Junge Mutter als Rassistin im Jeckenkostüm?

Das neue Jahr hat für den Vorstand der Karnevalsgesellschaft Rot-Grün Essen-Kupferdreh alles andere als ausgelassen begonnen: Seit gestern sieht sich der erste Vorsitzende Manfred Geldmacher mit einem ernsten Vorwurf von Antifaschisten konfrontiert. Die Schatzmeisterin der Vereins, Marina S., verbreite zusammen mit ihrem Ehemann, der seit längerem in der braunen Szene unterwegs sein soll, als Musikduo unter dem Namen „Projekt Aaskereia“ rassistisches und faschistisches Gedankengut. Mit Liedern wie „Bombenhagel“, „Nationalist“ und „Klagt nicht, kämpft“ lege das Duo einen „fanatischen Nationalismus und seine Verbundenheit mit dem Gedankengut des Nationalsozialismus“ offen. „Die deutsche Geschichte wird umgedichtet“, sagt Mahir Yolcu, Pressesprecher der Roten Antifa, die gestern Fotos von der dreifachen Mutter kleiner Kinder in Umlauf brachte. Eins zeigt Marina S. bei einem Auftritt mit ihrem Mann im Rahmen des so genannten „Südwestdeutschen Kulturtages“ der NPD und der Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN). Bei der Veranstaltung waren hochrangige NPD-Politiker anwesend, so die Antifa, die den Vorstand des Karnevalsvereins aufforderte, sich „sofort von Marina S. zu distanzieren“.

„Können Vorwürfe nicht bestätigen“

Was Manfred Geldmacher gestern „erst einmal“ getan hat. „Wir können die Vorwürfe so nicht bestätigen.“ Es seien viele offene Fragen vor einem möglichen Vereinsausschluss zu klären. „Wahrscheinlich morgen schon“ werde die Angelegenheit auf einer Vorstandsversammlung beraten und möglicherweise Konsequenzen gezogen. „Ich bin aus allen Wolken gefallen“, sagte der Vereinsvorsitzende. Er kenne die junge Frau und deren Familie auch privat seit vielen Jahren: „Das sind gute Karnevalisten. Ich wusste nicht, dass sie eine solche Musik macht.“ Ihm gegenüber habe Marina S. gestern eingeräumt, dass sie auf dem Foto sei, dass die Antifa verbreitete: „Das ist eine Hetzkampagne“, soll sie gesagt haben. Die junge Frau sei nicht im Vorstand der Karnevalsgesellschaft aktiv, korrigierte Geldmacher. Das sei ein fehlerhafter Eintrag auf der Internetseite. Nach NRZ-Informationen sind Marina S. und ihr Ehemann beim polizeilichen Staatsschutz nicht aktenkundig. Weder ihre Musik noch ihre Band steht auf dem Index der Behörden.