Im Krayer Porky Grill gibt’s Pommes und Lebenshilfe

Vera Eckardt
Lutz und Anette Lehmann im Porky Grill: Der 70-Jährige arbeitet 15 Stunden täglich im Imbiss an der Krayer Straße, den er vor 38 Jahren eröffnete. Seine Frau Anette gibt Gästen zur Pommes auf Nachfrage gratis einen Ratschlag.
Lutz und Anette Lehmann im Porky Grill: Der 70-Jährige arbeitet 15 Stunden täglich im Imbiss an der Krayer Straße, den er vor 38 Jahren eröffnete. Seine Frau Anette gibt Gästen zur Pommes auf Nachfrage gratis einen Ratschlag.
Foto: FUNKE Foto Services
  • Kein Imbiss wurde von unseren Lesern häufiger empfohlen als der Porky Grill in Kray
  • Lutz Lehmann (79) eröffnete die Pommesbude vor 38 Jahren, hat noch heute 15-Stunden-Tage
  • Die Stärke seiner Frau Anette (59) ist die Kommunikation mit den Gästen

Essen. Auf den ersten Blick wirkt der Porky Grill wie eine ganz normale Pommesbude: Vorne die gläserne Theke mit den frisch geschnittenen Salaten, dahinter die Fritteusen in Reih und Glied, im Gastraum stehen schlichte dunkelbraune Tische und Stühle und über allem liegt der Geruch von Frittenfett. Doch dann stehen die Besitzer Lutz und Anette Lehmann im Raum, und schon beim Händedruck und den ersten paar Sätzen spürt man die besondere Atmosphäre, die so viele Kunden seit Jahren in den Grill an der Krayer Straße 249 zieht – und die sicher auch zu den 103 Leser-Empfehlungen bei unserer Umfrage beigetragen hat. (Zum Bericht mit Ranking und Google-Maps-Karte.) Im Porky Grill geht es herzlich und persönlich zu, ist der Kunde ein Gast, ein Mensch, dem man in die Augen schaut. „Wir sind eine große Familie“, sagt Anette Lehmann. „Unsere Gäste fühlen sich bei uns Zuhause. Ein schöneres Kompliment gibt es nicht.“

Als Lutz Lehmann vor 38 Jahren den Porky Grill eröffnete, hatte er eine Vision und eine Mission: Gutes einfaches Essen, frisch zubereitet, zu fairen Preisen – so hat er sich die „Zutaten“ für seinen Imbiss vorgestellt. Und so wird er von den zahllosen Stammkunden, die nicht nur aus Kray oder Essen auf eine scharfe Currywurst oder eine Portion Grünkohl mit Mettwurst zur Krayer Straße kommen, wahrgenommen. Für die gute Küche legt sich der inzwischen 70-Jährige Tag für Tag ins Zeug: „Bei mir gibt es nichts aus der Konserve. Ich kaufe alles frisch ein und mache alles selber, die Mayonnaisen, die Soßen, ich zerlege das Fleisch – so können wir unsere sozialen Preise halten. Das ist unser Herzensanliegen.“

Gäste räumen auch mal selbst ab

Bis vor drei Jahren gab es neben der umfangreichen Speisekarte – von Pommes „Mischmasch“ über Hamburger, Hühnerfrikassee bis zum Rumpsteak – immer noch ein Tagesgericht, doch das schafft Lutz Lehmann heute nicht mehr. Er ist gesundheitlich angeschlagen. Das wissen auch seine Gäste: „Mach’ ruhig langsam, Lutz“, rufen sie ihm zu, wenn es eng und voll wird im Porky Grill und räumen ihre Teller auch mal selber ab. Trotz Krankheit dauert sein Arbeitstag immer noch 15 Stunden, „doch ich bin nach wie vor mit Leidenschaft dabei. Hier konnte und kann ich mich selbst verwirklichen.“

Die Beliebtheit des Porky Grills hat natürlich auch mit seiner Frau Anette zu tun. Die studierte Sozialarbeiterin, die zuletzt in der Bewährungshilfe arbeitete, stieg erst später ins Geschäft ein, um ihren Mann zu unterstützen. „Meine sozialen Ambitionen kann ich genauso gut hier ausleben“, sagt die 59-Jährige. Die Kommunikation mit den Gästen ist ihre Stärke. Wer will, bekommt auf die Pommes nicht nur Mayo oder Ketchup, sondern auch noch gratis einen handfesten Ratschlag. Ein Stück Lebenshilfe in der Imbissstube, auch dafür steht der Porky Grill.

Doch es gibt noch eine ganz andere Seite des Ehepaares Lehmann: Abseits von Pommes und Co haben die beiden in den vergangenen Jahrzehnten die ganze Welt bereist. Nicht als Pauschaltouristen, sondern immer auf eigene Faust. „In der Regel haben wir zehn Monate gearbeitet und waren dann zwei Monate mit dem Rucksack unterwegs.“

Bei den Kopfjägern in Borneo

Die Wüste von Gobi haben sie mit dem Kamel durchquert, das Kap Horn umsegelt und in Borneo bei den Kopfjägern gewohnt. „Wo wir auch waren, in Indien, Afrika oder Asien, uns ist nie etwas passiert. Das liegt vielleicht daran, dass wir versucht haben, den Menschen immer auf Augenhöhe zu begegnen.“