Jungen Essener Lehrern droht nach dem Referendariat die Arbeitslosigkeit

Nach dem Referendariat droht vielen jungen Lehrern Hartz IV.
Nach dem Referendariat droht vielen jungen Lehrern Hartz IV.
Foto: Getty
243 Lehramts-Anwärter beenden in Essen Ende April ihr Zweites Staatsexamen. Mehr als 200 davon droht nach dem Referendariat direkt die Arbeitslosigkeit. Besonders betroffen sind Deutsch- und Geschichtslehrer - sie sind nahezu chancenlos. Anspruch auf Arbeitslosengeld haben sie nicht.

Essen. Mehr als 200 Referendare, die Ende April in Essen ihre Ausbildung zum Lehrer an einem Gymnasium oder an einer Gesamtschule beenden, droht direkt der Abstieg in Hartz IV. Ihre Chancen auf einen Job zum neuen Schuljahr, das im September beginnt, sind denkbar schlecht, und ein Recht auf Arbeitslosengeld haben sie nicht.

„Bei uns beenden 243 Lehramts-Anwärter das Zweite Staatsexamen“, berichtet Dirk Braun, Direktor des Seminars für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen. Das Seminar ist Teil des „Zentrums für schulpraktische Lehrerausbildung“ an der Hindenburgstraße. Dort werden auch Referendare für Grundschulen und Schulen der Sekundarstufe I (Hauptschulen, Realschulen, Sekundarschulen) ausgebildet. Das Essener Zentrum versorgt zum Beispiel sämtliche 39 Gymnasien und Gesamtschulen in Essen und Velbert mit Nachwuchskräften. „Von den 243 meines Seminars sind höchstens zehn, die vom kommenden Schuljahr eine unbefristete Stelle erhalten“, sagt Braun.

Verkürzte Referendarsausbildung

Die Referendare, die jetzt fertig werden, sind die ersten, die nicht zwei Jahre lang ausgebildet wurden, sondern nur noch anderthalb Jahre. Die Ausbildung ist reformiert worden. Das Ende ihrer Ausbildungszeit Ende April fällt mitten ins Schuljahr. Entsprechend seien so gut wie alle Vertretungsstellen, die sonst als Übergangslösung gut funktionierten, besetzt.

Die meisten Referendare haben fürs kommende Schuljahr schlechte Job-Chancen, weil zwei Abi-Jahrgänge gleichzeitig die Schulen verlassen. An den Gymnasien und Gesamtschulen sinkt die Schülerzahl deutlich. Weniger Schüler bedeutet auch weniger Lehrer. Landesweit entstehen an vielen Schulen „Überhänge“, die auch Lehrer, die längst einen festen Job haben, in Unruhe versetzt: Es drohen „Abordnungen“, also Versetzungen. Der Großteil des Überhangs soll aber in wenigen Jahren durch entsprechende Pensionierungen abgebaut sein.

Referendare in Mangelfächern haben Chancen auf eine Stelle

Das NRW-Schulministerium verweist auf landesweit 1000 Lehrer-Stellen, die trotzdem an Gymnasien neu eingerichtet werden: „Damit eröffnen wir die Möglichkeit, dass Schulen Stellen besonders in den Mangelfächern besetzen können“, teilt Ministeriumssprecher Jörg Harm mit. Referendare mit naturwissenschaftlichen Fächern oder Mathematik hätten also trotz der allgemein schwierigen Lage trotzdem einige Chancen.

Kandidaten mit Fächern wie Deutsch oder Geschichte seien jedoch so gut wie chancenlos, hat Dirk Braun beobachtet: „Und die nächsten Referendare stehen schon in den Startlöchern.“

 
 

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