Essen

„Ich war noch niemals in New York“ statt Rente: Von Musical-Darstellerin Gisela Kraft (74) kannst du noch lernen

Gisela Kraft denkt noch lange nicht an Rente.
Gisela Kraft denkt noch lange nicht an Rente.
Foto: Funke Foto Services
  • Gisela Kraft spielt im Muscial „Ich war noch niemals in New York“ die Rolle der Rentnerin Maria
  • Mit ihren 74 Jahren denkt sie aber gar nicht daran, selbst in den Ruhestand zu gehen
  • Stattdessen tourt sie als Musical-Darstellerin durch Deutschland

Essen. Einmal am Tag ärgert sich Gisela Kraft richtig. Und einmal lacht sie sich kaputt. Das ist ihr Geheimnis - um mit 74 Jahren immer auf den Musical-Bühnen zu stehen. Während andere Menschen ihre Rente genießen, tourt sie mit lauter jungen Sängern und Tänzern durch die Republik.

„Ein Jungbrunnen“, wie sie sagt. Voller Energie und Tatendrang. Kurz nach der Nachmittagsprobe, drei Stunden lang. Nicht mehr lang bis zur Show.

Zeit für ein Interview mit DER WESTEN aber bleibt. Dabei: viel Lachen. Und einmal lacht sie sich sogar kaputt.

Noch bis Sonntag ist Kraft in Essen zu sehen

Noch bis zum Sonntag ist sie mit dem Musical „Ich war noch niemals in New York" im Colosseum-Theater Essen zu sehen. In dem Stück spielt sie seit vier Jahren die Rolle der Maria Wartberg. Maria ist Rentnerin, brennt mit ihre großer Liebe aus dem Altenheim durch. Und macht eine Kreuzfahrt nach New York.

Auch das Leben von Gisela Kraft gleicht einer Kreuzfahrt: Geboren in Köln, aufgewachsen in der DDR, dann zur Schauspielschule nach Westberlin. Und dann an die Theaterbühnen in der Republik. Bis sie 1981 am Stadttheater in Bielefeld heimisch wird. „Dort konnte ich in Ruhe meinen Sohn großziehen, während andere Schauspielerkollegen quer durch Deutschland zogen."

Eine Musical-Rolle? „Kannst du vergessen!“

So wie sie heute, im Rentenalter. Zwar hat sie noch eine Wohnung in Ostwestfalen. Die sieht sie aber nicht oft. Kraft: „Bielefeld ist wie Ferien. Doch nach einem Monat packt mich wieder die Sehnsucht nach einer anderen Stadt. Ich habe nie angestrebt, einen sicheren Hafen zu erreichen."

Ihre Musical-Karriere begann 2012 mit dem Anruf eines Casting-Agenten und Schauspielerkollegen, mit dem Kraft in „Saturday Night Fever“ eine kleine Sprechrolle hatte. Ob sie nicht Lust hätte auf die Rolle der Maria? „Kannst du gleich vergessen", antwortete sie.

Zum Casting ging sie trotzdem. Und wurde engagiert. „Dabei habe ich nicht gedacht, dass ich überhaupt singen kann. Und tanzen? ", erinnert sich Kraft.

Bewunderung für die Sänger und Tänzer

Tanzen muss sie in „Ich war noch niemals in New York“ nicht. Anstrengend ist die Tour trotzdem: Einmal am Tag ist Aufführung. Am Wochenende sind es sogar zwei. Kein Problem für die Seniorin. „Ich bewundere die Tänzer und anderen Sänger, die körperlich Höchstleistungen erbringen müssen. Immer und immer wieder. Deren Energie strahlt auch auf mich aus.“

Spätestens wenn der Vorhang fällt, ist jede Erschöpfung der Vortage bei ihr gewichen. Fünf Mal noch in Essen, bis das Musical nach Frankfurt weiterzieht. Wieder eine neue Stadt. Und neue Menschen. Kraft: „Ich bin jemand, der nie lange alleine bleibt."

Die Menschen im Pott sind einfach liebenswert

Die Tage noch saß sie an einer Essener Bahnhaltestelle. Ein älterer Herr fragt: „Ist da noch frei?" Kurze Zeit später: Ein Gespräch über Rücken und die Menschen im Ruhrpott. Die sind: „Einfach liebenswert", so Kraft.

Und hätte am liebsten weitergequatscht. Doch ihr Zug kam.

Die Menschen sind es auch, die Kraft die Strapazen der Reisen vergessen lässt. „Ob Arme oder Reiche im Pelz. Ich lerne so viele kennen. Das finde ich wunderbar. Ich könnte mir gar nicht vorstellen immer mit den gleichen graugelockten Damen am Kaffeehaustisch zu sitzen", antwortet sie und lacht sich beim Gedanken daran kaputt.

Wie immer. Einmal am Tag.

Wenn du Gisela Kraft und das Musical „Ich war noch niemals in New York“ noch einmal im Colosseum Essen sehen willst:

Freitag ist die Show um 19.30 Uhr, Samstag um 15 und 19.30 Uhr. Sonntag um 14 und 19 Uhr. Karten gibt es ab 60 Euro.

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