In Steele lebt das Mittelalter wieder auf

Michael Heiße

Steele.  Der Schmied bearbeitet das glühende Eisenstück auf dem Amboss. Nebenan dreht eine Korbflechterin die Weidenzweige zu einem tragenden Behältnis. Wieder ein paar Schritte weiter passt der Gürtelmacher einen Hosenhalter auf den Leib eines Besuchers an. Ein Emaille-Künstler holt seine gebrannten Kunstwerke aus dem Ofen, und auf der Bühne erklingen historische Instrumente. Im bunten Herbst steigt in der Steeler City zum nunmehr siebten Mal der historische Handwerkermarkt. Von Donnerstag, 3., bis Sonntag, 6. Oktober, können sich die Besucher auf dem Kaiser-Otto-Platz umschauen und angefertigte Stücke kaufen.

Die Mitglieder des „Initiativkreises City Steele“ haben mit der Firma Gaudium diesen Markt mit breitem Angebot unter die Standplanen gebracht. So zeigen Männer und Frauen ihre Handwerkskünste nach historischen Vorbildern. Wahrscheinlich sah die Dorfszene vor hunderten Jahren im Zentrum von Steele wirklich so oder so ähnlich aus.

Kamin für „dumme Sprüche“

Lohnenswert ist der Besuch in der alten Dorfschmiede von Heinz Billen. Der Meister lehrt dort dem ambitionierten Gast die Kunst des Schmiedens. Der Besucher erhält Lederschürze und Werkzeug und darf unter fachkundiger Anleitung vor glühender Esse sein eigenes Schmiedestück anfertigen. Als Belohnung wird ihm ein kleines „Schmiedediplom“ ausgehändigt.

Mangelt es an Tatendrang, während der Bedarf an einer Streitaxt groß ist, so kann der Interessent diese oder Schwerter, filigrane Rosen und Hausnummern aus Hufeisen ohne Anschlag und gegen bare Münze kaufen. Aber Vorsicht! Wagt es einer, einen besserwisserischen Spruch in die Runde zu werfen, landen diese oder er sogleich in Form eines Striches auf dem Kamin für „dumme Sprüche“.

Wer eher einen besonderen Einkaufskorb bevorzugt, der schaut bei Korbflechterin Gabi Dingels vorbei. Mit Liebe, Geduld und stets einem fröhlichen Lächeln flicht die Meisterin ihres Faches für jeden den richtigen Korb in verschieden gewünschten Größen.

Marktbesucher mit einer Schwäche für Fotos in Sepia-Farbe finden im Fotostudio 1900 von Hans Poos ihre Erinnerung. Jeder Experimentierfreudige wird in ein historisches Kostüm geworfen und professionell abgelichtet. Einzelpersonen oder Familien erhalten nach zehn Minuten ein außergewöhnliches Bild für die Wohnzimmerwand.

Ein Emaille-Künstler, der alle seine Stücke aufwendig formt und im Ofen brennt, stellt seine kunstvollen Schalen und Schmuckstücke vor. Er war 2005 bei der internationalen Emaille-Kunstausstellung in Barcelona dabei und hat dort sogar den 1. Preis gewonnen.

An der nächsten Ecke treffen die Besucher auf eine Töpferin, bei der Kinder den Ton kneten und formen dürfen. Beim Gürtelmacher sucht man sich Leder und Schnalle aus. Dieser erledigt die Maßarbeit, während man getrost auf dem Markt noch etwas Essen oder Trinken kann. Ein hölzernes Nostalgie-Karussell dreht mit den ganz kleinen Marktbesuchern seine Runden.

Im Mittelalterlager nebenan finden Gäste ein reges Treiben vor. Pia Hufschlag, die Bronzeschmiedin, schwingt den Veredlungshammer. Markthändler, Schreihälse, Bogenbauer und Geschichtenerzähler versprechen Interessantes.

Mehrere alte deutsche Küchen bieten Vegetariern oder Fleischfreunden reichlich Futter der unterschiedlichsten Zubereitungsarten. Beim „Fladi“ gibt es Salattaschen oder Fetakäse im Fladenbrot. Auch für den durstigen Besucher ist vorgesorgt: Eine Taverne bietet verschiedene Weinsorten und belgisches Mönchsbier. Na dann, Prosit.