Kanal-TÜV könnte teuer werden

Bei Andreas Lochthowe steht wie bei vielen Anwohnern an der Berswortschanze in Essen Karnap am 30. September 2011 der Keller unter Wasser. Immer wieder steigt Grundwasser im Stadtteil auf und tritt aus Abflüssen aus. Auch installierte Pumpe schaffen nur bediengt Abhilfe, da siedurch den mitgeschwemmten Schlamm verstopfen. Foto: Sebastian Konopka / WAZ FotoPool
Bei Andreas Lochthowe steht wie bei vielen Anwohnern an der Berswortschanze in Essen Karnap am 30. September 2011 der Keller unter Wasser. Immer wieder steigt Grundwasser im Stadtteil auf und tritt aus Abflüssen aus. Auch installierte Pumpe schaffen nur bediengt Abhilfe, da siedurch den mitgeschwemmten Schlamm verstopfen. Foto: Sebastian Konopka / WAZ FotoPool
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Essener Norden..  Der drohende Kanal-TÜV für private Haushalte kann die Bewohner im Emschergebiet teuer zu stehen kommen. Hat die Stadt jetzt Zahlen zwischen 2000 und 5000 Euro, nur in Einzelfällen bis zu 20 000 Euro, für die Sanierung der Abwasserkanäle veröffentlicht, so malt der Karnaper Ratsherr Guido Reil (SPD) ein ganz anderes Szenario aus: Ist bis dahin nicht die zentrale Drainage im Emschergebiet gebaut, werde eine Kellersanierung mit privater Drainage für bis zu 50 000 Euro fällig.

„Die Zahl basiert auf einem Kostenvoranschlag, den ich für mein eigenes Haus habe anfertigen lassen“, sagt Reil. Er hat dabei nicht nur - wie die Stadt - die direkten Kosten für den Kanal-TÜV und den daraus in wohl 80 Prozent der Haushalte entstehenden Bedarf für das Abdichten der Kanäle im Blick. Seine Horrorzahl basiert auf den Folgen, die er für den Zeitraum von rund drei Jahren nach dem Abdichten befürchtet: „Da die Kanäle das Grundwasser nicht mehr abführen können, müssen die Betroffenen in den Kellern noch einmal abdichten und eine Drainage installieren.“

Ist das Szenario realistisch? Möglich ist es auf jeden Fall. Zwar werden die Stadtwerke wohl schon im kommenden Jahr beginnen, die zentrale Drainage in Karnap zu legen, dennoch ist bis heute unklar, wer die rund 5,6 Millionen Euro für das Pilotprojekt bezahlen soll. Die in Frage kommenden Institutionen fürchten den Rattenschwanz von 360 Millionen für den Rest des kompletten Emschergebietes. Es fehlt noch der große Finanzier. Eingeweihte halten es sogar für möglich, dass die Kosten bis an den Bund weitergereicht werden.

Wer – so Reil – die Folgen schon ziemlich direkt zu spüren bekommen könnte, sind die Anwohner der Heßlerstraße. Hier werden in den kommenden mindestens 18 Monaten rund 625 Meter zentrale Abwasserleitungen erneuert. „Die können dann das gestiegene Grundwasser nicht mehr ableiten“, sagt er. Dazu sagen die Stadtwerke: „Die Dramatik, dass mit einem neuen Kanal von uns das Grundwasser steigt, ist deutlich überzogen“, so Sascha Adamski.

Mit dem überarbeiteten Landeswassergesetz, das erwarten die Beteiligten in den kommenden Wochen, wird das Problem des Abwasser-TÜV für die Bewohner im Emschergebiet wieder akut. Aktuell ist das Thema um dichte Kanäle in Essen in der Schwebe. Klar, dass Reil hier eine Forderung formuliert: „Erst die zentrale Drainage, dann der Kanal-TÜV.“

 
 

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