Höhere Geldstrafe der Evag hält Schwarzfahrer nicht ab

Allein im vergangenen Jahr waren die Ticket-Kontrolleure 43.500 Stunden im Einsatz.
Allein im vergangenen Jahr waren die Ticket-Kontrolleure 43.500 Stunden im Einsatz.
Foto: WAZ FotoPool
  • Der Anteil der ertappten Schwarzfahrer hat sich nicht signifikant geändert
  • Allein am Rüttenscheider Stern wurden innerhalb weniger Stunden 142 Fahrgäste ertappt
  • Jedes Jahr gehen mehrere Millionen an Einnahmen verloren

Essen. Auch die höhere Strafe schreckt Schwarzfahrer nicht ab. Seit August vergangenen Jahres müssen ertappte Fahrgäste, die kein gültiges Ticket vorzeigen können, 60 statt 40 Euro zahlen. Die Essener Verkehrsgesellschaft Evag glaubte, mit dem „erhöhten Beförderungsentgelt“ (EBE) viele schwarze Schafe unter ihren Kunden endlich zur Einsicht zu bringen. Doch die Hoffnungen haben sich zerschlagen.

Nach neun Monaten musste das Unternehmen jetzt eine ernüchternde Bilanz ziehen: Der Anteil der Schwarzfahrer ist unverändert hoch geblieben. Die Evag kontrollierte in dem besagten Zeitraum 1,13 Millionen Fahrgäste und stellte dabei eine Schwarzfahrer-Quote von 2,7 Prozent fest.

Drei Millionen Fahrgäste fahren schwarz

Davor lag sie sogar noch etwas niedriger: 2,5 Prozent. Die neue bundesweite Strategie gegen Schwarzfahrer (eine entsprechende Verordnung hatte im Vorjahr der Bundesrat beschlossen), kann zumindest für Essen mehr oder weniger als gescheitert betrachtet werden. Evag-Sprecher Olaf Frei, der die höheren EBE-Gelder begrüßt hatte, zeigte sich enttäuscht: „Wir waren verhalten optimistisch, dass es zu einer Trendwende kommt. Die aber ist nicht eingetreten.“

Das heißt: Der Verkehrsbetrieb muss weiter davon ausgehen, dass jährlich rund drei Millionen Fahrgäste schwarz fahren und der Evag einen Verlust von geschätzt sechs Millionen Euro bescheren.

Zwar nahm die Evag durch die Erhöhung der Strafe von 40 auf 60 Euro monatlich zusätzlich mehr als 31 000 Euro ein – und forderte von den Schwarzfahrern von August bis April insgesamt eine Million Euro ein. Doch damit werden die Verluste bei weitem nicht wettgemacht, zumal von dem größten Teil der EBE-Einnahmen die 40 Kontrolleure bezahlt werden müssen. Und die waren im Vorjahr insgesamt 43.500 Stunden nur für die normalen Ticket-Kontrollen im Einsatz. Ohne sie, davon ist die Evag überzeugt, würde die Schwarzfahrer-Quote deutlich weiter steigen. Erst vor einer Woche kontrollierten sie in nur sechs Stunden 3712 Fahrgäste der Linien U11, 107 und 108 am Rüttenscheider Stern. 142 Fahrgäste hatten kein gültiges Ticket, was einer Beanstandungsquote von sogar 3,83 Prozent entspricht.

Andere Länder verlangen mehr

Was nun? Noch höhere Strafen? Die Evag hält sich mit einer Bewertung zurück, weist aber darauf hin, dass in anderen Städten und Ländern teils deutlich mehr von Schwarzfahren verlangt werden – in Wien 100 Euro, in Frankreich sogar bis zu 180 Euro. Wenigstens für die Wiederholungstäter sollte doppelt so viel, also 120 Euro, kassiert werden, so die Ansicht der Essener Verkehrsgesellschaft und des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (DVV). „Unsere Erfahrungen zeigen, dass sich das sonst für die notorischen Schwarzfahrer rechnen kann“, betont VDV-Sprecher Lars Wagner. Soweit wollte der Gesetzgeber nicht gehen. Wagner: „Wir halten unsere Forderung trotzdem aufrecht.“

Der Evag bleibt nichts anderes übrig, als neben ihren Kontrollen immer wieder zu appellieren: Schwarzfahren geht zu Lasten jedes ehrlichen Fahrgastes.“

 
 

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