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Immer mehr aggressive Weihnachtsmarkt-Bettler: So reagieren die Essener Standbetreiber

„Betteln verboten“ - Schilder hängen an vielen Glühweinständen in der Essener City.
„Betteln verboten“ - Schilder hängen an vielen Glühweinständen in der Essener City.
Foto: Der Westen

Essen. Die Weihnachtszeit ist nicht nur eine Zeit für Geschenke, viel leckeres Essen und Glühwein, sondern auch eine Zeit des Gebens und der Güte. Sollte man zumindest denken. Denn deine Güte kann manchmal ganz schön auf die Probe gestellt werden. Vor allem wenn dich innerhalb einer Stunde acht Menschen um Geld, Zigaretten oder andere Dinge anbetteln.

Gerade auf dem Weihnachtsmarkt nutzen Bettler die Möglichkeit, dass du an einem Stand stehst, nicht weggehst und vielleicht sogar einen Schwips vom Glühwein hast.

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Dadurch bist du leichter ansprechbar und einfach gütiger. Die Masse der Bettler nervt die Standbetreiber aber sehr. Sie würden Kunden verschrecken, heißt es. Manche Bettler würden aggressiv werden oder einfach penetrant sein.

Deswegen hängen an vielen Ständen Schilder mit der Aufschrift „Betteln verboten“. In mehreren Sprachen sogar. Das hält aber niemanden ab.

Beim Vogel's Glühwein sind die Mitarbeiter genervt von den Bettlern. Es würden auch immer mehr werden, haben sie zumindest den Eindruck.

Viele seien ja wirklich auf eine Spende angewiesen

„Und das Problem dabei ist vor allem, dass es ja wirklich viele gibt, die auf eine kleine Spende angewiesen sind. Aber die Kunden sind von allen anderen dann schon so genervt, dass sie niemanden mehr etwas geben“, sagt eine junge Mitarbeiterin.

Es gibt sie, die Höflichen, die mit ihrer Zeitung unter dem Arm vor dir stehen und dich fragen, ob du für kleines Geld ein solches Blatt kaufen möchtest. Sie wünschen dir sogar noch einen schönen Abend, selbst wenn du nichts kaufst.

„Die sind ja auch in Ordnung. Prinzipiell stören mich alle nicht, die friedlich sind und höflich bleiben. Aber die Penetranten oder die, wo man schon merkt, dass das organisiert ist, die nerven richtig“, erzählt Inge (61). Sie ist mit ihren „Mädels“ unterwegs, die Gruppe machte einen Zwischenstopp bei Vogel's. Organisiert sind für sie vor allem Banden, die sich auf dem Weihnachtsmarkt sammeln und in Kleingruppen auf die Menschen einwirken.

Die EMG kennt das Problem schon länger

Bei der Essener Marketing Gesellschaft (EMG) ist das Problem schon länger bekannt. Hier heißt es: „In den letzten drei bis vier Jahren haben wir festgestellt, dass es deutlich mehr Bettler als die Jahre davor gewesen sind. Mittlerweile dürfen wir aber gegen aggressives Betteln vorgehen.“

Aggressives Betteln heißt zum Beispiel jemanden anfassen, verfolgen oder penetrant nach Geld fragen, selbst wenn derjenige schon längst Nein gesagt oder Geld gegeben hat. Dann darf die EMG mit Polizei oder Ordnungsamt einschreiten.

Standbetreiber dürfen nicht des Platzes verweisen

Standbetreiber dürfen Bettler hingegen nicht des Platzes verweisen. „Aber meistens regelt sich das schon von alleine, wenn die Betreiber die Bettler auffordern zu gehen“, sagt Ina Will vom EMG.

Dass nicht alle so sind, wissen viele Kunden und Standbetreiber auch. „Mich hat die Tage jemand nach einem Kakao oder Kaffee gefragt. Das habe ich dann auch gern gemacht. Der war sehr höflich und sah sehr durchgefroren aus“, erzählt Inge, bevor sie mit ihrer Frauentruppe weiterzieht.

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