Im Essener Hauptbad wird Abschied gefeiert

Ein letztes Mal tummeln sich Kinder im Lehrschwimmbecken des Hauptbads an der Steeler Straße 38 in Essen. Im Sportbecken ziehen Schwimmer ihre Bahnen. Das links im Bild zu erahnende Mehrzweckbecken ist mit Volleyballnetzen bestückt.
Ein letztes Mal tummeln sich Kinder im Lehrschwimmbecken des Hauptbads an der Steeler Straße 38 in Essen. Im Sportbecken ziehen Schwimmer ihre Bahnen. Das links im Bild zu erahnende Mehrzweckbecken ist mit Volleyballnetzen bestückt.
Foto: Dirk Bauer, Funke Foto Services
Bevor zum Jahresende der Stöpsel gezogen wird, feiert man im Essener Hauptbad noch Abschied: Viele bringen neben den Badesachen ihre Erinnerungen mit.

Essen.. Heiligabend hat Dominik Waap zwischen Katastrophe und Kirchgang verbracht: Die gesamte Wasseraufbereitung im Hauptbad war ausgefallen – und die Familie des Schwimmmeisters freute sich auf ein besinnliches Fest. „Kriegen Sie mal Weihnachten einen Reparaturdienst! Also hab’ ich hier mit meinem Chef gewerkelt, um die Anlage in Ordnung zu bringen“, erzählt der 34-Jährige. Dabei wird das Bad zum Jahresende ohnehin stillgelegt und durch den Neubau am Thurmfeld ersetzt. „Wir wollten unbedingt das Abschwimmen noch möglich machen.“ Mit Erfolg: Am Montag sind zig Neugierige gekommen, um sich vom Hauptbad zu verabschieden.

Während die einen den Sprung aus fünf Metern Höhe wagen – letztmalig in einem Essener Hallenbad – oder Wasservolleyball spielen, folgen die anderen Waap in die Katakomben des Bades, das 1954 in Auftrag gegeben und 1958 eröffnet wurde. Damals ein „Meilenstein der Bädertechnik“, so Waap. Bis heute halte man mit der alten Filteranlage, bei der das Wasser durch ein Kiesbett fließt, höchste Qualitätsstandards ein. Trotzdem sei das Hauptbad wohl das letzte bundesweit, das mit der naturnahen Filterung arbeite; die Umwälzleistung sei zu gering.

Eine Treppe ist weggerostet

Klar, modernen Ansprüchen an Effizienz genügt das alte Hauptbad nicht. Doch schon in den 50er Jahren baute man Unterwasserfenster ein, um das Sportbecken wettkampftauglich zu machen. Kameras sollten hier die Wenden der Schwimmsportler festhalten. Nun kann man nur noch durch eins der Fenster schauen: Die Treppe, die zum zweiten führt, ist weggerostet. Wer den Stufen der anderen Treppe vertraut, kann den Beinschlag der Schwimmer sehen oder wie die Springer ins Wasser eintauchen.

Pascal Kuhl wird diese Sprünge vermissen, der 18-Jährige ist in der DLRG aktiv und trainiert seit fast zehn Jahren im Hauptbad: „In welchem anderen Hallenbad kann man schon vom 7,5-Meter springen?“ Konnte muss man sagen: Weil die Decke bröckelt, hat man Netze darunter gespannt, die so tief über dem Sprungturm hängen, dass die oberste Plattform seit geraumer Zeit gesperrt ist. Ja, das Bad habe einige Macken, sagt Pascal Kuhl: „Aber es gibt viel, das ich mit ihm verbinde.“

Ähnlich geht es Klaus Czwienk, der sich an seine Zeit am Burggymnasium erinnert: „Da sind wir für 45 Minuten hergehetzt: ausziehen, duschen, ins Bad. Abpfiff, duschen, anziehen.“ Mit 16, 17 sei er zuletzt im Hauptbad gewesen, sagt der 57-Jährige, nun wird er noch mal ein paar Bahnen ziehen: „Ich bin wegen des Nostalgie-Gefühls gekommen.“

Personal wechselt ans Thurmfeld

Das ist dem zehnjährigen Felix naturgemäß fremd, er freut sich darauf, seinen Schwimmkurs im neuen Bad am Thurmfeld fortzusetzen. Die Führung durchs Hauptbad begleitet er mit kundigen Fragen, will wissen, ob Dominik Waap und seine Kollegen nun etwa arbeitslos werden. Aber nein, das Personal wechselt ans Thurmfeld. „Es war höchste Zeit, dass dieses Bad geschlossen wird – oder man sehr viel Geld ‘reinsteckt“, sagt Waap. Zu oft habe man mit den Alterserscheinungen der Anlage gekämpft.

Nicht allzu lange ist es etwa her, dass die Kegelbahn, die sich im Keller befindet, überschwemmt wurde. Bald müssen die Kegler und die Gewichtheber in neue Domizile umziehen. Der Essener Sportbund (Espo) hat bekanntlich schon einen neuen Sitz an der Planckstraße; in wenigen Monaten ist Umzug. Nur die Kita sucht noch einen ErsatzStandort, bleibt also bis auf weiteres.

Wer aber von den Heizern hören will, die hier bis in die 80er Jahre Kohlen schippten, um das Wasser zu wärmen, wer letzte Bahnen mit Blick auf die geschwungene Glasfassade ziehen möchte, muss das heute oder morgen tun. Schwimmmeister Georg Schwiderski freut sich über die vielen Besucher, die außer den Badesachen ihre Erinnerungen mitbringen: „Wie das Paar, das sich 1958 hier kennengelernt hat und sich noch einmal Händchen haltend auf die Tribüne setzt.“

Nur ein Euro Eintritt zum Finale

Das Hauptbad hat am heutigen Dienstag, 29. Dezember, und am Mittwoch, 30. Dezember, jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Um 13 Uhr gibt’s Führungen.

Eintritt: 1 Euro; Geldwertkarten gelten nicht – der Kassenautomat ist schon im neuen Bad am Thurmfeld. Das öffnet am Montag, 4. Januar, um 6.30 Uhr.

 
 

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