Junge Syrer finden Münzschatz im Herd – und geben ihn ab

Abdulhalim Saad (m.) und Ali Khabaza haben in ihrer Second-Hand-Küche im Hörsterfeld in Essen zahlreiche Münzen gefunden und sie bei Bernd Wilke im Bürgerladen abgeben.
Abdulhalim Saad (m.) und Ali Khabaza haben in ihrer Second-Hand-Küche im Hörsterfeld in Essen zahlreiche Münzen gefunden und sie bei Bernd Wilke im Bürgerladen abgeben.
Foto: FUNKE Foto Services
  • Ali Khabaza (31) und Abdulhalim Saad (23) aus Syrien haben gebrauchte Küche gekauft
  • Bei Montage fanden sie unter dem Herd eine mit Gedenkmünzen gefüllte Box
  • Flüchtlinge bringen Münzschatz zurück in den Bürgerladen im Hörsterfeld

Essen-Horst. Dass Flüchtlinge in den Bürgerladen im Hörsterfeld kommen, ist für Bernd Wilke Alltag: Ins Viertel ziehen viele Asylbewerber, die sich vor Ort und in der Bürokratie erst zurechtfinden müssen. „Die meisten haben Behördenbriefe dabei und hoffen, dass ich mit dem Papierkram helfe“, sagt der Sozialarbeiter. Auch Ali Khabaza (31) und Abdulhalim Saad (23) aus Syrien haben Wilke schon um Rat gefragt. Dieser Tage aber kamen sie, um ihm einen kleinen Schatz zu bringen.

Sehr oft ehrliche Finder

Über die Möbelvermittlung der EBE hatten die beiden für 50 Euro eine gebrauchte Küche gekauft, die sie in der Nähe von Hagen abholten. Bei der Montage fanden sie jetzt unter dem Herd eine mit Gedenkmünzen gefüllte Box. „Und die haben sie mir gleich in den Bürgerladen gebracht“, erzählt Wilke, der die 5- und 10-DM-Münzen gezählt hat: Allein der Nennwert beläuft sich auf 984 Mark (oder 503 Euro), also das Zehnfache dessen, was Saad und Khabaza für die Küche ausgegeben haben. „Viel Geld für Leute, die praktisch nichts besitzen. Aber ich erlebe hier sehr oft ehrliche Finder, die zum Beispiel Handys abgeben.“

Beim Gespräch mit den jungen Männern erfuhr Wilke, dass Saad aus Latakia stammt und Khabaza aus Aleppo, das gerade grausam zerstört wird. Die Sorge um die Familie in seiner Heimatstadt kann Wilke dem 31-Jährigen Khabaza natürlich nicht nehmen. Aber er bleibt Ansprechpartner fürs Ankommen in Essen und bringt auch die Münzen ins Fundbüro. Sollte sich der Besitzer nicht binnen eines halben Jahres melden, dürfen Khabaza und Saad ihren Schatz in Empfang nehmen.

 
 

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