In der Cranachschule lernen Kinder Spanisch ab Klasse eins

Sara Blanke
Auf Spanisch erleben Erstklässler der spanischen Klasse der Cranachschule eine Führung im Museum Folkwang mit Kulturführerin Mabel Sabadin.
Auf Spanisch erleben Erstklässler der spanischen Klasse der Cranachschule eine Führung im Museum Folkwang mit Kulturführerin Mabel Sabadin.
Foto: FUNKE Foto Services
Kinder der Cranach-Grundschule bekommen eine Fremdsprachen-Führung im Museum Folkwang. Die Schule will als bilingual anerkannt werden.

Essen-Holsterhausen/Südviertel. Sie haben Unterschriften gesammelt und im Gespräch mit Oberbürgermeister Thomas Kufen für das besondere Profil ihrer Grundschule geworben: Viele Eltern haben die Cranachschule in Holsterhausen gewählt, weil ihre Kinder hier schon in der ersten Klasse Spanisch lernen können. Und zwar von Muttersprachlern, die Unterrichtsstunden komplett auf Spanisch abhalten. Ob tatsächlich ein ganzer Zug der Schule auf Dauer bilingual wird, ist noch nicht entschieden. Wie selbstverständlich aber die Bilingualität in den Schulalltag einfließt, zeigte dieser Tage ein Ausflug ins Museum Folkwang.

25 Jungen und Mädchen tummeln sich vor den Türen des Museums, Schüler der 1a. Sie erwartet eine Führung zum Thema Wasser – auf Spanisch. Seit ihrer Einschulung lernen die Kinder nicht nur Englisch, sondern haben jede Woche auch vier Stunden Spanisch.

Schnelle Lernerfolge

„Die Kinder sind aufgeregt und freuen sich. Einige sind heute überhaupt zum ersten Mal im Museum“, sagt Klassenlehrerin Christa Kehm. Ganz nebenbei entkräftet sie damit das Vorurteil, dass nur Bildungsbürger das zweisprachige Angebot wählen. Zuerst also erklärt Kulturführerin Mabel Sabadin den Kindern auf Spanisch, wie sie sich in den Räumen voller Kunst verhalten sollen. Die Argentinierin gibt auch öffentliche Führungen im Museum Folkwang, etwa in der neuen Reihe „Kunst als Fremdsprache“. Da werden jeden dritten Donnerstag im Monat die Schwerpunkte der Sammlung in einer anderen Sprache vorgestellt.

Spielerisch gestaltet Mabel Sabadin die rund einstündige Führung für die Kinder. Sie erzählt ihnen, wie die Farbe des Wassers entsteht, zeigt Gegenstände, erklärt Begriffe. Auch werden Kärtchen verteilt, auf denen Seen, Flüsse oder das Meer zu sehen sind, die auf den großen Bildern des Museums wiedergefunden werden sollen. „Wasser ist gerade Thema im Sachunterricht. Frau Sabadin kommt auch noch in die Schule, um mit den Kindern Aquarelle zu malen und zu basteln“, erklärt Christa Kehm. Während der Führung spricht die Argentinierin konsequent Spanisch mit den Kindern, die die gestellten Aufgaben gut umsetzen und kleine Übersetzungen vom Spanischen ins Deutsche meistern.

„Kinder lernen schnell. Ich spreche im Unterricht immer Spanisch mit ihnen“, erzählt Spanischlehrerin Cristel Kroneberg. Einige Schüler haben einen spanischsprachigen Elternteil – andere bringen ihre Vorkenntnisse aus der benachbarten Kita an der Barthel-Bruyn-Straße mit, die seit einigen Jahren bilingual ist. Das Angebot dort erfreut sich wachsender Beliebtheit und die Anschlussmöglichkeit an der Cranachschule gilt als zusätzlicher Pluspunkt. Auch in der Kita hofft man darum, dass die Schule als bilinguales Angebot anerkannt und eine weitere muttersprachliche Lehrkraft eingestellt wird.

Im Moment haben dort eine der drei ersten Klassen und eine der vier zweiten Klassen Spanisch. „Da lernen auch Kinder, die keine vorherigen Sprachkenntnisse haben, ohne Schwierigkeiten“, betont Cristel Kroneberg, die selbst aus Chile stammt. „Mit Aktionen wie der spanischen Führung versuchen wir, das Projekt voranzubringen“, ergänzt die Klassenlehrerin. Schülerin Lea ist erschöpft, sagt aber: „Der Ausflug hat Spaß gemacht – ich konnte auch vieles verstehen.“