Jobcenter Essen startet Modellprojekt für Ausländer

Jonas Erlenkämper
Die ersten Teilnehmer am Modellprojekt: Fadi Muayad Afram, Rayan Matti Ablahad, Aishatu Sanny, Eunice Ehiaghe und Mohamed Sanhaje (v.li.).
Die ersten Teilnehmer am Modellprojekt: Fadi Muayad Afram, Rayan Matti Ablahad, Aishatu Sanny, Eunice Ehiaghe und Mohamed Sanhaje (v.li.).
Foto: Essen
Zwar gibt es Sprachkurse für Migranten – doch bislang sind die Angebote wenig vernetzt. Zwischen zwei Sprachkursen vergehen oft Monate, in denen viele die gerade erlernte Sprache wieder verlernen. Ein Modellprojekt des Jobcenters will Ausländern helfen.

Essen. Das Essener Jobcenter geht neue Wege, um Zuwanderer aus der Arbeitslosigkeit zu holen. In einem bundesweit einzigartigen Modellprojekt versucht die Behörde, die Deutsch-Kenntnisse von Migranten zu fördern und damit ihre Integration zu verbessern.

Wer nach Deutschland kommt, hat zwar ohnehin Möglichkeiten, die Sprache zu lernen. So finanziert das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) Integrationskurse. Das Problem: Danach passiert erstmal nichts.

Viele verlernen die Sprache wieder

Später können die Zuwanderer nach einem erfolgreichen Deutsch-Test eine berufsbezogene Sprachförderung erhalten, gefördert vom Bundesamt mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF). Doch zwischen Integrationskurs und ESF-Sprachtraining können mehrere Monate vergehen, in denen viele die Sprache wieder verlernen. Was das Jobcenter nun zusammen mit einigen Partnern erdacht hat, ist ein „Lückenschluss“, so Dietmar Gutschmidt vom Jobcenter.

Das Modellprojekt läuft seit wenigen Wochen. Afrikaner, Iraker, Afghanen, Osteuropäer, Spanier, Griechen, Portugiesen und Türken, sie alle verbringen die Wartezeit mit, wie man so sagt, berufsvorbereitenden Maßnahmen. Aishatu Sanny (32) etwa kam vor 14 Jahren aus Ghana nach Deutschland, nun will sie mit Hilfe des Jobcenters gut Deutsch lernen. Und dann? „Ich möchte Apothekerin werden“, sagt Sanny.

Nicht jeder Berufswunsch erscheint umsetzbar. „Die Menschen haben in ihrem Heimatland ja nicht nur rumgesessen“, so Gutschmidt. Doch manche frühere Qualifikation ist in Essen wenig wert. 60 Prozent der afghanischen Frauen hätten früher als Schneiderin gearbeitet – ein Beruf, nach dem hierzulande wenig Nachfrage bestehe. Und, noch ein Beispiel: „Im Irak braucht man keinen Gewerbeschein, da fährt man mit dem Auto rum und ist Taxifahrer. In Deutschland braucht man aber für alles ein Zertifikat.“ Auch um solche Fälle kümmert sich das Projekt, eröffnet den Menschen neue Perspektiven.

Arbeitsmarkt ist „aufnahmefähig“

Das Konzept des Jobcenters sieht zunächst maximal acht je einwöchige Workshops vor, in denen die Absolventen in Themen wie „Grundlagen EDV“, „Einstellungs- und Eignungstests“ oder „Grundlagen der Mathematik“ geschult werden. Anschließend können sie aus vier speziellen Berufssprachkursen wählen. Dort werden die Männer und Frauen auf ihren Berufswunsch vorbereitet, von Altenpfleger bis Zerspanungsmechaniker.

7,7 Prozent der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Essener sind Ausländer. Der Anteil soll durch den neuen Fokus erhöht werden. Gutschmidt: „Der Essener Arbeitsmarkt ist in manchen Bereichen sehr aufnahmefähig.“