HoGeSa will Kirchengemeinde wegen Glockengeläut verklagen

Nach der Kundgebung bepöbelten HoGeSa-Anhänger die katholische afrikanische Gemeinde.
Nach der Kundgebung bepöbelten HoGeSa-Anhänger die katholische afrikanische Gemeinde.
Foto: Funke Foto Services
Wegen Glockengeläut will HoGeSa die Kirchengemeinde St. Gertrud verklagen. Teilnehmer bepöbeln die afrikanische Gemeinde und pinkeln an Kirchenmauern.

Essen.. HoGeSa will die Kirchengemeinde St. Gertrud wegen Glockengeläuts verklagen, weil am Sonntag während der fast zweistündigen Hogesa-Abschlusskundgebung auf dem Viehofer Platz die Glocken der benachbarten Kirche läuteten. Horst Roeseler, Organisator der HoGeSa-Demo und Politiker der rechtspopulistischen Partei Pro NRW, kündigte am Montag an, Strafanzeige zu stellen: Es handle sich bei der Störung einer genehmigten Kundgebung um eine Straftat. "Ein Eingriff in die Sicherheit", so Roeseler, denn man habe Lautsprecherdurchsagen der Polizei nicht verstehen können. Die Polizei selbst habe vor Ort auf höhere göttliche Gewalt verwiesen.

Diakon: Warum haben 'Bewacher des christlichen Abendlands' etwas gegen Glocken?

„Sollen sie mal machen“, sagt der Essener Anwalt Klemens Roß. „Da wird nichts bei rauskommen.“ Denn: Damit eine Versammlungsstörung im Sinne §21 des Versammlungsgesetzes erfüllt sei, müsse die Absicht vorgelegen haben, die Veranstaltung tatsächlich zu unterbinden. „Die Kundgebung wurde ja durchgeführt, die Reden waren trotz Glockengeläut zu hören“, sagt Roß. Los ging es um 14 Uhr, ab 15 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung und traf etwa um 15.30 Uhr wieder am Viehofer Platz ein.

„Wir läuten immer sonntags ab 14 Uhr“, sagt Winfried Rottenecker, der Diakon an St. Gertrud. Denn dann feiert die katholische afrikanische Gemeinde Eucharistie. Und länger ausgefallen sei das Geläut, weil Caritassonntag war: „Wir hatten Flüchtlingsfest“, erklärt Rottenecker - syrischer Chor und Kinderchor traten auf, es gab syrisches Essen, Lieder auf Aramäisch und Arabisch. Überhaupt kann der Diakon nicht ganz nachvollziehen, „warum die Bewacher des christlichen Abendlands etwas gegen Glocken haben“, wie er sagt – denn die seien doch ein Zeichen für ein friedliches Miteinander und rufen zum Gebet.

Afrikanische Gemeinde bespuckt und bepöbelt

Dass es die HoGeSa-Anhänger mit ihrem behaupteten christlich-abendländischen Anspruch nicht ganz so genau nehmen, zeigen einige unschöne Szenen nach der offiziellen Kundgebung. Vom Viehofer Platz ziehen die „Hooligans gegen Salafismus“ in mehreren Gruppen über die Rottstraße Richtung Innenstadt, teils von der Polizei eskortiert.

Sie passieren die Pforte von St. Gertrud; genau in dem Moment, als die afrikanische Gemeinde aus der Kirche kommt. Als „ekelhaft und hässlich“ beschreibt Gemeindemitglied Thomas Rünker das, was folgt. Eine größere Gruppe hätte die Mitglieder der afrikanischen Gemeinde angespuckt, „Abschieben, Abschieben“ hätten sie gerufen, und „Hier marschiert der nationale Widerstand“.

Anzeige gegen Kirchenpinkler

„Die Polizei hat das sofort erkannt und deeskaliert“, lobt Rünker die Polizei, der von anderer Seite drastisches Fehlverhalten vorgeworfen wird. Hier jedenfalls habe die Einsatzleitung die Gefahr erkannt, ein Zug Bundespolizisten schiebt sich schützend vor die Gemeinde. Im Weitergehen pöbelt der braune Mob weiter. Wenig später gehen HoGeSa-Anhänger im Bereich Pferdemarkt auf Gegendemonstranten los, 100 werden festgesetzt.

Auch das zeige, wes Geistes Kind diese Leute seien, findet Diakon Rottenecker: „Die Afrikaner sind Ärzte, Anwälte, Geschäftsleute, die meisten mit deutschem Pass. Die lachen sich doch ins Fäustchen über solche Dumpfbacken.“ Dass es mit der Verteidigung christlicher Werte nicht weit her ist, bestätigt auch ein Polizist: Es sei doch befremdlich, dass man die ganze Zeit scharf aufpassen müsse, dass die bierseligen Islamgegner ihre Notdurft nicht gegen geweihte Mauern verrichten. Der Beamte stellte Anzeige gegen mindestens einen Kirchenpinkler.

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