Jetzt nur nicht schwächeln

Wolfgang Kintscher
Mit plakativen Aussagen in den Wahlkampf: Spitzenkandidat Thomas Kufen (links) und CDU-Chef Franz-Josef Britz werben „für ein starkes Essen“.
Mit plakativen Aussagen in den Wahlkampf: Spitzenkandidat Thomas Kufen (links) und CDU-Chef Franz-Josef Britz werben „für ein starkes Essen“.
Foto: Essen
Mit dem Viererbündnis im Rat hat Essens CDU die vermeintlich verlorene Wahl 2009 in einen Sieg umgemünzt. Entsprechend selbstbewusst geht man nun in den Wahlkampf.

Essen. Was kümmert sie ihr Erfolg von gestern? Die ganzen Beschlüsse, die sie an einer staunenden SPD vorbei im Stadtrat haben durchsetzen können; die ganze Arbeit, die man sich gemacht hat, um Ideen und Interessen von vier Parteien im Bündnis unter einen Hut zu bringen; dieser Coup, aus einer verlorenen Wahl 2009 einen Sieg zu basteln: All das ist seit Mittwochabend – Geschichte.

Weil man nämlich schief gewickelt ist zu glauben, bei einer Wahl käme es auf die geleistete Arbeit an. Das ist ihre, die christdemokratische Erkenntnis aus der Wahlenttäuschung vor viereinhalb Jahren, als man dachte, die neue Blüte der Stadt spreche nicht nur für sich, sondern auch dafür, das Kreuzchen bei der CDU zu machen. Als man glaubte, aus lauter Dankbarkeit würden die Schwatten – auch ohne OB Reiniger – auf Händen zum nächsten Wahlsieg getragen.

„Für ein starkes Essen“

Denkste: „Hesse“ war überall und die CDU deshalb im Hintertreffen. Das soll ihnen nicht noch einmal passieren, weshalb Parteichef Franz-Josef Britz und Spitzenkandidat Thomas Kufen sich zum Start des Kommunalwahl-Kampfs nicht lange mit Rückblicken aufhalten.

Stattdessen gibt es von diesem Wochenende an das christdemokratische Versprechen, „für ein starkes Essen“ einzutreten: So lautet der zentrale Wahlspruch, den die CDU auf zehn Kernthemen verdichtet hat – von mehr Sicherheit bis zum aufgebrezelten Baldeneysee-Ufer, von modernen Sportanlagen bis zu Kinderbetreuung und Kulturvielfalt. Ein Slogan, den sie jedem ihrer 41 Ratskandidaten in den Mund legen. Das christdemokratisches „Stark für Essen“ gegen das anheimelnde „Eine Stadt. Unser Zuhause“ der SPD.

Mehr Mensche(l)n, mehr Gefühl

Mehr Mensche(l)n, mehr Gefühl, mehr Herz soll ihre Kampagne zeigen als die nüchterne Erfolgsbilanz von 2009 – „ja, ich denke, wir haben aus den Fehlern von damals gelernt“, sagt Parteichef Britz, und Spitzenkandidat Thomas Kufen räumt ein, „dass wir damals unser Potenzial nicht ausgeschöpft haben“. Nicht einmal bei den eigenen Leuten.

Ob es diesmal gelingt? 2.000 Themen-Plakate sollen helfen, dazu noch einmal rund 4.000 Porträts der 41 Ratsbewerber, 65 Großflächenplakate, 300.000 Kandidaten-Prospekte und eine Offensive via Internet und neue Medien: Dazu hat sich die CDU die Internet-Adresse www.starkes-essen.de gesichert und die Unterstützung der Werbeagentur „Der frühe Vogel & Freunde“ eingekauft.

„Sehr modern, nicht piefig“

Dass sich mit deren Hilfe der Wurm fangen lässt, ist ja schon sprichwörtlich, es sei denn irgendwo wäre selbiger drin: Aber was soll passieren, wenn man „gut vorbereitet“ (O-Ton Britz) einen „sehr sehr klassischen CDU-Themen-Wahlkampf“ (O-Ton Kufen) macht, „sehr modern, nicht piefig“, wie Letzterer sicherheitshalber noch anfügt.

Von Berlin, immerhin, ist kein Störfeuer zu erwarten, der „GroKo“ sei Dank, und ob die gleichzeitig stattfindende Europawahl nun die Kommunalwahl belebt oder umgekehrt – wer weiß das schon?

Ein ehrgeiziges Ziel

Viel Prominenz von auswärts wird ebenfalls nicht zur Seite stehen, die Kanzlerin hat zwei Termine in NRW, aber keinen in Essen, und Jean-Claude Juncker wird man hier auch nicht antreffen. Dafür schaut Julia Klöckner, die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende kurz vor dem Wahltag vorbei, und wer es nicht erwarten kann, Kugelschreiber und Einkaufswagen-Chips in CDU-Orange abzugreifen – auch daran ist gedacht.

30 Mandate plus X haben sich die Christdemokraten vorgenommen, ein ehrgeiziges Ziel angesichts der Tatsache, dass man sich seit 2009 mit 26 der 82 Ratssitze begnügen muss. Aber die haben gereicht für ein CDU-geführtes Viererbündnis, das die Stadtpolitik bestimmt hat.

Aber davon kein Wort zu viel jetzt, das ging schon einmal schief.