Hunderte Schrotträder verschandeln Essener Straßen

Michael Mücke
Zurückgelassene Schrotträder am Straßenrand sind in vielen Städten ein Ärgernis, auch in Essen. Für flächendeckende Kontrollen fehlen aber die Kapazitäten
Zurückgelassene Schrotträder am Straßenrand sind in vielen Städten ein Ärgernis, auch in Essen. Für flächendeckende Kontrollen fehlen aber die Kapazitäten
Foto: NRZ
  • Fahrrad-Parkplätze werden durch Schrotträder blockiert
  • Eingesammelte Fahrräder kommen nach drei Monaten in die Schrottpresse
  • Für eine flächendeckende Kontrolle fehlen die Kapazitäten

Essen. Sie stehen am Straßenrand, sind an einer Laterne angelehnt, an einem Fahrradbügel angeschlossen oder liegen einfach im Gebüsch: Schrottfahrräder – von ihren Besitzern vergessen oder absichtlich zurückgelassen und damit „entsorgt“.

Die meisten haben reichlich Rost angesetzt, sind beschädigt, oft fehlen auch ganze Teile. Gerade für Anwohner und Bezirksvertreter sind sie ein Ärgernis, weil sie das Stadtbild verschandeln. Ein Fall für das Ordnungsamt. Das sammelt jedes Jahr bis zu mehrere hundert Fahrräder in Essen ein. Endstation: Schrottpresse.

Kapazitäten fehlen

Einer, der sich besonders über diese rostigen Drahtesel ärgert, ist Rolf Fliß, Sprecher der Essener Fahrrad-Initiative (Efi). Ihm missfällt nicht nur der hässliche Anblick dieser Räder. „Die nehmen uns Radfahrern auch freie Parkplätze weg. Und davon gibt es eh nicht genug in Essen“, klagt Fliß. Er plädiert für flächendeckende Kontrollen.

Doch für derart spezielle Einsätze „fehlen uns die Kapazitäten“, erklärt Sandra Korell, zuständige Sachgebietsleiterin beim Ordnungsamt. Zwar notieren sich die Doppelstreifen, sofern sie die Zeit dafür haben, bei ihren Rundgängen in Stadtvierteln auch die Standorte offenbar zurückgelassener Fahrräder und geben diese an den Außendienst weiter, „aber in erster Linie bekommen wir die Hinweise von den Bürgern“, so Korell.

Drei Monate gelagert

Rolf Fliß macht das schon seit Jahren. Sobald er auf seinen Radtouren durch die Stadt auf ein solches Vehikel trifft, notiert er sich die Adresse. „Von mir kriegt dann die Verwaltung regelmäßig eine Mail, wo die Schrotträder stehen.“

„Wir gehen jeder Meldung von Bürgern nach“, versichert Sandra Korell. Ein Mitarbeiter inspiziert das Fahrrad dann vor Ort. Wenn es seiner Ansicht nach nur noch Schrottwert hat und nicht mehr als Verkehrsmittel genutzt wird, wird eine rote Karte am Fahrrad befestigt, mit der Aufforderung an den Besitzer, es innerhalb von vier Wochen zu entfernen.

Geschieht das nicht, wird das Rad vom Amt für Straßen und Verkehr abgeholt – wenn nötig zuvor das Schloss aufgebrochen – und drei Monate lang eingelagert, bis die Essener Entsorgungsbetriebe die Verschrottung übernehmen. „In dieser Zeit hat der Besitzer noch Gelegenheit, sein Fahrrad zurück zu holen“, betont Sandra Korell, was auch durchaus vorkommt.

Vor Fahrraddieben schützen

Denn das Ordnungsamt beobachtet das Phänomen, dass Radfahrer ganz bewusst mit schlecht aussehenden Rädern unterwegs sind, um sich so vor Fahrraddieben zu schützen. Und manche Räder werden irrtümlich von den Ordnungskräften als herrenlos eingestuft. „Einmal kam ein Besitzer zu uns und wollte sein Fahrrad zurück haben“, erinnert sich Sandra Korell. „Es war schon verschrottet.“

In solchen Fällen geht das Ordnungsamt dann wortwörtlich unbürokratisch vor – wie in diesem: „Der Besitzer konnte sich sofort ein anderes Fahrrad aussuchen, das für die Entsorgung bestimmt war.“ Und damit sollen sich am Ende bisher alle Beteiligten zufrieden gegeben haben.