Historischer Eisenhammer in Essen-Kupferdreh wird wieder schlagen

Ein Blick ins Innenleben des Deilbachhammers: Das Innenleben ist nahezu komplett erhalten.
Ein Blick ins Innenleben des Deilbachhammers: Das Innenleben ist nahezu komplett erhalten.
Foto: FUNKE Foto Services
  • Hammerschmiede wird für 1,5 Millionen Euro bis 2018 saniert
  • Das Deilbachtal gilt als Wiege des industriellen Ruhrgebiets
  • Trägerverein soll Museumslandschaft langfristig bespielen

Essen. Mit quietschenden Scharnieren öffnet sich die schwere Holztür, nicht mehr als einen Spalt breit, so dass Heinzelmännchen hindurchhuschen können. Geschwind entfachen die fleißigen Helfer das Schmiedefeuer, das schon vor vielen Jahrzehnten erkaltet ist. Bald darauf dröhnen die Schläge des Eisenhammers durchs malerische Deilbachtal wie einst vor vielen Hundert Jahren. Die Vorstellung, der historische Deilbachhammer könnte bald seine Arbeit wieder aufnehmen, hat etwas Märchenhaftes. Viel Fantasie bedarf es dafür nicht, scheint es doch als sei die Zeit stehen geblieben in dem flachen Steinbau am Ufer des Deilbachs. Und tatsächlich: In drei Jahren soll der Hammer, der seinesgleichen sucht, wieder schlagen.

In dieser Woche fasste der Rat der Stadt den Baubeschluss für die umfassende Sanierung des historischen Ensembles aus Deilbachhammer, Meister- und Arbeiterhäusern. Rund 1,5 Millionen Euro werden in den Erhalt des Baudenkmals fließen.

Für jene, die sich über Jahre dafür stark gemacht haben, ist es ein Meilenstein auf einem langen und mitunter steinigen Weg. Kulturdezernent Andreas Bomheuer formuliert es nicht ohne Pathos: „Historisch betrachtet, sind wir an einem Punkt angekommen, an dem wir sagen können: Das Deilbachtal kann gestaltet werden.“

Hier, zwischen Kupferdreh und Velbert-Nierenhof, steht die industrielle Wiege der Region. Schon im 16. Jahrhundert schmiedeten Handwerker am Ufer des Deilbachs Sensen, Pflugscharen und was an Werkzeugen in der Landwirtschaft benötigt wurde. Im frühen 19. Jahrhundert wurde im Deilbachtal Eisenbahngeschichte geschrieben, als die von Pferden gezogene Deilthaler Eisenbahn durch das enge Tal rollte. Spuren davon sind bis heute zu finden.

Schauvorführungen des Ruhrmuseums

Ja, wer die Nierenhofer Straße zwischen Kupferdreh und Velbert entlang fährt, der bekommt ein Gefühl für diese Zeit des Übergangs vom bäuerlichen Leben hin zu den Anfängen des Industriezeitalters.

Das Hammergebäude mit seinem nahezu vollständig erhaltenen Interieur ist das Herzstück dieser „Museumslandschaft“. Für fast 300 000 Euro wird es nun instandgesetzt, damit es bald durch das Ruhrmuseum „bespielt“ werden kann. Mindestens 25 Jahre lang soll es für Schauvorführungen genutzt werden. Die NRW-Stiftung, die die Sanierung mit 250 000 Euro fördert, hat dies zur Bedingung gemacht.

Allein das historische Wasserspiel, das einstmals über Wasserräder die mächtige Hammerwelle antrieb, wird sich wohl nicht mehr rekonstruieren lassen, bedauert Ulrich Borsdorf, ehemals Direktor des Ruhrmuseums und einer der Protagonisten des Konsortiums, das sich um den Erhalt des Ensembles verdient gemacht hat.

Drängender noch ist die Renovierung der beiden Arbeiterhäusern, deren Verfall nicht zu übersehen ist. Schon in den 1960er sollten sie abgerissen werden. Ihrem kulturhistorischen Wert trug die Stadt jedoch Rechnung, was nicht unbedingt typisch war für diese Zeit. Noch bis zur Jahrtausendwende wurden die Häuser bewohnt. Seitdem stehen sie leer. Ihre Instandsetzung wird laut Kalkulation 476 000 Euro kosten.

Das Meisterhaus müsste ebenfalls umfassend saniert werden. Allein, es fehlt das Geld. 784 000 Euro werden benötigt, um es in Einklang mit dem Denkmalschutz herzurichten.

Andreas Bomheuer setzt auf bürgerschaftliches Engagement. In diesen Tagen haben sich die „Freunde und Förderer des Deilbachtals“ zusammengefunden. Den Vorstand bilden Mitglieder des Konsortiums: Hans Schippmann für den Verein für Stadt und Stift, Theo Grütter für das Ruhrmuseum, Wolfgang Rüskamp für die Bürgerschaft Kupferdreh und Ulrich Borsdorf für den Verein Idee, der schon die Sanierung des Halbachhammers auf der Margarethenhöhe gestemmt hat. Das Ziel ist ein Trägerverein, der sich um die gesamte Museumslandschaft im Deilbachtal kümmert.

Gebraucht werden noch viele fleißige Hände.

 
 

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