Jazz-Professorin Ilse Storb nennt "Supertalent"-Anfrage eine "Unverschämtheit"

liebt schrille Outfits und strikte Prinzipien.
liebt schrille Outfits und strikte Prinzipien.
Foto: WAZ FotoPool
Als „eine einzige Unverschämtheit“ bezeichnet Deutschlands einzige Jazz-Professorin Ilse Storb die schriftliche Anfrage der „Supertalent“-Produktionsfirma Grundy Light Entertainment. Statt an der Casting-Show teilzunehmen, gibt die 83-Jährige liebe Vorlesungen im Katakomben-Theater in Essen: „Dieter Bohlen verdient mit Menschenverachtung Geld“, echauffiert sie sich.

Essen.. Wieder ans Lehrpult tritt Ilse Storb: So hat sie zwei Vorlesungsreihen an der Kulturakademie Ruhr in Katakomben-Theater gestartet, deren Schirmherrin sie jetzt ist. „Ich freue mich, dass ich zum ersten Mal eine Schirmherrschaft übernehmen darf“, sagt die 82-Jährige, die längst nicht jedes Angebot annimmt: So schlug sie die Einladung aus, sich bei der TV-Show „Supertalent“ dem Urteil der Jury um Dieter Bohlen zu stellen.

Als „eine einzige Unverschämtheit“ bezeichnet sie die schriftliche Anfrage der „Supertalent“-Produktionsfirma Grundy Light Entertainment, in der sie als „tolle Jazzmusikerin“ bezeichnet wird. wird. „Ich bin keine Jazzmusikerin, sondern Jazz-Professorin“, stellt sie fest. Denn immerhin hat sie an der heutigen Universität Duisburg Essen einst das international anerkannte Jazzlabor gegründet, das als Vorläufer für Jazz-Ausbildungsgänge an Musikhochschulen gilt. „Mir nach all meinen Verdiensten den Talent-Stempel aufzudrücken, ist ein starkes Stück“, findet Storb, die die Aufmerksamkeit der Casting-Show mit Jahrmarktflair wohl ihrer Vorliebe für schrille Kostüme und extrovertierte Auftritte verdankt.

Ein rotes Tuch wäre das Format für Ilse Storb wohl auch, wenn die Produzenten die Botschafterin für Weltmusik vernünftig eingeordnet hätten: „Dieter Bohlen verdient mit Menschenverachtung Geld“, echauffiert sie sich, „das ist Verblödungs-TV pur!“ Das Fernsehen sollte sich eher dem „Infotainment“ verschreiben, fordert Storb, „das ist das, was ich mache – Information Unterhaltung vermischen.“

So sollen auch ihre Vorlesungsreihen im Katakomben-Theater weit mehr sein als trockene Wissensvermittlung. „Musik soll Spaß machen“, ist die Bundesverdienstkreuzträgerin überzeugt. Daher sollen die Besucher während ihrer Vorlesungsreihen „Was ist Jazz?“ und „Dave Brubeck: Improvisationen und Kompositionen“ auch selbst zu den Instrumenten greifen. Vorkenntnisse seien nicht nötig.

Falscher Respekt

Dabei rechnet sie durchaus mit einiger Zögerlichkeit im Publikum. „Da sind die Deutschen ängstlich“, hat sie festgestellt. Dieser „falsche Respekt“ sei eben typisch deutsch, meint sie, genau so wie die Unterscheidung zwischen Unterhaltungs- und ernsthafter Musik. „Versuchen Sie mal, einem Amerikaner den Unterschied zu erklären“, sagt sie, „der wird das nicht kapieren.“ Wichtig sei es mit Musik den Dialog von Kulturen zu fördern - wie sie es in ihrem Labor für Weltmusikin der Folkwang Musikschule tue.

Und auch wenn sie Dieter Bohlen die kalte Schulter zeigt, verbreitet sie Ihre Botschaft auch via TV: So ist sie am kommenden Samstagabend im SWR bei Frank Elstners „Menschen der Woche“ zu sehen – und wird dort wieder für ihre Sache trommeln.

 
 

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