Joe Bonamassa in der Grugahalle - ein Großer ohne Hit und Starallüren

Der amerikanische Blues-Rock-Gitarrist Joe Bonamassa gastierte in der Grugahalle. Foto: Sebastian Konopka
Der amerikanische Blues-Rock-Gitarrist Joe Bonamassa gastierte in der Grugahalle. Foto: Sebastian Konopka
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Obwohl die Grugahalle bis auf den letzten Sitz ausverkauft ist, fühlt man sich unweigerlich im kleinen Club, so dezent sind die Darbietungen. sechs Songs dauert es, bis sich Joe Bonamassa zum ersten Mal ans Publikum wendet. Der Bluesrocker erweist sich als Meister sowohl der lauten als auch der leisen Töne.

Essen.. Sechs Songs. Ganze sechs Songs dauert es, bis sich Joe Bonamassa in der Grugahalle zum ersten Mal ans Publikum wendet. Stattdessen lassen er und seine Band lieber die Musik sprechen, die kann schließlich mehr als locker für sich selbst stehen.

Bluesrock ist angesagt am Samstagabend und obwohl Bonamassa noch nicht einmal 35 Jahre auf diesem Planeten weilt - davon gefühlte 30 auf den Bühnen der Welt -, gehört er schon zu den Alten im Sinne von Etablierten des Blueszirkus. Bonamassa beherrscht sämtliche Spielarten vom Delta bis Chicago, von King bis Clapton. Vom donnernden Opener „Slow Train“ über Groovewalzen á la „Blues Deluxe“ hin zu leisen Tönen - etwa bei „Steal your Heart away“ - sitzt jede einzelne Note. Und davon braucht Joe Bonamassa nicht viele. Obwohl zweifelsohne auch der schnelle Läufe mächtig, lässt er die Saiten singen. (Nur vor „Woke up dreaming“ fliegen die Finger in halsbrecherischer Geschwindigkeit über die Akustikgitarre.) Man spürt quasi, wie sich die Töne aus dem beachtlichen Arsenal an Vintage-Gitarren im Saal ausbreiten.

Und singen kann er auch noch. Zwar nicht so dreckig wie ein Howling Wolf, aber dennoch: Auch als Frontmann präsentiert Bonamassa sich als Meister sowohl der lauten als auch der leisen Töne.

„Seit 20 Jahren bin ich unterwegs, habe 13 Alben veröffentlicht und hatte keinen Hit“

Obwohl die Grugahalle bis auf den letzten Sitz ausverkauft ist, fühlt man sich unweigerlich im kleinen Club, so dezent sind die Darbietungen. Der Hauptakteur trägt einen schwarzen Anzug, die Haare aus dem sonnenbebrillten Gesicht gegelt. Er wird zwar nicht müde, bei den zahlreichen Soloeinlagen von links nach rechts über die Bühne zu wandern, große Rockstargesten sind dem Gitarristen aber fremd. Und so überlässt er selbst die obligatorischen Mitsingspielchen lieber seinem Schlagzeuger.

Ach so: Als Joe Bonamassa sich zwischendurch dann doch nochmal ohne Musik ans Mikrofon stellt, hat er Überraschendes zu berichten: „Seit 20 Jahren bin ich unterwegs, habe 13 Alben veröffentlicht und hatte keinen Hit.“ So weit, so gut, aber auch bekannt. Trotzdem präsentiert er stolz eine Goldene Schallplatte, mit der er für „67 Millionen verkaufte Einheiten“ „Live at the Royal Albert Hall“-DVD in Deutschland ausgezeichnet wurde, nicht ohne einzuschränken: „Seid sicher. Auch auf meinem nächsten Album, das übrigens im Mai erscheint, wird wieder kein Hit sein.“ Das verlangt ja auch keiner.

Nach ziemlich genau zwei Stunden zieht man sich erstmals aus dem Rampenlicht zurück. Als Zugabe gibt’s dann noch zwei Coversongs auf die Ohren. Und auch hier beweist Bonamassa Geschmack. Statt stimmungssichernde Hits wird eine leise Variante von Leonard Cohens „Bird On a Wire“ bevor bei „Just got paid“ (auch nicht unbedingt der größte Charterfolg von ZZ Top) noch einmal der Marshall aufgerissen wird.

Auf dem Heimweg rechnet ein Veteran im Motörhead-Shirt noch einmal vor: „Also der kann mindestens noch 40 Jahre so weiter machen. Also bekommen wir noch rund 25 Alben zu hören.“ So soll’s sein.

 
 

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