Essen

Erstes Interview nach Säure-Angriff: Innogy-Finanzvorstand Bernhard Günther hat sein Leben neu überdacht

Bernhard Günther (51), Finanzvorstand der RWE-Tocher Innogy, vor dem Säureanschlag. (Archivbild)
Bernhard Günther (51), Finanzvorstand der RWE-Tocher Innogy, vor dem Säureanschlag. (Archivbild)
Foto: Felix Heyder / FUNKE Foto Services
  • Innogy-Manager Bernhard Günther kam vom Joggen, als unbekannte Täter ihm Säure über das Gesicht schütteten
  • In einem Interview hat er sich jetzt ausführlich zu dem Anschlag und den Folgen geäußert

Essen. Die Nachricht hat im März nicht nur die Belegschaft von RWE und Tochterfirma Innogy schockiert: Bernhard Günther (51), Finanzvorstand des Essener Ökostrom-Unternehmens Innogy, wurde am 4. März nach dem Joggen mit Freunden kurz vor seinem Wohnhaus in Haan bei Düsseldorf von zwei Männern überfallen.

Sie überschütteten Günther mit Säure und verletzten ihn damit schwer. Monatelange Behandlungen folgten, Günther ist gezeichnet von der Wirkung der Säure in seinem Gesicht. Das Motiv der Täter ist noch immer unklar.

Säure-Attacke auf Innogy-Finanzvorstand Bernhard-Günther: Interview mit dem Handelsblatt

Jetzt hat der Innogy-Topmanager erstmals seit der Attacke auf ihn ein Interview gegeben. Mit dem Handelsblatt sprach er in Essen über den Anschlag und welche Folgen er für ihn hat.

Den Überfall selbst hat er noch gut in Erinnerung, denn er sei die ganze Zeit bei Bewusstsein gewesen. Nachdem er sich von seinen Laufpartnern getrennt habe, hätten ihn zwei jüngere Männer aufgelauert. „Einer hat mich zu Boden geworfen und festgehalten. Der andere hat ein Gefäß geöffnet und über mir entleert.“ Der Angriff habe nur wenige Sekunden gedauert, die Täter hätten nichts gesagt.

Günther sei dann nach Hause gelaufen, habe möglichst viel von der Flüssigkeit abgewaschen und selbst den Notruf gewählt.

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Aus medizinischer Sicht scheine er „alles in allem noch Glück in Unglück gehabt zu haben“, sagte Günther. Sein Sehvermögen sei intakt. Körperlich sei er noch nicht wieder zu hundert Prozent belastbar, die Genesung komme aber voran.

Günther setzt seit Anschlag andere Prioritäten

Der Anschlag hat dem Topmanager aufgezeigt, was zähle in seinem Leben: „Als ich im Rettungshubschrauber zur Klinik geflogen wurde, ging mir alles Mögliche durch den Kopf, nur nicht, dass ich besser mehr gearbeitet hätte. In so einer Situation merkt man schon, was wirklich wichtig ist.“

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Er habe seine Work-Life-Balance überdacht und kehre jetzt langsam, Schritt für Schritt, in private Kreise und die Öffentlichkeit zurück. Je bekannter ihm die Menschen seien, umso leichter falle ihm das. „Ich bekomme schon mit, dass viele Leute im ersten Moment etwas erschrecken. Aber dem muss ich mich stellen.“

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Es sei jedoch „besonders schwierig, mit so einer Tat umzugehen, solange sie nicht aufgeklärt ist“. Daher brauche die seelische Verarbeitung auch länger als die körperliche.

Keine konkrete Spur zu Tätern – Motiv unbekannt

Hinzu komme die Ungewissheit: Galt der Anschlag ihm als Privatperson? Als Finanzchef des Energiekonzerns Innogy? Schwebt Günther noch immer in Gefahr? Vor Jahren ist er schon einmal beim Joggen zusammengeschlagen worden (hier mehr dazu).

Die Ermittler hätten „wohl noch keine konkrete Spur zu den Tätern“, sagte Günther. „Solange man nichts Konkretes weiß, kann man auch nichts ausschließen“, sagte der 51-Jährige. Er habe zwar eine Theorie, „die will ich aber für mich behalten“.

Eine Woche nach Anschlag: Übernahmepläne von RWE und Eon werden bekannt

Eine Woche nach dem Überfall auf Günther wurden Pläne der Energiekonzerne Eon und RWE bekannt, die RWE-Tochter Innogy zu zerschlagen und unter sich aufzuteilen. Die Übernahmeofferte von Eon habe seien Rückkehr ins Arbeitsleben beschleunigt, sagte Günther.

Er sehe „persönlich durchaus eine unternehmerische Logik“, die Netze von Eon und Innogy zusammenzulegen und die erneuerbaren Energien beider Konzerne bei RWE zu bündeln: „Die neuen Unternehmen hätten schon eine größere Wucht.“

Mögliches Ende von Innogy sei „Tragödie“ für Mitarbeiter

Für die Mitarbeiter ähnele das mögliche Ende von Innogy „einer Tragödie“, weil das von ihnen seit 2016 aufgebaute Unternehmen schon wieder zerschlagen werden solle. Seine Rolle als Innogy- Finanzvorstand wäre in diesem Fall in absehbarer Zukunft beendet. „Was dann kommt, wird man sehen“, sagte Günther. (lin/dpa)

 
 

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