gibt es immer auch die Verlassenen und Verlorenen: Szene in der Studio-Bühne mit  Kasimir (Thorsten Simon) und Karoline (Aless Wiesemann). Foto:Stefan Dolge
Inmitten des ausgelassenen Treibens gibt es immer auch die Verlassenen und Verlorenen: Szene in der Studio-Bühne mit Kasimir (Thorsten Simon) und Karoline (Aless Wiesemann). Foto:Stefan Dolge
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Bronwyn Tweddles Zugriff auf Ödön von Horvaths Volksstück „Kasimir und Karoline“ überzeugt in der Studio-Bühne. Ensemble spielt auf fast leerer Bühne

Schwer zu glauben, dass das 13-köpfige Ensemble, das Ödön von Horváths Klassiker „Kasimir und Karoline” am Samstagabend auf die Studio-Bühne zur Premiere gebracht hat, unter Amateurtheater fungiert. Auf praktisch leerer Bühne zeigt die hervorragende Truppe eine starke Interpretation der Tragikomödie, in der Horváth die Faszination für den Fortschritt immerwährende menschliche Abgründe gegenüberstellt.

Dabei macht es Bronwyn Tweddle weder ihren Darstellern noch dem Publikum allzu leicht. In strengen Choreographien lässt die neuseeländische Regisseurin ihr Ensemble die kleine, karge Bühne abschreiten.

In Kombination mit den Dialogen erzeugt dies manches Mal eine absurde Komik, erschwert teils gar den Zugang zur gekünstelten Sprache. Auf der anderen Seite zeigt sie so die Rhythmik auf, die in Horváths Worten liegt. Und in den richtigen Momenten nimmt sie ihr Konzept zurück und lässt Worte und Darsteller ihre volle Wirkung entfalten.

Allen voran Aless Wiesemann: Mit einnehmender Bühnenpräsenz gibt sie ihre Karoline als äußerlich starke Frau, die sich nach Sicherheit und Anerkennung sehnt. Auf dem Oktoberfest während der Weltwirtschaftskrise Anfang um 1929 gerät sie mit ihrem Verlobten Kasimir in Streit. Dieser hat seinen Job als Chauffeur verloren und bezichtigt sie, dass sie ihn genau deshalb verlassen wird. Beleidigt über diese Aussage, tut Karoline genau dies und wirft sich dem jungen, schüchternen Kirmesbesucher Schürzinger an den Hals.

Auch Nebenrollen sind stark besetzt

Doch auch dessen Vorgesetzten, Kommerzienrat Rauch, macht sie schöne Augen, könnte er ihr doch eine lang ersehnte gesellschaftliche Besserung verschaffen.

Kasimir dagegen sucht Trost bei der Frau seines Kumpel, dem tumben Merkl Franz, der seine Gattin Erna vor den Augen aller demütigt. Thorsten Simons Kasimir macht die Verzweiflung eines Menschen greifbar, der in einem System untergeht, das ohne Rücksicht auf Verluste dem Fortschritt und zügellosen Wirtschaftswachstum huldigt.

Doch nicht nur das Titelpaar glänzt: Auch sämtliche Nebenrollen sind stark besetzt. Sebastian Hartmann etwa gibt den Merkl Franz herrlich unsympathisch, man möchte sich als Zuschauer schützend vor der von Stefanie Beckmann herzzerreißend dargestellten Erna stellen.

Martin Weiers leicht tapsig angelegter Schürzinger wird dagegen regelrecht zu einem echten Sympathieträger. Und Hans Rodehüser als lüsterner Rauch und Martin Dornseifer als dessen Freund Speer stellen ihr komödiantisches Talent unter Beweis.

 
 

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