Jugendliche üben für den Ernstfall

Ein Containerbrand. Die Feuerwehr ist schon vor Ort. Henk, Tim und Deniz bekämpfen die Flammen. Gemeinsam halten sie den Löschschlauch, und in hohem Bogen schießen sie das Wasser auf den Brandherd. 200 Liter Wasser rauschen pro Minute durch die Leitung. Nach einer Weile erhalten sie ein Signal. Das Feuer ist gelöscht. Das Wasser versiegt.

Henk, Tim und Deniz sind eigentlich gar keine „richtigen“ Feuerwehrmänner. Und das Feuer, das sie gerade gelöscht haben, war auch gar kein echtes Feuer. Das Ganze war nämlich nur eine Übung. Die drei Jungs sind in ihrer Freizeit bei der Jugendabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Borbeck aktiv. Und beim Training kann nicht jedes Mal ein Container abgefackelt werden. „Es gehört also immer Fantasie dazu, wenn wir üben“, sagt Jugendfeuerwehrwart Swen Haumann (34).

Theorie- oder Praxis-Einheiten

21 Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 17 Jahren sind derzeit bei der Jugendfeuerwehr Borbeck im Einsatz. Immer mittwochs treffen sie sich zum gemeinsamen Training. Auf dem Plan stehen entweder Theorie- oder Praxis-Einheiten. Wichtig ist, dass alles realitätsnah ist – schließlich ist die Zeit in der Jugendfeuerwehr für die meisten Teilnehmer auch eine Vorbereitung für die Zeit in der Einsatzabteilung, sozusagen der Ersten Mannschaft, in die die Jugendlichen mit Erreichen der Volljährigkeit wechseln können.

„Mehr als jeder zweite unserer Jugendlichen wird später Mitglied der Einsatzabteilung“, sagt Löschzugführer Marcus Schroeder (39). „Für uns ist es daher wichtig, früh mit der Jugendarbeit anzufangen und die Teilnehmer an die Freiwillige Feuerwehr zu binden.“

46 Mann stark ist die Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Borbeck. Sie alle tragen einen Piepser bei sich, der Alarm schlägt, wenn irgendwo im Großraum Borbeck ein Alarm gemeldet wird.

Im vergangenen Jahr hat Pfingststurm „Ela“ die Statistik nach oben gepustet: Die Männer waren 333-mal im Einsatz. Aber auch sonst rückt die Freiwillige Feuerwehr pro Jahr zu rund 150 Einsätzen aus – rein rechnerisch also an fast jedem zweiten Tag im Jahr. „Das ist eine Pflicht, die man gerne tut“, sagt Feuerwehrmann Swen Haumann über die ehrenamtliche – und zuweilen gefährliche – Tätigkeit.

Mit 13 Jahren zur Feuerwehr

Swen Haumann hat als Kind Handball und Fußball gespielt. Dann ist er mit 13 Jahren zur Feuerwehr gekommen – und geblieben. Seit Anfang des Jahres steht er der Jugendabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Borbeck vor.

Er leitet Ausflüge und Ferienfreizeiten – und in Theorie und Praxis bringt er mit seinen Kameraden den Kindern und Jugendlichen alles bei, was sie für den Feuerwehr-Einsatz wissen müssen. „Kein Einsatz ist bei uns gleich. Daher gestalten wir das Training sehr vielseitig“, sagt Haumann.

Grundsätzlich kommen die Jugendfeuerwehrleute mit allen Bereichen der Feuerwehrarbeit in Kontakt. Nur Rettungsübungen mit hohen Leitern oder schwerem Atemschutzgerät bleiben den Erwachsenen vorbehalten.

„Wir hatten schon Leistungsvergleiche zwischen unseren Jugendlichen und den Erwachsenen – und die Jugendlichen brauchten sich mit ihren Ergebnissen nicht zu verstecken“, lobt Löschzugführer Schroeder den Nachwuchs. Er selbst hat übrigens auch vor 26 Jahren bei der Jugendfeuerwehr angefangen.

Die nächste Übung steht an. Die Teilnehmer werfen aufgerollte Feuerwehrschläuche aus. Der zehnjährige Robin ist an der Reihe. Er ist einer der Jüngsten bei der Freiwilligen Feuerwehr, erst im März ist er aufgenommen worden – und er setzt damit gewissermaßen eine Familientradition fort: Vater und Schwester sind auch bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv. Für sein neues Hobby ist Robin sprichwörtlich Feuer und Flamme. Fragt man ihn nach seinem Berufswunsch, bekommt man selbstverständlich zur Antwort: „Feuerwehrmann!“

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