Essen

Junge (13) in Essen von U-Bahn mitgeschleift: Ermittler stehen vor Mammut-Aufgabe – Gesundheitszustand kritisch

An dieser Haltestelle zerrte die U-Bahn den 13-Jährigen mit sich.
An dieser Haltestelle zerrte die U-Bahn den 13-Jährigen mit sich.
Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen. Acht Tage ist es her, als ein 13 Jahre alter Junge von einer U-Bahn in Essen mitgeschleift worden ist.

An dem Donnerstagmorgen war der Bahnsteig an der oberirdischen Haltestelle II. Schichtstraße gut gefüllt. Der 13-Jährige hatte die hintere Tür des U-Bahn-Waggons genutzt, um einzusteigen. Hier staute es sich derart, dass er zu einer anderen Tür ging.

Diese war allerdings verschlossen – also hastete er zurück zur vorherigen Wagentür.

Dort verfing sich nach Angaben der Ruhrbahn ein Stück seiner Kleidung in der Fahrzeugtür. Die Bahn fuhr los, schleift den Teenager mit. Dort wo der Bahnsteig endet, prallte er gegen die Wand und blieb im Gleisbett des Tunnels liegen.

Mit einem Hubschrauber musste er anschließend in eine Essener Klinik gebracht werden. Dort liegt er bis heute im Koma, gilt als lebensgefährlich verletzt.

Junge von U-Bahn in Essen mitgeschleift: Ermittler haben viel zu tun

Die Polizei hat seit dem eine Mammutaufgabe vor der Brust. Eine mehrköpfige Ermittlungskommission ist eingerichtet worden. Zahlreiche Zeugen müssen befragt werden. Zusätzlich begutachten die Ermittler den Bahnsteig, werten Spuren und Videomaterial aus.

Wie eine Polizeisprecherin erklärt, ist die komplette U-Bahn beschlagnahmt worden. Eine unabhängiger Sachverständiger wurde eingeschaltet. Mindestens acht Wochen wird er brauchen, um sein Gutachten anzufertigen.

„Wir wollen, dass der Vorfall ordentlich und unabhängig aufgeklärt wird“, stellt Polizeisprecherin Judith Herold klar.

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Fahrgäste zogen Notbreme: Zug fuhr dennoch weiter

Die U-Bahn hatte am Donnerstag nicht gehalten, obwohl Fahrgäste die Notbremse zogen. Dazu sei der Lokführer verpflichtet gewesen, hatte Ruhrbahn-Sprecher Nils Hoffmann gesagt: Er dürfe die Bahn nur stoppen, wenn der Hebel nach spätestens acht Sekunden betätigt wurde. Dann befinde sich der Zug noch am Bahnsteig.

Erst am nächsten Bahnhof dürfe die U-Bahn im Notfall evakuiert werden. Im Tunnel gehe das aus Sicherheitsgründen nicht. Die Fahrgäste zogen laut Hoffmann erst nach 21 Sekunden die Bremse.

Menschliches Versagen schließt die Ruhrbahn aus

„Eine technische Ursache können wir weder ein-, noch ausschließen“, betonte die Ruhrbahn zuletzt. Menschliches Versagen sei jedoch nicht Ursache. Der 62 Jahre alte Lokführer sei „ein ganz erfahrener Kollege“ und seit 38 Jahren im Dienst. Erst vor drei Wochen habe er einen umfangreichen Sicherheitscheck absolviert.

Die entsprechende Fahrzeugtür hatte die Rheinbahn nach eigenen Angaben zuletzt vor fünf Tagen kontrolliert. Dort wurden keine Mängel festgestellt. Unmittelbar nach dem Unfall habe die Tür wieder einwandfrei funktioniert. (mb/dpa)

 
 

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