Essen

„Ich hab gar keinen Bock mehr!“ Wie Gestrandete nach „Friederike“ ihre unfreiwillige Nacht in Essen erlebten

Gestrandete über ihre Nacht in Essen nach „Friederike“

Wegen des heftigen Sturms saßen viele Menschen in NRW fest. Gestrandete berichten von ihrer unfreiwilligen Nacht in Essen.

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  • Wegen des Orkantiefs „Friederike“ lag das Schienennetz lahm
  • Viele Reisende saßen deshalb fest
  • Ihr Schicksal erlebten die Gestrandeten höchst unterschiedlich

Essen. Es ist der Morgen nach „Friederike“. Die Schlange am Info-Stand der Bahn ist am Freitag genauso lang wie manch eine Miene der Gestrandeten am Essener Hauptbahnhof. Wegen des heftigen Orkans hatte die Deutsche Bahn frühzeitig den Betrieb eingestellt.

Hier aktuelle Infos darüber, was der Orkan „Friederike“ im Ruhrgebiet angerichtet hat ›››

Viele Reisende saßen deshalb fest. Auf der Arbeit bildeten sich spontan Fahrgemeinschaften, manch einer nahm ein Taxi oder kam bei den Kollegen unter. Für viele Fernreisende blieb meist nur die Option: Eine Übernachtung im Hotel.

„Ich habe gar keinen Bock mehr“

Am Freitagmorgen sind einigen Reisenden die Strapazen der Nacht ins Gesicht geschrieben. Einige glänzen mit Augenringen bis zum Boden. Zwei Freundinnen, eine davon schwanger, hatten den Kaffee auf. Sie wollten am Donnerstag von Hattingen zurück nach Freiburg fahren. Doch „Friederike“ machte ihnen einen Strich durch die Rechnung.

Über Umwege schafften sie es am Ende nur noch nach Essen, bekamen das gefühlt letzte Zimmer in den ausgebuchten Hotels der Stadt. Ob sie von ihrer Tortur berichten wollen? Sie winken ab: „Ich habe gar keinen Bock mehr auf nichts, vor allem nicht vor die Kamera“, sagt eine der beiden. Wann es weiter in den Süden geht, wissen sie nicht. Denn viele Züge fallen weiter aus, weswegen sie sich in Geduld üben müssen.

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So hart traf „Friederike“ das Ruhrgebiet
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Komplizierte Hotelsuche

Andere konnten sich schon frühzeitig um Alternativen kümmern. So wie Simone Lindweg, die alle zwei Wochen beruflich von Hamburg nach Essen reist. „Es hieß ja schon am Mittag, dass keine Züge mehr fahren. Insofern habe ich schnell umdisponiert und mir noch ein Hotelzimmer organisiert“, berichtet die Hamburgerin.

Das habe zwar etwas gedauert, weil sie nicht die einzige war, die spontan ein Zimmer gesucht habe. Aber als alles in trockenen Tüchern war, habe sie einen entspannten Abend verlebt.

„Ich habe sehr nette Leute kennengelernt“

Nicht so Monika Rademacher. Die Gelsenkirchenerin fand am Abend keinen Weg mehr zurück nach Hause und kam letztlich bei einer Kollegin unter. Das Positive: „Ich habe sehr nette Leute kennengelernt, die in einer ähnlichen Lage war“, freut sich Rademacher.

Zu Hause war die Gelsenkirchenerin am Morgen seit über 24 Stunden nicht mehr. Dahin geht's auch vorerst nicht mehr: „Ich geh jetzt von hier aus gleich wieder an die Maloche“, so Rademacher.

Ein entspannter Arbeitstag klingt dann doch etwas anders.

 
 

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