Im Essener Theater Freudenhaus wird Butterkuchen serviert

Gemütliche Tafel: Der Schein trügt, denn das neue Stück im Theater Freudenhaus („Butterkuchen – Man steckt nicht drin”) verspricht jede Menge Trubel und Wortwitz.
Gemütliche Tafel: Der Schein trügt, denn das neue Stück im Theater Freudenhaus („Butterkuchen – Man steckt nicht drin”) verspricht jede Menge Trubel und Wortwitz.
Foto: Ingrid Hüther
Sprachwitz in wunderbar trockenen Szenarien: Das neue Stück von Kai Magnus Sting zeigt absurde Erlebnisse eines jungen Paares im Theater Freudenhaus.

Essen.. Im Alltag liegt wahre Komik verborgen. Die großen Humoristen wussten das schon immer: Loriots Spitzen etwa entstanden vor allem, indem er Kleinbürgern aufs Maul schaute. Und ebenso funktioniert das neue Stück „Butterkuchen – Man steckt nicht drin” aus der Feder von Kai Magnus Sting, das am Freitag im Theater Freudenhaus eine umjubelte Premiere feierte.

In herrlich absurden Szenarien muss ein junges Paar erleben, was alles schief gehen kann, wenn man einfach nur einen ruhigen Nachmittag auf der Couch verbringen will.

„Immer ist was, weil sonst wär ja nix!”: So heißt eine Kurzgeschichtensammlung des Duisburger Kabarettisten Sting, in der er mit viel Sinn für Ironie und Wortwitz seinen „Alltag in 33 Katastrophen” beschreibt. Aus einigen dieser Katastrophen hat er zusammen mit Regisseur und Theaterleiter Rainer Besel ein Stück zusammengestrickt, das den Sprachwitz in wunderbar trockene Szenarien verpackt.

Eheprobleme wegen des Kleidungsstils

Zum Beispiel die Bäckerei Fritsche, in die der junge Held von seiner „ständigen Begleiterin”, wie er seine Freundin nennt, geschickt wird, um das titelgebende Stück Butterkuchen zu besorgen. Nicht nur, weil er mit einem Sack Abfall das Café betritt – schließlich bat ihn seine ständige Begleiterin, den Müll mitzunehmen – mustern die übrigen Gäste und die Bedienung den jungen Herrn verwundert. Denn schließlich gibt es so viel andere schöne Kuchen hier, wie den Rharbarber-Stachelbeer-Strudel. Oder aber Gulaschsuppe. Die mag er aber nicht. Und den Strudel auch nicht.

Doch auch die übrigen Gäste geraten in den Fokus. Ein langjähriges Ehepaar etwa, bei dem sie sich über den Kleidungsstil ihres Gatten beschwert, obwohl sie die Klamotten für ihn herauslegt. „Guck dich mal von hinten an!” „Wie soll ich dat denn machen?”

Zwischen Kabarett und Kalauer

Der Butterkuchen bleibt verbindendes Element – auch wenn dieser fehlt, etwa bei der Geburtstagstafel von Omma, zu der keiner an das entsprechende Backwerk gedacht hat. Gut, dass Omma sich sowieso hingelegt hat. Darüber hinaus sind die Szenarien eher lose miteinander verknüpft. Der Autor selbst spinnt als Erzähler vom Band einen dieser Fäden. Dennoch bleibt die Inszenierung eher Sketchparade als klassisches Theaterstück mit dramaturgischem Bogen.

Und somit passt es durchaus, dass das Darstellerquintett gleich mehrere Rollen übernimmt – sogar manchmal in einer Szene. Und so leisten Stefanie Otten, Christoph Kühne, Angelika Werner, Gina Brand und Wolfgang A. Wirringa in schnellen Kostüm- und Charakterwechseln Beachtliches. Mit hohem Tempo und gutem Gespür für Gestik und Mimik würzt ihr Spiel die komische Bandbreite der Vorlage, die zwischen Kabarett und Kalauer pendelt.

Und wenn der vermeintlich ruhige Nachmittag in einer so herrlich absurden Szenerie gipfelt, dass kaum ein Auge trocken bleibt, dann hätte wohl auch Großmeister Loriot seinen Hut gezogen. Kein Zweifel: Mit „Butterkuchen” hat sich das Theater Freudenhaus einen potenziellen Hit gebacken.

 
 

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