Hitze bremst weitere Bahnen aus

Der gestrige „Temperatursturz“ auf nur noch 25 Grad ließ auch die Techniker der Essener Verkehrs-AG (Evag) durchatmen. Denn das Nahverkehrsunternehmen kämpft nach wie vor mit den Folgen der extremen Hitze der vergangenen Tage. Das gilt insbesondere für den Schienenverkehr. So hatte sich am Samstag an zwei weiteren Streckenabschnitten die Isoliermasse an den Gleisen gelöst. Auf beiden stellte die Evag den Betrieb vorübergehend ein. Betroffenen waren die Straßenbahnlinien 103 und 105; zwischen den Haltestellen Helenenstraße und Fliegenbusch fuhren nach Angaben des Verkehrsbetriebes von 16 bis 18.15 Uhr keine Bahnen. Auf der Linie 108 standen die Räder zwischen den Haltestellen Am Freistein und Altenessen Bahnhof still, von 16.30 bis 17.30 Uhr ging auch auf diesem Streckenstück nichts. Allerdings erwiesen sich die Schäden nicht als so gravierend wie in Altenessen.

Dort, auf dem Nordast der Stadtbahnlinie U 11, dauern die Reparaturarbeiten an den Gleisen an. Am Freitagabend hatte sich Bitumen auf einer Länge von etwa drei Kilometern im Gleisbett gelöst. Die U-Stadtbahn kann deshalb nicht fahren, zwischen der Haltestelle II. Schichtstraße und Gelsenkirchen Buer pendeln als Ersatz Busse.

Bitumen hat die Funktion einer Dehnungsfuge; das Material soll Schwingungen der Gleise ausgleichen. Provisorisch wurden die Fuge im Gleisbett gestern mit Asphalt verfüllt. Die so genannte Stromrückführung ist wieder hergestellt. Sie war ebenfalls gestört und lieferte falsche Informationen über den Standort der Fahrzeuge, woraufhin die Leitstelle die Strecke still legte.

Die Reinigung der U-Stadtbahnwagen gestaltet sich nach Angaben der Evag hingegen als schwierig. Versuche, die klebrige Masse mit Trockeneis zu kühlen, in der Hoffnung, diese dann abschlagen zu können, erwiesen sich leider als Fehlschlag, so Evag-Sprecher Olaf Frei. Die Schienenfahrzeuge müssten aufwendig per Hand gereinigt werden. Verklebt sind nicht nur die schweren Radreifen, sondern bei einigen Fahrzeugen auch die Drehgestelle. Diese müssen ausgebaut werden, damit sie gesäubert werden können. Betroffen sind insgesamt elf der 45 U-Stadtbahnwagen. Die Verbliebenen reichen nach Angaben der Evag so eben noch aus, um nach Fahrplan zu fahren, dies jedoch nicht mehr mit hinter einander gekoppelten Wagen.

Warum sich das Füllmaterial gelöst hatte, bleibt Spekulation. Eine mögliche Erklärung: Autos, drücken die Masse beim Überqueren der Schienen aus dem Gleisbett. Schon 2013 waren diese Probleme aufgetreten, auch damals nach extremen Temperaturen, heißt es bei der Evag. Olaf Frei geht davon, dass die Nordstrecke im Laufe der Woche wieder freigegeben wird. Auf einen Tag festlegen mochte sich der Unternehmenssprecher nicht.

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