Hitzige Stimmung um 55 Flüchtlinge

Markus Grenz
Ankunft der Roma aus Serbien und Mazedonien, die in der Turnhalle der ehemaligen Hauptschule an der Lohstraße in Essen untergebracht werden. Das Foto entstand am Mittwoch, 17. Oktober 2012. Foto: Klaus Micke / WAZ FotoPool
Ankunft der Roma aus Serbien und Mazedonien, die in der Turnhalle der ehemaligen Hauptschule an der Lohstraße in Essen untergebracht werden. Das Foto entstand am Mittwoch, 17. Oktober 2012. Foto: Klaus Micke / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Die Atmosphäre rund um das ehemalige Schulzentrum an der Bedingrader Lohstraße, in dessen Turnhalle für die kommenden zwei Wochen 55 Flüchtlinge untergebracht sind, ist erhitzt, aber die Luft brennt noch nicht: So könnte man knapp zwei Stunden Bürgerversammlung der CDU in einer völlig überfüllten Gaststätte zusammenfassen, in der ein guter Teil der bis zu 300 Besucher stehen musste und sich Sozialdezernent Peter Renzel redlich bemühte, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.

„Die Stadt hat uns dies in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aufgedrückt. Unseren Bürgerrechten ist auf keinen Fall Rechnung getragen worden.“ Den wohl stärksten Applaus des Abends erntete Johannes Haferkamp, einer der Sprecher der Bürgerinitiative, die sich in der Nachbarschaft gegen die Unterbringung der Flüchtlinge gebildet hat. 1200 Unterschriften „gegen die zentrale Unterbringung von Asylbewerbern an der Lohstraße und für eine gerechte Verteilung im Stadtgebiet“ hatten die Nachbarn an diesem Abend mitgebracht. „Das Vertrauen vor Ort müssen Sie sich erst wieder erarbeiten. Wir sammeln bis Ende Oktober weiter“, ließ Haferkamp den Dezernenten wissen.

Ausländerfeindlichkeit klang bei erfreulich wenigen Redebeiträgen durch. Und auch die Initiative will sich nicht in die rechte Ecke drängen lassen. „Wir stehen zu Rechtsstaatlichkeit und Menschenwürde, lassen uns vor keinen Karren spannen“, sagte Haferkamp, bekam lautstarke Zustimmung von der meisten Gästen.

Es scheint, dass die Angst vor einem NPD-Aufmarsch in der Siedlung mindestens ebenso groß ist wie die Befürchtungen rund um die Roma-Flüchtlinge aus Serbien und Mazedonien. „Wer schützt uns vor dem Pöbel?“, fragte eine Mutter und meinte damit nicht die Flüchtlinge. Am Rande berichtete sie von „Roma raus“-Schmierereien, die von Nachbarn in „Aromabrause“ umgemalt wurden.

Auf zwei Wochen befristet

Vor Ort herrscht Misstrauen, das konnte auch der Dezernent nicht vollständig ausräumen – einen Teil allerdings schon. „Dies wird nicht die elfte Flüchtlingsunterkunft. Dass die Unterbringung auf zwei Wochen befristet ist, habe ich von der Bezirksregierung schriftlich bekommen“, sprach Renzel seine zwei Kernsätze des Abends. Bis Freitag könne man jederzeit bei ihm persönlich im Büro anrufen ( 88 88 500), danach werde eine Hotline geschaltet. Bleibt zu hoffen, dass der Dezernent bis dahin nicht zu viele Termine hat.