Essen

Hunde dürfen wegen Kälte über Nacht ins Essener Tierheim: Warum Obdachlose das Angebot kaum nutzen

Einige Wohnungslose verbringen die kalten Nächte lieber auf der Straße, als ihre Hunde über Nacht abzugeben. (Symbolbild)
Einige Wohnungslose verbringen die kalten Nächte lieber auf der Straße, als ihre Hunde über Nacht abzugeben. (Symbolbild)
Foto: imago
  • Obdachlosenunterkünfte erlauben keine Tiere
  • Essener Tierheim übernimmt Tiere für die Nacht
  • Angebot wird wenig genutzt

Essen. Im Essener Tierheim können Obdachlose bei eisigen Temperaturen ihre Tiere über Nacht abgeben, um selbst in eine Nachtunterkunft zu gehen, in der keine Tiere erlaubt ist.

Gerade bei der Kälte sollte dieses Angebot Anklang finden, aber das tut es nicht. Im Winter vor zwei Jahren hat das Tierheim Essen schon einmal angeboten, die Tiere von Obdachlosen über Nacht zu nehmen. Tierheimleiterin Tilly Küsters erzählt: „Vor zwei Jahren haben gerade einmal zwei Wohnungslose ihre Hunde bei uns abgegeben.“

Hunde vertragen die Kälte eigentlich gut

Das Tierheim Team kümmert sich zwar um die Tiere, möchte aber sicherstellen, dass es den Wohnungslosen gut geht. Sie sollen die Möglichkeit haben in eine Nachtunterkunft zu gehen, ohne sich sorgen um ihre Hunde zu machen. „Uns geht es da in erster Linie um die Menschen. Die Hunde haben Unterwolle und könnten die Temperaturen überstehen, die Menschen nicht“, sagt die Leiterin.

Viele Obdachlose wollen aber ihren Hund nicht abgeben. Markus Pajonk von „Essen packt an!“ erklärt das so: „Der Hund ist der Sozialpartner. Das ist so, als müssten Sie ihren Ehepartner abends abgeben und morgens wieder abholen. Das macht nicht glücklich.“

Hund ist für Obdachlose ein wichtiger Sozialpartner

„Essen packt an!“ betreut unter anderem das Projekt „Warm durch die Nacht“. Mit heißen Suppen und Kleiderspenden sollen Obdachlose in kalten Nächten versorgt werden.

-------------------------------------

• Mehr Themen:

„Die Ärmsten sollen die Hauptlast der Zuwanderung tragen“ - Linkenpolitikerin Wagenknecht poltert nach Essener Tafel-Streit

Essener Tafel: Vorsitzender Jörg Sartor denkt nach Vandalen-Attacke über Rückritt nach

• Top-News des Tages:

Warum Wolfgang Petry nicht zur Premiere seines eigenen Musicals kam: Brief erklärt Entscheidung

Autofahrer (41) wollte nur seinen Motor starten - das hätte tödlich für ihn enden können

-------------------------------------

Laut Pajonk haben Wohnungslose mit Tieren eigentlich keine großen Probleme, eine Unterkunft zu finden. Die Meisten kommen bei solchen Temperaturen bei Freunden und Bekannten in Wohnungen unter. Viel mehr sind es die Menschen ohne Tiere, die draußen bleiben.

Wohnungslosen kann nicht immer geholfen werden

„Gestern Abend haben wir jemanden nackt unter einer Plane gefunden. Wenn dieser Mensch ansprechbar und auf der Höhe ist, dann kann man da nicht viel machen“, erzählt Pajonk.

In solchen Momente, könne man den Wohnungslosen nicht helfen, da sie bei klarem Verstand seien, sich nicht überzeugen ließen in eine Unterkunft zu gehen und kein Fall für das Krankenhaus seien.

Wohnunglose können sich an „Essen packt an“ wenden

Das Team von „Essen packt an!" versucht zwar solche Wohnungslosen davon zu überzeugen, in eine Unterkunft zu gehen. Aber oft haben diese Menschen weitreichendere Probleme, wie psychische Störungen.

Auf der Straße sei die Nummer von „Essen packt an!“ bekannt und die meisten Wohnungslosen kennen laut Pajonk zum Beispiel Kneipen, von denen aus sie die Organisation erreichen können. „Essen packt an!“ kann dann weitervermitteln, doch wird dieses Angebot zu selten genutzt - ob mit oder ohne Tier.

+++++++++
Du willst immer wissen, was in Essen los ist? Dann klicke hier und hol dir den kostenlosen Essen-Newsletter von DER WESTEN.

 

EURE FAVORITEN