Im A40-Tunnel in Essen ist alles neu - bis auf die Toiletten

Detlef Feldhoff von der Bauaufsicht zeigt am Schaltplan, sieben Meter unter der „Freiheit“, wo die neuen Notfalltaster überall zum Einsatz kommen.
Detlef Feldhoff von der Bauaufsicht zeigt am Schaltplan, sieben Meter unter der „Freiheit“, wo die neuen Notfalltaster überall zum Einsatz kommen.
Foto: WAZ FotoPool
1005 Meter lang, sieben Meter tief ist der Ruhrschnellwegtunnel, der die A40 unter Essen hindurchführt. Nur noch wenige Tage ist er für den täglichen Pendelverkehr gesperrt. Wenn er wieder eröffnet wird, dürften viele Autofahrer staunen. Fast alles ist neu im A40-Tunnel in Essen.

Essen.. Wenn heutzutage ein landeseigener Betrieb Hand anlegt und die Hauptschlagader des Reviers über Monate hinweg lahm legt, Strecke und Tunnel der A40 saniert, und der Bauherr dann auch noch in der heißen Phase betont, „wir sind voll im Zeit- und Kostenplan“, dann hört man schon genauer hin. Vor allem, weil es seine Kollegen andernorts nicht hinbekommen – man denke an den Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg, den Zeit- und Kostenplan, der zumindest dort arg aus dem Rahmen fällt.

Im Ruhrgebiet bleibt man lieber am Boden und geht sogar noch etwas tiefer in den Berg hinein, denn damit kennt man sich schließlich aus: Sieben Meter unter der Erdoberfläche führt der Ruhrschnellwegtunnel den Verkehr aus Bochum kommend gen Mülheim. Und umgekehrt. 1005 Meter ist er lang, seine beiden Röhren noch bis zum 30. September dicht, so wie die A40 zwischen Essen-Ost bis und Essen-Zentrum. Rund um die Uhr wird unter der „Freiheit“ fleißig gewerkelt. Bis zum Schluss.

18 Millionen Euro kostet die Sanierung der A40 in Essen

Da, wo normalerweise täglich weit über 86.200 Fahrzeuge über den Asphalt rollen, steht jetzt noch schweres Baugerät, liegen Stützpfeiler, Kabeltrommeln und zahlreiche kleine Bauelemente herum. „Das schaffen die nie“, meint einer, der das Treiben auf der Großbaustelle von der Brüstung an der Freiheit aus beobachtet. 18 Millionen Euro kostet das Mammutprojekt, inklusive Tunnel. „Wenn alles fertig ist, werden die Au­tofahrer an vielen Stellen gar nicht bemerken, was wir dort überhaupt verändert haben“, ist sich Projektleiter Peter Belusa sicher. Denn das Gros der Modernisierungen, vor allem in Sachen Sicherheit, bleibe für den Autofahrer hinter meterdicken Wänden aus Stahlbeton verborgen.

Etwa die 200 Kilometer Kabel, die hauptsächlich in den beiden „Medienschächten“ am linken und rechten Tunnelrand verlegt werden. Und die moderne Computertechnik für die Sicherheits-, Lüftungs- und Notstromtechnik in der Hauptzentrale am Ostportal, direkt am Busbahnhof, sowie in der baugleichen Unterzentrale, die in der Tunnelmitte hinter mehreren dicken Eisentüren verborgen liegt. Große Räume, Zwischengeschosse und -böden, lange Flure und Schächte, die den Tunnel mit dem Hauptbahnhof und dem U-Bahnhof verbinden – ein wahres Labyrinth – erschließen sich dem, der auf der Baustelle hinter die Kulissen blickt.

53 statt bisher sieben Kameras sollen künftig den A40-Verkehr beobachten

1970 erbaut, ist Essens A40-Tunnel der zweitälteste von 45 Tunneln, die vom Landesbetrieb Straßenbau NRW (siehe Box) betrieben werden. 53 statt bisher sieben Kameras sollen künftig den Verkehr in beiden Röhren überwachen. Einige, sagt Detlef Feldhoff von der Bauaufsicht, seien sogar in der Lage, „Problemfälle zu erkennen und sofort Alarm zu schlagen“. Das gelte für Fahrzeuge, die in Schlangenlinien oder einer „annormalen Fahrweise“ über die Bahn rollen, Radfahrer, die aus Versehen auf die Autobahn gerollt sind, Fußgänger, die Hilfe suchend in den beiden Röhren unterwegs seien oder Graffiti-Sprayer, die sich bei ih­rem Tun ungestört fühlen.

Und dennoch gestochen scharf über die Bildschirme der Tunnelleitzentrale Duisburg flimmern. „Alle Tunnel in NRW, die 400 Meter und länger sind, werden von uns 24 Stunden täglich, 365 Tage im Jahr videoüberwacht“, sagt Projektleiter Belusa. Das solle ein „Höchstmaß an Sicherheit“ bieten.

Nur die Toiletten auf der A40 bleiben die alten

„Der Tunnel wird leuchten wie ein Weihnachtsbaum“, verspricht Feldhoff, wenn er an die neue Fahrbahnbeleuchtung, Brandnotbeleuchtung, Fluchtwegmarkierungen sowie die Fluchttüren denkt. Letztere führen von einer in die andere Röhre – und sind in naher Zukunft behindertengerecht. „Wer im Rollstuhl sitzt, kann dort im Ernstfall durch“, so Feldhoff. Eine Lautsprecheranlage wird auch eingebaut, neuste Löschtechnik und eine neue Brandmeldeanlage, dazu Schranken und Wechselzeichen vor den Tunneleinfahrten, den Auffahrten und auf der A40, die den Verkehr im Brandfall von der Bahn ins Stadtgebiet umleiten. Die 19 Notrufstati­onen, verteilt auf beide Tunnelröhren, werden technisch modernisiert.

Einzig die Toiletten in den bleiben Tunnelzentralen so wie sie sind. Genutzt werden sie vom Wartungspersonal. „Da will das Land Steuergelder sparen, nur leider am falschen Ende“, heißt’s von einem, der auf der Baustelle arbeitet. Er rechnet damit, dass die nächste Sanierung einen neuen Lokus bringt – in 30 oder 40 Jahren.

 
 

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