Im Laufschritt über Zollverein

Foto: WAZ FotoPool

Melanie Hundacker radelt, rennt, läuft, klettert. Mal über Zollverein, dann wieder am Baldeneysee und durch den Kruppwald. Im Schlepp bis zu 20 Leute, die mehr erfahren wollen über das Revier und immer noch staunen: „Mann, ist das grün hier.“ Wenn sie und die Mitarbeiter ihrer Aktiv-Reiseagentur „simply out“ es schaffen, den Leuten zu zeigen, das Ruhrgebiet hat wohl eine Identität, die gewachsen ist aus Zechenkultur und Schwerindustrie, es hat aber auch den Wandel geschafft zum Technologiestandort mit hohem Freizeitwert, dann hat Melanie Hundacker ihr Ziel erreicht.

Dabei ist Hundackers Firmensitz selbst schon so ein Ort, der das Etikett Wandel verdient. Ein aufgegebenes Schraubenwerk in Steele Horst, das nun gut ein Dutzend Firmen beherbergt. Neues Leben auf traditionsreichem Grund. Touristen, die mit der Gäste-Führerin in die Laufschuhe steigen, um beim „Sight-Jogging“, die Stadt zu erkunden, wollen so was wissen. „Wer eher einen Wochenend-Trip mit Shopping-Erlebnis sucht, der kommt nicht zu uns.“

Das Interesse an Bildungsreisen mit sportlichen Elementen steige. „Wir hatten in den letzten beiden Jahren zwar nicht so hohe Buchungszahlen wie im Kulturhauptstadtjahr.“ Doch klammere man dieses Ausnahmeereignis aus, sei ein kontinuierlicher Anstieg zu verzeichnen. Längst kann die gelernte Marketing-Fachfrau den Andrang nicht mehr allein bewältigen, beschäftigt freiberufliche „Guides“, die Reisenden das Revier zeigen.

„An manchen Tagen sind hier so viele Touristen, dass wir Probleme haben, Busse oder Leihfahrräder für unsere Gruppen zu mieten.“ Das Ruhrgebiet liegt im Trend. Dabei sind es nicht nur Menschen auf der Durchreise, die Essen und das Revier erkunden wollen.

Firmen, die ihren Mitarbeitern bei Stadtrallyes Teamerlebnisse bescheren wollen, buchen „simply out“ ebenso wie Gruppen, die sich bei Wanderungen Ruinen und Mauerreste in Wäldern erklären lassen wollen. Das Team punktet mit seinem Bildungsanspruch, mit einem Rundum-Sorglos-Paket. Was zur Folge hat, dass das Durchschnittsalter der Gäste recht hoch sei. „Schulen können sich Profi-Guides oft nicht leisten.“ Mit dem Anspruch runtergehen will Hundacker aber auch nicht. Weswegen sie einen neuen Baustein entwickelte.

Stadtrallyes, die bis ins Detail ausgearbeitet sind, „aber dabei können die Leute sich mit unseren Unterlagen orientieren, ohne dass ein Führer die Gruppe begleitet.“ Das drückt die Kosten. Ebenso die „Ruhrolympiaden“, die häufig von Schulklassen und Firmen gebucht würden, Curry-Wurst-Weitwurf (mit Schaumstoff-Attrappen) inklusive. „Viele unserer Angebote sind so, wie ich sie mir ausgedacht habe. Aber ein Teil ist auch aus Kundenwünschen entstanden. Das ergänzt unser Angebot sehr gut.“

 
 

EURE FAVORITEN