Kanadagänse sind in Essen eine Plage für Landwirte und Wassersportler

Julia Witte
Kanadagänse sorgen für Ärger in Essen.
Kanadagänse sorgen für Ärger in Essen.
Foto: Kerstin Kokoska / WAZ FotoPool
Ob Spaziergänger in der Gruga, Ruderer in Kettwig oder Bauern im Süden Essens: Sie ärgern sich über Kanadagänse und den Kot, den die Tiere hinterlassen. Weil die Gänse keine natürlichen Feinde haben, können sie sich vermehren. Gerade für Landwirte entsteht ein hoher wirtschaftlicher Schaden.

Essen. Zuerst die gute Nachricht für alle Freunde des Federviehs: Kanadagänse sind nicht vom Aussterben bedroht. Das Gegenteil ist der Fall, ihre Population hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Auch in einer Großstadt wie Essen. Nicht nur in den Augen der Landwirte ist genau das ein Problem.

Hans-Werner Löckenhoff vom Schultenhof an der Stadtgrenze Kettwig/Mülheim redet von erheblichen Schäden, die die Tiere auf Wiesen und Feldern anrichten würden. Die Gänse kämen in Scharen auf die Felder und würden diese im schlimmsten Fall kahl fressen. Vor einigen Jahren wurden die finanziellen Schäden, die allein im Ruhrtal entstanden, ermittelt. Damals kam man auf eine Summe von 5000 Euro. „Die Schäden ersetzt uns niemand“, bedauert Löckenhoff. Hinzu komme ein weiteres Ärgernis: die Verschmutzung durch den Kot. Gelangt dieser etwa ins Heu für die Pferde, können Krankheiten übertragen werden.

Genug Nahrung

Die Kanadagänse - eine Plage? So dramatisch zugespitzt möchte es Peter Schütz vom Landesamt für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz NRW (Lanuv) nicht bezeichnen. Das hohe Aufkommen erklärt der Lanuv-Sprecher so: „Sie finden an Gewässern und auf den Feldern genügend Nahrung; zudem verdrängen sie heimische Vögel haben sie kaum natürliche Feinde. Ein Fuchs legt sich nur selten mit einer Gans an.“

Sie sind – ökologisch wie ästhetisch – Problemgänse: Wo gegrast wird, wird gekotet, und so sind Hinterlassenschaften überall da zu beobachten, wo sich die Tiere aufhalten. Bevorzugt an Gewässern. Sei es in der Gruga am Margarethensee, am Baldeneysee oder entlang der Ruhr.

Jagd in der Gruga nicht erlaubt

Am Margarethensee in der Gruga sind die sehr beliebten und noch recht neuen Holz-Terrassen samt Bänken nicht mehr nutzbar, da sie vollkommen verdreckt und offensichtlich auch schwer zu reinigen sind. Grün-und-Gruga-Sprecher Eckhard Spengler räumt ein, dass die Zahl der Tiere zugenommen hat, und zuckt ratlos die Schultern. „Bejagen geht in der Gruga ja sowieso nicht.

Ein „massives Problem“, stellen die Gänse bei der Kettwiger Rudergesellschaft dar, wie Cheftrainer Boris Orlowski („Eine Plage“) beschreibt. Die Stege seien ständig verdreckt, der Situation werde man nicht mehr Herr. Allein schon aus hygienischen Gründen sei dies nicht mehr tragbar.

Fast täglich müsse man die Stege von Dreck, mitunter so groß wie Hundekot, befreien. Sogar der Wassersport werde behindert. „Die Tiere sitzen stur auf dem Wasser, so dass die Ruderer ihnen ausweichen müssen“, sagt Boris Orlowski, „meistens haben sie es mit einem Schwarm von bis zu 50 Tieren zu tun.“