IGBCE-Forum hatte nur CDU, SPD und Grüne eingeladen

Kritisierte, dass seine Partei auf dem Podium fehlte: Wolfgang Freye von den Linken, hier bei einer Veranstaltung in Kray vor einem Jahr.
Kritisierte, dass seine Partei auf dem Podium fehlte: Wolfgang Freye von den Linken, hier bei einer Veranstaltung in Kray vor einem Jahr.
Foto: WAZ FotoPool
Als das Essener IGBCE-Regionalforum Bundestagskandidaten zum Meinungsaustausch einlud, waren nur SPD, CDU und Grünen vertreten, Ein „Beschluss von oben.“ Metallgewerkschafter Wolfgang Freye, der für die Linkspartei im Essener Rat sitzt, tadelte die Veranstalter prompt wortreich.

Essen.  Von wegen Qual der Wahl. Als das Essener IGBCE-Regionalforum am Mittwoch heimische Bundestagskandidaten zum lebhaften Meinungsaustausch einlud, sollte Übersichtlichkeit wohl Trumpf sein. Denn lediglich drei exklusive Farben waren auf dem Gewerkschafts-Podium zugelassen: Rot, Grün und Schwarz - vertreten durch Dirk Heidenblut (SPD), Matthias Hauer (CDU) und Kai Gehring (Bündnis 90/Grüne).

So überrascht es nicht, dass der Metallgewerkschafter Wolfgang Freye, der für die Linkspartei im Essener Rat sitzt, die Veranstalter prompt wortreich tadelte und die mangelnde Farbenvielfalt empört an den Pranger stellte.

Doch die wackeren Bergbaugewerkschafter schalteten einfach auf stur („Beschluss von oben, Kollege!“) und so musste die ebenfalls anwesende Linken-Kandidatin Cornelia Swillus-Knöchel weiterhin mit der Rolle einer einfachen Zuhörerin Vorlieb nehmen.

Doch offenbar saß der pikante Vorwurf, bei der Komposition des Podiums andere maßgebliche Parteien absichtlich ausgegrenzt zu haben, sehr tief. So tief, dass sich der Genosse und die Genossin der Linkspartei fortan geschickt die Bälle zuwerfen durften. Fragen ans Podium zogen sich in die Länge wie ein Kaugummi. Gerne nutzte die linke Kandidatin die Gunst der Stunde, um den voll besetzten Saal in pointierten Kurzreferaten detailreich über die Highlights des linken Wahlprogramms zu informieren.

Ein cleverer Schachzug, den ein weiterer Zuhörer ebenfalls mit Erfolg anwenden sollte. Dieser, ein Metallfacharbeiter aus dem Norden der Stadt, erwies sich als Bundestagskandidat der marxistisch-leninistischen Partei, der einige Proben Klassenkampf-Rhetorik zum Besten gab. Da der Schlagabtausch zwischen Rot, Grün und Schwarz auf dem Podium weitgehend ausblieb, entwickelten seine kühnen Forderungen immerhin einen gewissen Unterhaltungswert. Insbesondere der Vorschlag, Frauen mit 55 in die Rente zu schicken (Männer mit 60), löste allgemeine Heiterkeit aus.

Die Moral von der Geschicht’: Ein Podiumsplatz ist nicht unbedingt nötig, um Akzente zu setzen. Es klappt auch aus der Tiefe des Saales heraus.

 
 

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