Jeder noch ein Kreuz

Theater um Personalkürzungen im Kulturbereich: Die Initiative „kulturgutEssen“ muss 13.500 Unterschriften für ein Bürgerbegehren zusammenbekommen. Auf Stimmenfang geht es auch samstagabends vorm Grillo Theater in der Innenstadt.
Theater um Personalkürzungen im Kulturbereich: Die Initiative „kulturgutEssen“ muss 13.500 Unterschriften für ein Bürgerbegehren zusammenbekommen. Auf Stimmenfang geht es auch samstagabends vorm Grillo Theater in der Innenstadt.
Foto: WAZ FotoPool
Die Bürgerinitiative „kulturgutEssen“ griff am Wochenende zu einer ungewöhnlichen Aktion: Bei ihrer „langen Sammelnacht“ zog die Initiative auf Stimmenfang durch die Kneipen. Ziel bis April: 13.500 Unterschriften, rund 4700 haben sie seit Dezember bisher gesammelt.

Essen.. Drei Kreuze wird so mancher im Stadtbezirk II heute machen, nachdem er gestern seines an der denkbar richtigen Stelle auf dem Wahlzettel hinterlassen konnte. Und während der Zwist um die Straßennamen in Rüttenscheid damit just sein Ende fand, steht man anderswo noch am Anfang: Dem Bürgerbegehren „kulturgutEssen“, das die geplanten Personal-Kürzungen im Kulturbereich verhindern will, fehlen nämlich noch jede Menge Unterschriften. So zogen Initiatoren und Helfer am Samstag los – zur etwas anderen Kneipentour.

Wo Kultur ist, da sind auch Kulturliebhaber, so die Theorie der Initiatoren Anabel Jujol und Hildegard Huber, deren „lange Nacht des Sammelns“ vom Grillo Theater an der Lichtburg vorbei bis zum Moltkeviertel führen sollte. „Nein danke, ich hab’ schon für Von-Ei­nem gestimmt“, winken die ersten beim Anblick der mit Klemmbrettern und Kulis Bewaffneten ab. Alsdann gilt es, die bemüht freundlichen bis offenkundig genervten Passanten möglichst rasch übers neue Begehren aufzuklären. „Ach, das betrifft auch die Musikschule?“, heißt es dann erstaunt. Und sobald sie merkt, dass ihr Sohn sich statt Trompete-Spielen vielleicht ein neues (kostengünstigeres) Hobby suchen muss, unterschreibt eine junge Mutter ohne zu zögern.

Drei Prozent aller Wahlberechtigten müssen zustimmen

„Der anfängliche Widerstand schlägt ganz schnell in Zustimmung oder sogar Dank um, wenn sie wissen, worum es geht“, sagt Bernhard Trautvetter vom Essener Friedensforum, der nicht nur am Samstag mit auf Unterschriftenfang war. Das Schlagargument sei Schloss Borbeck, dessen Kulturzentrum ebenfalls von den Kürzungen im Zuge der Haushaltskonsolidierung betroffen ist. „Da sagen dann die Meisten: Ich mach mit!“

Trautvetter selbst habe rund 500 Unterschriften auf all seinen Streifzügen zusammengetragen, rund 4.500 zählt die Initiative „kulturgut­Essen“ bisher insgesamt, seitdem sie am 6. Dezember loslegte. Doch die reichen noch lange nicht: Drei Prozent aller Wahlberechtigten in Essen müssen zustimmen. 13.500 Unterschriften sind demnach die Hürde, die für einen möglichen Bürgerentscheid zu überwinden sind. Je mehr desto besser. Bis zum 25. April bleibt dafür Zeit, nachdem die Abgabefrist der Listen verlängert werden musste.

Mehr Unterstützung gewünscht

„Wir müssen jetzt noch einen ordentlichen Zahn zulegen“, sagt Anabel Jujol, während sie sich durch die Schlange wartender Kinobesucher an der Lichtburg arbeitet. „Oh, das unterstützen wir gerne“, oder: „Das ist der letzte Bereich, an dem gespart werden darf“ lauten die Reaktionen auf Jujols ausführliche Erklärungen.

Bis zum Ende der kulturellen Kneipen-Tour kurz vor Mitternacht werden sie über 200 Unterschriften mehr haben als vorher. Mit Blick auf die Straßennamendebatte würde sich Anabel Jujol mehr Unterstützung wünschen. Damit es eines Sonntages auch in Sachen Kultur heißt: Bitte ankreuzen.

 

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