Immer mehr Busse sind pünktlich

Der Spurbus in Essen gilt überwiegend als pünktlich, weil er auf eigener Trasse fährt. Doch jetzt holen auch die anderen Buslinien auf.
Der Spurbus in Essen gilt überwiegend als pünktlich, weil er auf eigener Trasse fährt. Doch jetzt holen auch die anderen Buslinien auf.
Foto: WAZ FotoPool
Vor einem Jahr wurden die Fahrpläne für die Essener Buslinien stärker den tatsächlichen Verkehrsverhältnissen im Stadtgebiet angepasst. Mit Erfolg.

Essen. Das Ergebnis hat selbst einige Fahrplan-Tüftler in der Essener Verkehrszentrale der Evag überrascht. Im ersten Quartal dieses Jahres waren im Schnitt 84 Prozent der Linienbusse der Evag pünktlich. „Das ist gegenüber 2014 eine Steigerung von sechs Prozent“, freut sich Pierre Hilbig, Abteilungsleiter für die Fahrplanung. Einen derartigen Sprung nach vorne in Sachen Pünktlichkeit hat es schon seit langem nicht mehr gegeben. Und das nur, weil einige Mitarbeiter neu gerechnet und eine Flut von Daten durch ihre Computer gejagt hatten.

Die Verspätungen im Nahverkehr sind der häufigste Grund für Kundenbeschwerden bei der Essener Verkehrsgesellschaft. Gerade in der Rushhour können Trams und Busse nicht den Fahrplan einhalten, weil Straßen verstopft sind, weil deutlich mehr Kunden ein- und aussteigen – und der Fahrer mitunter erst nach eineinhalb Minuten weiterfahren kann.

Busse und Straßenbahnen genau im Blick

Für den Fahrplanwechsel im vergangenen Sommer entschied deshalb das Verkehrsunternehmen, die tatsächlichen Fahrzeiten aller Bus- und Straßenbahnlinien mit den Fahrplänen abzugleichen und anzupassen. So wurde stärker berücksichtigt, dass ein Busfahrer in den Stoßzeiten mit deutlich mehr Verkehrsbehinderungen rechnen muss als am Abend. Erstmals hatte die Evag auch Zugang zum zentralen Verkehrsrechner der Stadt und konnte zurückverfolgen, wieviel Zeit vor den roten Ampeln verloren geht, um die dadurch entstandenen Verspätungen entweder im Fahrplan mit einzuspeisen oder dafür zu sorgen, dass es hier und da doch eine grüne Welle gibt.

Die vor kurzem abgeschlossene Gesamtauswertung ergab, dass die vor einem Jahr geänderten Fahrpläne für die Buslinien deutlich zuverlässiger geworden sind. „Aber wir können noch besser werden. Wir dürfen nicht stehen bleiben“, sagt Pierre Hilbig. Für die nächste Umstellung am kommenden Sonntag gibt es wieder einige Anpassungen auf insgesamt 18 Buslinien – wenn auch nicht in dem Ausmaß wie im Jahr zuvor. Zudem steht noch eine größere Untersuchung des U-Bahn- und Stadtbahnverkehrs aus.

„Und wir werden in den nächsten Jahren dauerhaft auch weiterhin die Busse und Straßenbahnen genau im Blick haben“, kündigt Evag-Sprecher Olaf Frei an. Er betont, dass mit der Anpassung des Fahrplanes an die Ist-Fahrzeiten mehr Pünktlichkeit erreicht wird, ohne dafür größere Finanzmittel einsetzen zu müssen. Frei: „Wir müssen kostenneutral sein. Für mehr Fahrzeuge und mehr Fahrer haben wir kein Geld.“

Pünktlich heißt keine drei Minuten zu spät

Die Evag hat sich zum Ziel gesetzt, dass Straßenbahnen und Busse im Schnitt mindestens zu 80 Prozent den Fahrplan einhalten, die Stadt- und U-Bahnen mindestens zu 83 Prozent. Im ersten Quartal 2016 lagen die Stadtbahnen mit 80 Prozent und die Straßenbahnen sogar nur mit 77 Prozent noch einige Prozentpunkte zurück.

Pünktlich heißt übrigens nach Lesart des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr, dass ein Linienfahrzeug keine drei Minuten zu spät ankommt und keine Minute zu früh abfährt. Deshalb sind jetzt auch sonntags die Busse von sieben Linien zwischen 12 und 18 Uhr etwas langsamer. Damit sie nicht zu früh von der Haltestelle abfahren.

 
 

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